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Zahnheilkunde 27. November 2014

Schön und gut und klug

Ästhetische Gesichtskorrekturen: Die Gesichtszüge gelten auch als Spiegelbild der Bildung.

Fast 10 Prozent der Frauen und Männer in Deutschland haben sich in den letzten Jahren einem kleineren oder größeren chirurgischen Eingriff im Gesicht unterzogen, um ihr Erscheinungsbild aufzuhübschen. Mehr als 10 Prozent haben dies zukünftig vor.

„Zirka 30% der Bevölkerung stört an einer näheren Beschäftigung mit Ästhetischen Gesichtskorrekturen im Wesentlichen der Preis“, erläuterte Prof. Dr. Dr. Hans-Robert Metelmann von der Universitätsmedizin Greifswald auf der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) vom 14. – 16. November in München. Die meisten Patienten wollen mit einer ästhetischen Gesichtskorrektur Körper und Geist in Einklang bringen. Dabei erhebt sich allerdings die Frage: Kann die moderne MKG-Chirurgie dies überhaupt leisten?

Es geht nicht nur um Äußerlichkeiten!

Auf den ersten Blick scheint es bei der Ästhetischen Gesichtschirurgie um bloße Äußerlichkeiten zu gehen. Doch diese Erklärung greift definitiv zu kurz.

„Auf den zweiten Blick nehmen wir eine Ebene wahr, auf der unsere Operationen wesentlich zum guten Selbstbild der Patientinnen und Patienten beitragen, zu ihrer Kommunikationsfähigkeit und sozialen Integration“, fasst Prof. Metelmann seine Erfahrungen aus seinem Klinikalltag zusammen. „Und wenn man noch etwas länger hinschaut, dann stehen wir mit der Ästhetischen Gesichtschirurgie auf dem Boden unserer abendländischen Kultur und Philosophie, wo der Begriff Kosmos zugleich Schmuck und geordnete Welt bedeutet, und wo sich der Gedanke der Harmonie entwickelt hat, die für schön und gut zugleich steht.“

„Feine Bildung“: für Erziehungsstand und die Gesichtszüge

Dieses Grundverständnis und eine Erwartung, dass die Formulierung „feine Bildung“, wie sie Goethe verwendet, zugleich einen Erziehungsstand und die Gesichtszüge beschreibt, wurde bis zur Gegenwart beibehalten.

Ästhetische MKG-Chirurgie kümmert sich bis heute um die „feine Bildung des Gesichtes“, und man geht wie selbstverständlich davon aus, dass sich Geist und Körper entsprechen. „Diese Erwartung und dieses Ziel sind sehr oft viel zu hoch gesteckt. Damit findet eine Reihe von Misserfolgen in der Ästhetischen Chirurgie ihre philosophische Begründung“, erklärt Metelmann.

Keine Ästhetische Gesichts-OP bei „Hässlichkeitswahn“

Absehbar sind diese Misserfolge bei Menschen, die sich mit einem unangemessenen Behandlungswunsch unter das Messer begeben: „Hässlich, ich bin so hässlich, ich bin der Hass …“ – die Liederzeile aus dem kabarettistischen Song „Codo“ der Gruppe DÖF aus den 1980ern ist für manch einen pure Realität. Diese Menschen halten sich rein subjektiv gesehen für extrem hässlich und leiden unter der Überzeugung, dass bei ihnen ein schwerer ästhetischer Mangel besteht. Dieser Vorstellung liegt eine Störung der Wahrnehmung des eigenen Körpers zugrunde.

Die Patienten tragen das subjektive Gefühl von Hässlichkeit mit sich, obwohl objektiv keine – oder allenfalls kleine – ästhetische Auffälligkeiten bestehen. „Bei diesen Patienten, sie leiden unter dem psychiatrischen Bild einer Dysmorphophobie („Hässlichkeitswahn“) und bilden in der ästhetisch-chirurgischen Sprechstunde 5 bis 10 Prozent der Klientel, geht das SCHÖN und GUT, wie wir uns unser Gesicht wünschen, ins Leere“, erklärt Metelmann.

Denn selbst nach einer objektiv noch so gelungenen Operation werden an Dysmorphophobie leidende Patienten weiterhin unter dem eingebildeten Makel leiden oder ihn auf eine andere Gesichts- oder Körperregion übertragen.Aus all diesen Gründen rät die DGMKG ihren Mitgliedern, im Beratungsgespräch die tatsächlichen Ursachen und Gründe für den Wunsch nach einer ästhetischen Gesichtskorrektur genau zu hinterfragen.

Besteht bei einem Patienten der Verdacht auf Dysmorphophobie, ist von einem ästhetisch motivierten chirurgischen Eingriff dringend abzuraten.

DGMKG/IS, Zahnarzt 12/2014

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