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Zahnheilkunde 2. Februar 2015

Kein Fall gleicht dem anderen

Wurzelkanalbehandlung oder Implantat – die endgültige Entscheidung muss im Einzelfall geklärt werden.

Eine Wurzelkanalbehandlung ist eine der letzten Möglichkeiten einen Zahn zu erhalten, der durch eine Karies bis in die Zahnpulpa geschädigt ist. Doch wie lange hält ein wurzelbehandelter Zahn? Oder sind Implantate langfristig gesehen nicht doch „die besseren Zähne“? Diesen Fragen hat sich die Deutsche Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie e.V. (DGET) gewidmet.

Die European Society of Endodontology (ESE) hat strenge Richtlinien definiert, die eine erfolgte Wurzelkanalbehandlung als Erfolg oder Misserfolg einstufen. Demnach ergeben sich in einem Beobachtungszeitraum von meist 1 bis 5 Jahren Erfolgsraten zwischen 85% und 95%. Auch Zähne, die bereits eine Entzündung des die Zahnwurzel umgebenden Knochens aufweisen, heilen in diesem Zeitraum zu ca. 90% vollständig aus. Die Lebensdauer eines erfolgreich wurzelgefüllten Zahns liegt somit nicht wesentlich unter der eines vitalen, nicht wurzelgefüllten Zahns. Dennoch können Zähne, die bereits wurzelgefüllt sind, Beschwerden verursachen, wenn sie von Infektionen des Zahninneren oder Entzündungen des die Zahnwurzel umgebenden Knochens betroffen sind. Wird diese als nicht erfolgreich eingestufte Wurzelfüllung erneuert, liegen die Erfolgsraten der wiederholten Wurzelfüllung niedriger wie bei der Erstbehandlung. Mögliche Ursachen für den Misserfolg einer Wurzelkanalbehandlung sind Karies, Parodontitis, eine undichte Restauration der Zahnkrone, vertikale Wurzelfrakturen sowie persistierende Entzündungen an der Zahnwurzel.

Direkter Vergleich schwierig

Ein direkter Vergleich zwischen der Erfolgsrate von wurzelbehandelten Zähnen und Implantaten ist schwierig, da in der Implantologie keine einheitlichen Erfolgskriterien existieren wie sie von der ESE für wurzelbehandelte Zähne definiert wurden. Üblicherweise werden bei der Beurteilung eines wurzelkanalbehandelten Zahns strengere Erfolgskriterien herangezogen als bei Implantaten. Auch ist aufgrund des Fehlens einer einheitlichen Erfolgsdefinition der direkte Vergleich zwischen Implantatversorgungen untereinander kaum möglich. Erst 2007 haben die Fachgesellschaften Kategorien zur Klassifikation des Implantaterfolgs vorgeschlagen.

Vergleicht man einzig und allein die Verweildauer eines Implantats oder Zahns in der Mundhöhle, so ergibt sich für beide Behandlungsvarianten eine „Überlebensrate“ von weit über 90 % nach fünf bis zehn Jahren. Somit werden auch Implantate und wurzelbehandelte Zähne mit etwaigen krankhaften Veränderungen als erfolgreich eingestuft, da sie aufgrund des Fehlens von Beschwerden, in der Mundhöhle verweilen. Tatsächlich weisen Implantate zu Beginn meist sehr hohe Erfolgsraten von über 95 % auf. Im weiteren Verlauf können aber Entzündungen des Knochens um das Implantat (Periimplantitis) oder Probleme mit der prothetischen Versorgung des Implantates zu späten Komplikationen oder sogar zum Implantatverlust führen. Die Komplikations- und Misserfolgsrate wird für festsitzende Implantatrekonstruktionen in einem Zeitraum von fünf Jahren mit fast 40% angegeben. Oft können wirtschaftliche Faktoren bei der Entscheidung für ein Implantat eine nicht unwesentliche Rolle spielen, da das Einsetzen eines Implantats für eine Praxis lukrativer als zahnerhaltende Maßnahmen sein kann.

Entscheidung erfolgt individuell

Sind Zähne bereits verloren gegangen, stellen Implantate eine hervorragende Ergänzung des Behandlungsspektrums dar. Auch können Faktoren, die die Prognose des erkrankten Zahns herabsetzen, wie zum Beispiel eine zu geringe Restzahnsubstanz oder die geplante Einbeziehung des fragwürdigen Zahnes in eine komplexe prothetische Versorgung, eher für die Zahnentfernung und die anschließende Versorgung mit einem Implantat sprechen. Die endgültige Entscheidung, ob ein Zahn erhalten werden sollte oder die Implantatversorgung die bessere Lösung ist, muss daher immer im Einzelfall geklärt werden. Es gibt kein eindeutiges Für und Wider für die eine oder andere Versorgung. Jedoch sollten stark geschädigte Zähne niemals vorschnell zugunsten eines Implantates entfernt werden, denn oft ist durch eine Wurzelkanalbehandlung der betroffene Zahn langfristig noch zu erhalten.

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