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Zumindest in den Industriestaaten ist ein derartiger Gebissstatus mittlerweile selten geworden.
 
Zahnheilkunde 29. August 2014

Karies: Soziale Unterschiede bestimmen die Zahngesundheit

Anfang Juli tagten 300 Forscher aus 35 Ländern beim Weltkarieskongress. Ein Hauptthema war der Kariesrückgang in den meisten Industrienationen bei gleichzeitigem Anstieg in den Schwellenländern.

Die Statistik spricht Bände: So kommt beispielsweise in Deutschland statistisch gesehen nur ein schlechter Zahn auf jeden 12-jährigen, in Ländern wie Brasilien oder Polen sind es hinwiederum 6 Zähne, die pro Kind kariöse Veränderungen aufweisen. In den meisten Schwellenländern und aufstrebenden Industrienationen kann zudem ein Anstieg von Karies beobachtet werden.

In den meisten Industriestaaten haben Kinder immer gesündere Zähne – auch wen es innerhalb dieser Länder noch große soziale Unterschiede gibt . In den 1980er Jahren hatten die 12-Jährigen in Deutschland durchschnittlich sieben kariöse Zähne, heute sind es 0,7. Das entspricht einem Rückgang um 90 Prozent. „Der Kariesrückgang ist eine medizinische Erfolgsgeschichte“, sagt Professor Christian Splieth von der Uni Greifswald mit Blick auf die vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie. In anderen Ländern sieht die Entwicklung dagegen nicht so gut aus.

Karies in Schwellenländern auf dem Vormarsch

Rund 300 Kariesforscher aus 35 Ländern haben sich Anfang Juli zum Weltkarieskongress in Greifswald in Deutschland versammelt. Zum 61. Jahreskongress der Organization for Caries Research (ORCA) stand die Diagnostik und Behandlung von Karies im Zentrum der Diskussionen. In Schwellenländern und einigen aufsteigenden Industriestaaten nimmt Karies zu. Mit zunehmendem Reichtum steigt laut Splieth in diesen Ländern der Zuckerkonsum.

Parallel dazu gebe es aber noch keine etablierten Vorsorgesysteme zur Kariesprophylaxe, wie sie in Ländern wie Österreich oder Deutschland schon seit Längerem gang und gäbe sind. Zu diesen Ländern gehörten Brasilien, Litauen und Polen. „Dort haben 12-jährige im Durchschnitt sechs kariöse Zähne“, sagt Splieth.

Den Karies-Rückgang in den meisten Industriestaaten führen die Forscher auf konsequentes Zähneputzen und Fluoridgaben zurück. Dazu kämen die Gruppenprophylaxe an Schulen und Kindergärten und die Individualprophylaxe beim Zahnarzt.

Zahnprävention bei Kindern im Alter bis drei Jahre angeregt

„Zahnprävention bei Kindern ab drei Jahren und bei Jugendlichen ist in Deutschland als Kassenleistung anerkannt, erläutert Splieth. Der Zahnmediziner beklagt jedoch eine Präventionslücke bei Null- bis Dreijährigen. „Das ist eine politisch gesetzgeberische Lücke, die geschlossen werden muss. Wir wissen, dass Kinder mit viel Milchzahnkaries auch später mehr Karies im bleibenden Gebiss haben.“

Die Voraussetzungen für Zahnprophylaxe in den ersten drei Lebensjahren haben sich nach Einschätzung des Wissenschaftlers in den vergangenen Jahren verbessert. Kinder besuchten mehr als früher Krippen. Dort könne bereits eine gezielte Prophylaxe einsetzen.

Sozialstatus entscheidend für Gebissstatus

Der Sozialstatus (Berufsstatus und Einkommen der Eltern sowie Schulbildung) spiegelt sich noch immer in der Zahngesundheit wider. Bei 15-Jährigen mit hohem Sozialstatus werden laut der vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie durchschnittlich 1,4 kariöse Zähne gezählt, bei 15-Jährigen mit niedrigem Sozialstatus 2,1 Zähne mit Karies.

Studien in Greifswald hätten aber laut Splieth gezeigt, dass sich mit einem Zahnarzt im öffentlichen Gesundheitsdienst und einer Prophylaxehelferin die Karieswerte deutlich reduzieren ließen.

 

ÄZ/IS, Zahnarzt 9/2014

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