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Zahnheilkunde 27. Juni 2014

Vernachlässigtes Kiefergelenk

Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis ist besonderes Augenmerk auf den Kiefer zu legen.

Gar nicht so selten wirken sich Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis auch auf das Kiefergelenk aus. Die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) rät daher, bei Rheumapatienten unbedingt auch das Kiefergelenk zu untersuchen, um langfristigen Schädigungen vorzubeugen – und den Patienten unnötiges Leid zu ersparen.

Bei Rheuma denkt man häufig an eine Krankheit im Bereich der Gelenke des Stütz- und Bewegungsapparates wie die Hand-, Finger- und Kniegelenke– diese oberflächliche Betrachtungsweise beschränkt sich nicht nur auf Laien, sondern ist leider auch in Medizinerkreisen verbreitet. Und dieser Umstand zieht schwerwiegende (und unnötige) Folgen für die betroffenen Rheumatiker.

In vielen Fällen wirkt sich das Rheuma – speziell die rheumatoide Arthritis – nämlich massiv auf das Kiefergelenk der Patienten aus. In diesen Fällen ist der Gelenkspalt verkleinert und der Gelenkfortsatz abgeflacht, von Erosion betroffen und krankhaft verhärtet. Die Folgen - massive Schmerzen und Probleme bei der Nahrungsaufnahme – sind für die Patienten besonders belastend. Frühzeitige Hilfe ist wichtig, denn das Kiefergelenk kann sich bereits innerhalb weniger Monate verändern, so dass sich die Beschwerden verschlimmern und eine deutlich umfangreichere Behandlung notwendig wird.

Langzeituntersuchung der Uniklinik Bonn

Doch wie kann einem Rheumatiker geholfen werden, der nichts mehr essen kann, weil das Kiefergelenk schmerzt und immer unbeweglicher wird? Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgen der Universitätsklinik Bonn untersuchten 62 Patienten, die zwischen 1983 und 2008 mit chronischer systemischer Kiefergelenkerkrankung behandelt wurden. Die Erkrankung wurde nach Schweregrad in drei Stadien eingeteilt: 1. Synovitis, 2. chronische Arthritis und 3. knöcherne Beteiligung (Knochenauflösung, Gelenksteife).

Patienten in Stadium 1 wurden entweder mit Standardmedikation (entzündungshemmende Medikamente) oder arthroskopischer Lavage behandelt. Patienten im Stadium 2 erhielten ebenfalls eine Standardmedikation, zusätzlich erfolgte eine Synovektomie, Diskektomie mit Ersatz durch körpereigenes oder synthetisches Material. Bei Patienten der Gruppe 3 erfolgte neben der Standardmedikation eine Lückenosteotomie.

Teilweises Auftreten neuer Gelenkversteifungen

Alle Patienten der Gruppe 1 und 21 der 26 Patienten aus Gruppe 2 hatten nach der Behandlung wieder eine ganz normale Kiefergelenksfunktion, 19 von 26 Patienten zeigten eine wesentliche Verbesserung ihrer Schmerzen.

Von den insgesamt 51 Personen der 3. Gruppe bildete sich bei 25 Patienten eine erneute Gelenksversteifung, 14 zeigten falsche Knochenformationen, und die meisten Patienten (45 von 51) dieser Gruppe hatten weiterhin eine verminderte Mundöffnung.

Das Kiefergelenk wird häufig in der Therapie von Patienten mit chronischen Gelenkerkrankungen vernachlässigt, warnt die DGMKG. Die schwerwiegenden Folgen dieser Erkrankungen in Stadium 3 könnten durch eine frühzeitige Therapie vermieden werden – was wiederum die Notwendigkeit einer möglichst frühen Diagnosestellung unterstreicht.

Die erneute Gelenkversteifung dieser Patienten sehen Fachmediziner als typisches Risiko geläufiger chirurgischer Eingriffe.

Künstliches Kiefergelenk aus Titan als Alternative

Damit müssen sich Betroffene jedoch nicht länger zufrieden geben, denn es gibt inzwischen eine bessere Alternative: Kiefergelenksersatz mit der neuesten Generation von Hightech-Totalendoprothesen.

Diese mittlerweile nahezu perfekt funktionierenden künstlichen Gelenke sind in den meisten Fällen meist aus Titan gefertigt. Es gibt sie entweder standardisiert vorgefertigt oder sie werden im CAD/CAM-Verfahren – ähnlich einem 3D-Drucker – individuell angepasst, ohne sichtbare Narben durch die Mundhöhle eingebracht und schlussendlich am Kieferknochen fixiert.

ÄZ, IS

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