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Abb. 3: Bestimmung der Kavitätentiefe

Abb. 2: Duplieren der Kauflächenanatomie mit durchsichtiger Silikonmasse

Abb. 6: Der Silikonschlüssel wird mit etwas Druck auf die Füllungen aufgebracht. Überschüssiges Composite kann abfließen und somit ein „Überfüllen“ verhindert werden.

Abb. 1: Ausgangssituation mit okklusalen Kariesläsionen an den Zähnen 36 und 37

Abb. 8: Fertig: Hervorragende ästhetische Integration des Materials

Abb. 9: Die Ausgangssituation mit Kariesläsionen an der distalen Fläche von 14 und der mesialen Fläche von 15.

Abb. 11: Die Charakterisierung mit IPS Empress Direct Color verleiht der Füllung einen ästhetischen Mehrwert.

Abb. 10: Tetric EvoCeram Bulk Fill ist aufgrund seiner Konsistenz, Adaptierbarkeit und seines klinischen Verhaltens im erwärmten Zustand von 37ºC optimal für diese Technik geeignet.

© Piñeiro Sande (12)

Abb. 12: Entfernung der Karies an Zahn 14 nach Fertigstellung der Füllung an Zahn 15

Abb. 5: Die Kavitäten sind vollständig mit dem Material gefüllt.

Abb. 7: Politur mit einem Siliziumkarbid-Polierinstrument (Astrobrush)

Abb. 4: Die Cavifil-Darreichungsform ist optimal für eine homogene Applikation geeignet.

 
Zahnheilkunde 29. August 2014

Ästhetik im Praxisalltag

Das effiziente Vorgehen mit der Seitenzahn-Anatomie-Technik (SAT)

Naturnahe Restaurationen und effiziente Arbeitsabläufe sind für jeden Zahnmediziner ein Grundanliegen im Praxisalltag. Mit der in diesem Artikel beschriebenen Füllungstechnik können diese Bedürfnisse erfüllt werden.

Zweifelsohne wird der Ästhetik in unserer Gesellschaft ein hoher Stellenwert beigemessen. Das auf dem ästhetischen Erscheinungsbild beruhende Gesellschaftsbild beeinflusst unter anderem die allgemeine Gesundheitswahrnehmung eines Menschen. Von dieser Tatsache ist auch die Zahnmedizin nicht ausgenommen. Patienten erwarten häufig möglichst schnelle und hochästhetische Ergebnisse. Eine Füllungstechnik, die dies im Seitenzahngebiet ermöglicht, ist die Seitenzahn- Anatomie-Technik (SAT). In Verbindung mit Bulk-Fill-Composites führt dieses Vorgehen zu kürzeren Behandlungszeiten sowie zu voraussehbaren ästhetischen Ergebnissen. Somit kann das für viele nicht mehr akzeptable Füllungsmaterial Amalgam ersetzt werden. In Bezug auf die Anwendungsmöglichkeiten und die Langlebigkeit sind Composites dem Amalgam als Füllungsmaterial bereits überlegen.

Die Seitenzahn-AnatomieTechnik (SAT)

Dank der guten zahnärztlichen Versorgung und Prophylaxe werden die meisten kariösen Läsionen bereits frühzeitig erkannt; die Kauflächenstruktur eines Zahnes ist zu diesem Zeitpunkt noch erhalten. Anders ist die Situation bei umfassenden Kariesläsionen im Seitenzahnbereich, bei denen die anatomische Form des Zahnes bereits verloren gegangen ist. Bei der Füllungstherapie nach der SAT unterscheidet man je nach dem Grad der kariösen Des truktion zwei Kategorien:

• Kein Verlust der anatomischen Zahnform (direkter Wiederaufbau der Anatomie)

• Verlust der anatomischen Zahnform (indirekter Wiederaufbau der Anatomie)

Der klinische Ansatz bei der SAT ist stets der gleiche und beginnt mit dem Duplieren der anatomischen Zahnform mit einem transparenten Silikon. Nach dem Entfernen aller kariösen Stellen wird die Kavität präpariert und konditioniert. Anschließend werden die Informationen aus dem Silikonschlüssel auf die definitive Füllung übertragen. Ist die anatomische Form nicht mehr vorhanden, wird zuerst die Ausgangssituation mit einem Silikon abgeformt und auf dem daraus erstellten Gipsmodell der Zahn in Wachs aufgebaut. Dieses „Wax-up“ wird mit transparentem Silikon dupliert und somit die anzustrebende Situation in den Mund übernommen.

Bulk-Fill-Füllungsmaterial

In den beschriebenen Arbeitsablauf lassen sich die bereits erwähnten Bulk-Fill-Composites gut integrieren. Zum Beispiel ermöglicht Tetric EvoCeram® Bulk Fill dank seiner optimalen Eigenschaften eine sachgemäße Anwendung der SAT sowie gute ästhetische Ergebnisse. Bei einer Temperatur von 37ºC hat das Material eine Konsistenz, mit der die anatomische Zahnform mit dem Silikonschlüssel gut aufgebaut werden kann. Durch die 15-prozentige Transluzenz lässt sich zudem eine gute ästhetische Integration bei allen Läsionen der Klasse I und II erzielen. Die Aushärtung von Schichten in einer Stärke von bis zu 4mm führt zu keiner Beeinträchtigung der Materialeigenschaften, da das Composite neben den konventionellen Lichtinitiatoren den äußerst reaktiven Lichtinitiator (den Polymerisations-Beschleuniger Ivocerin®) und den Schrumpfungsstress-Relaxator enthält.

