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Zahnheilkunde 30. Oktober 2014

Unheilige Allianz

Diabetes mellitus und Parodontitis treten oft im Doppelpack auf – für eine erfolgreiche Therapie müssen Zahnarzt und Allgemeinmediziner ebenfalls zusammenarbeiten.

Mund- und Allgemeingesundheit sind zwei Seiten einer Medaille. Das belegen wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre eindeutig. Gut erforscht ist insbesondere das Verhältnis zwischen Parodontitis und Diabetes mellitus. Die beiden Erkrankungen verbindet eine wechselseitige ungute Beziehung.

In Österreich gibt es rund 2 Millionen Patienten mit behandlungsbedürftigen Erkrankungen des Zahnhalteapparates, davon eine Million schwere Fälle, und ca. 600.000 diagnostizierte Diabetiker - doch bei beiden Volkskrankheiten liegt Schätzungen zufolge die Dunkelziffer deutlich höher. Ob Menschen ein erhöhtes Risiko für Parodontitis haben, liegt neben den Mundpflegegewohnheiten auch an erblichen Vorbedingungen oder ungünstigen Lebensumständen. Auch Erkrankungen wie Diabetes mellitus können die Krankheit begünstigen. So gilt Parodontitis als eine nicht zu unterschätzende Diabetesfolgeerkrankung. Diabetiker haben im Vergleich zu Nicht-Diabetikern ein dreifach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Dabei gelten sowohl Typ 1- als auch Typ 2-Diabetes nachweislich als Risikofaktoren. Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielt die Blutzuckereinstellung: Gut eingestellte Diabetiker sprechen ähnlich gut auf eine Parodontitis-Therapie an wie Nichtdiabetiker. Umgekehrt sichert eine gute Einstellung des Blutzuckerspiegels den Langzeiterfolg der Parodontitis-Therapie. Umgekehrt kann sich eine optimale Behandlung der Parodontitis günstig auf die Blutzuckerkontrolle von Diabetes-Patienten auswirken. Eine unbehandelte schwere Entzündung des Zahnfleischs erhöht hingegen die Blutzuckerwerte. Daher weisen Diabetiker mit Parodontitis eine schlechtere Blutzuckereinstellung als parodontal gesunde Diabetespatienten auf. Aber auch bei Nichtdiabetikern ist das Risiko für eine Verschlechterung des Blutzuckerspiegels bzw. die Entstehung eines Diabetes mellitus als Folge der Parodontitis erhöht.

Vom Hausarzt zum Zahnarzt…

Sowohl Diabetes als auch Parodontitis sind Erkrankungen, die über Fachgrenzen hinausgehen. Daher erfordert die optimale Behandlung eine enge Zusammenarbeit zwischen behandelndem Hausarzt und Zahnarzt. Die Empfehlung der Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V. DG PARO lautet daher: „Jeder Diabetiker sollte zum Zahnarzt überwiesen werden, wie auch umgekehrt die Zahnarztpraxis ein Screeningort für Diabetes sein könnte.“

Diabetespatienten sollten bei Routineuntersuchungen nach Parodontalerkrankungen befragt, über Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung aufgeklärt und an die jährliche zahnärztliche Untersuchung erinnert werden. Bei leicht erkennbaren Symptomen wie Mundgeruch oder Zahnfleischbluten ist eine zeitnahe Überweisung zum Zahnarzt nötig. Werden gelockerte Zähne, Zahnwanderungen oder eitrige Zahnfleischentzündungen beobachtet, so sollte schnell ein Zahnarzt aufgesucht werden, damit er den Verdacht auf Parodontitis abklärt und gegebenenfalls eine Behandlung vornimmt.

…und umgekehrt

Diabetiker müssen mit ihrem erhöhten parodontalen Erkrankungsrisiko besonders über die Bedeutung der täglichen häuslichen Mundhygiene wie auch über die notwendige lebenslange Betreuung durch ihren Zahnarzt aufgeklärt werden. Neben dem täglichen Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta gehört die regelmäßige Anwendung von Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten zum Pflichtprogramm der Diabetiker-Zahnpflege.

Auch Patienten, die sich ohne Diagnose, aber mit offensichtlichen Risikofaktoren für einen Typ 2-Diabetes (Übergewicht, Bluthochdruck) und Zeichen einer Parodontitis beim Zahnarzt vorstellen, sollten von ihm über ihr Diabetesrisiko informiert werden. Weiterhin sollten sie mit einem Blutzuckertest gescreent und im Bedarfsfall für eine entsprechende Diagnostik an ihren Hausarzt verwiesen werden.

Denn auch in diesem Punkt sind Diabetes und Parodontitis eng miteinander verbunden: Vorbeugung ist die halbe Miete für eine erfolgreiche Behandlung!

 

DG PARO/IS, Zahnarzt 11/2014

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