Die ausgezeichneten Poliereigenschaften sind durch die feinteiligen Primärteilchen der Füller möglich, wo - mit sich das Material durch eine dauerhafte Oberflächenstabilität sowie eine langlebige Ästhetik auszeichnet. Mit einer Vickershärte von 620 MPa und einem Härtewert von mehr als 80 Prozent bei Schichtstärken von 4mm handelt es sich bei Tetric EvoCeram Bulk Fill um ein zuverlässiges Composite für den Seitenzahnbereich. Es gilt als allgemein akzeptiert, dass die Aushärtungsbedingungen erfüllt sind, wenn in 4mm Tiefe 80% der maximalen Oberflächenhärte erreicht sind. Die Möglichkeit, Materialien für eine individuelle Charakterisierung zu verwenden, stellt einen zusätzlichen Pluspunkt dar.

Erstes Fallbeispiel

In der Ausgangssituation zeigen sich Läsionen der Klasse I; die anatomische Zahnform ist erhalten (Abb. 1). Nach dem Anlegen eines Kofferdams (OptraDam® Plus) für die Isolierung des Behandlungsgebietes werden die zu behandelnden Zähne zunächst mit einem Bürstchen und fluoridfreier Prophy-Paste (Proxyt® RDA 36) gereinigt und danach mit einem transparenten Silikon umfasst. Durchsichtige Miniküvetten können dabei eine detailgetreue Abformung erleichtern (Abb. 2). Nach dem Aushärten des Silikons wird die „Abformung“ auf Lufteinschlüsse geprüft, wobei insbesondere den okklusalen Bereichen (Fissuren) eine hohe Beachtung geschenkt wird. Nach der Exkavation der Karies muss die Tiefe der Präparation bestimmt werden (Abb. 3). Bei weniger als 4 mm wird die Kavität mit nur einer Schicht Tetric EvoCeram Bulk Fill gefüllt. Die Cavifil-Darreichungsform ist für die Applikation einer homogenen Materialschicht optimal, da eine vollständige Adaptation des Composites an die Kavitätenwände begünstigt wird (Abb. 4). Die Kavität muss vollständig mit dem Material ausgefüllt sein (Abb. 5), das nun mit einem geeigneten Modellierinstrument (OptraSculpt® mit Kugelaufsatz) ausgeformt beziehungsweise an die Kavitätenränder angedrückt wird. Indem das Composite vor dem Einsatz auf 37ºC erwärmt wird, kann es sich ideal an den mit etwas Druck aufgesetzten Silikonschlüssel anpassen (Abb. 6). Nach der Entfernung des Silikonschlüssels wird die Füllung zur Vermeidung einer sauerstoffinhibierten Schicht mit Glyzeringel (Liquid Strip) isoliert. Die Aushärtung erfolgt mit einer Lichtintensität von mehr als 1000 mW/cm2 bei einer Belichtungszeit von mindestens zehn Sekunden (Bluephase® 20i, High Power-Programm). Aufgrund der unterschiedlichen Transparenzen in Composite-Materialien kommt dem Lichthärtegerät eine wichtige Rolle zu. Die Leistungsstärke und der Wellenlängenbereich sind ausschlaggebend. Nach vollständiger Aushärtung wird das überschüssige Material entfernt. Die Politur erfolgt mit Siliziumkarbid-Polierern (Astrobrush®) (Abb. 7 und 8).

Zweites Fallbeispiel

Häufig betreffen Kariesläsionen im Seitenzahnbereich die Approximalflächen. Bei einer Therapie sind Kavitäten der Klasse II zu präparieren. Prinzipiell wird nach dem gleichen Verfahren wie im zuvor beschriebenen Fall gearbeitet - einziger Unterschied ist ein Zwischenschritt, bei dem die Klasse-II-Kavität in eine Pseudo-Klasse-I-Kavität umgeformt wird. In dem hier dargestellten Fall (Abb. 9) sei das hervorragende klinische Verhalten des verwendeten Composites explizit erwähnt. Die Anpassungsfähigkeit und Transluzenz des Materials sowie die Verwendung von Massen für die Charakterisierung (IPS Empress® Direct Color) erlauben es, die benachbarten Strukturen fast identisch nachzuahmen (Abb. 10 und 11). Nach Fertigstellung der mesialen Füllung wird am Nachbarzahn nun die distale Füllung gelegt (Abb. 12). Bei exaktem Vorgehen sind bei der anschließenden Okklusionskontrolle keine, beziehungsweise nur geringfügige Anpassungen notwendig .

Fazit

Ästhetik, Funktionalität und kürzere Behandlungszeiten gehören zu den Forderungen der modernen Zahnmedizin. Die Seitenzahn-Anatomie-Technik kommt diesen Bedürfnissen entgegen. Sie lässt sich bei einer großen Anzahl häufig auftretender klinischer Situationen vornehmen, führt zu voraussagbaren Ergebnissen und ist nur in geringerem Maß von der Geschicklichkeit des Anwenders abhängig. Bulk-Fill-Composites eignen sich optimal für diese Technik, wobei Tetric EvoCeram Bulk Fill aufgrund seiner physikalischen und optischen Eigenschaften sowie seiner leichten Verarbeitbarkeit meiner Meinung nach am geeignetsten scheint. Dieses Material bietet eine Lösung für beinahe alle Füllungsprobleme im Seitenzahnbereich.

Eine Literaturliste ist auf Anfrage bei der Redaktion erhältlich.

Korrespondenzadresse:

Dr. Rafael Piñeiro Sande

Plaza de Compostela nº 10, 36201 Vigo – Pontevedra, Spanien

E-Mail:

Fallbeispiel 1

Fallbeispiel 2

Rafael Piñeiro Sande, Vigo, Zahnarzt 9/2014

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