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© Ratka-Krüger
Prof. Petra Ratka-Krüger, Leitung der Sektion Parodontologie in der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie am Universitätsklinikum Freiburg, Deutschland
 
Zahnheilkunde 2. Juni 2014

Parodontologie von A bis Z in Kitzbühel

paroknowledge© – das bedeutet drei Tage Paro-Wissen mit 30 Referenten, 56 Vorträgen und 15 Workshops.

Eine der Vortragenden in Kitzbühel ist Prof. Petra Ratka-Krüger aus Freiburg, Deutschland. Im Interview mit dem „Zahn Arzt“ sprach die Expertin vorab über die Schwerpunkte ihrer zwei Vorträge und zwei Workshops, zukunftsträchtige Therapiemöglichkeiten und den attraktiven Masterstudiengang an der Universität Freiburg.

Der erste Ihrer Vorträge bei paroknowledge© dreht sich um das Problem freiliegender Zahnhälse. Können Sie vorab ein wenig vom Inhalt verraten?

Ratka-Krüger: Sehr viele Patienten leiden unter Zahnfleischrückgang und in der Folge an empfindlichen Zahnhälsen und ästhetischen Einbußen. Besteht außerdem die Gefahr einer Wurzelkaries auf der freiliegenden Zahnoberfläche, sind die Zähne stark überempfindlich oder ist keine adäquate Mundhygiene durchführbar, kann der freiliegende Zahnhals mit unterschiedlichen Maßnahmen gedeckt werden. Hier werde ich einen Überblick über die verschiedenen Verfahren zur Deckung und ihre Indikationen geben – neben den klassischen Verschiebetechniken werde ich auch auf freie Transplantationsverfahren und regenerative Maßnahmen unter Verwendung von Schmelz-Matrix-Proteinen eingehen.

Zudem hat kürzlich ein europäischer Workshop über plastische Parodontalchirurgie stattgefunden, daraus werde ich aktuelle Daten und Erkenntnisse vortragen. Zum Beispiel über das Verfahren mit der besten Aussagekraft – der koronale Verschiebelappen mit Unterlegen eines Bindegewebstransplantates.

Bei den nicht-chirurgischen Maßnahmen werde ich kurz auf Themen wie Fluoridierung oder Umstellung der Zahnputztechnik eingehen – traumatisierende Zahnpflege ist nämlich gar nicht so selten.

Welche sind die Hauptursachen für parodontale Rezession?

Ratka-Krüger: Je älter ein Patient wird, desto häufiger tritt eine parodontale Rezession auf. Es gibt auch anatomische Gründe, zum Beispiel ein Missverhältnis zwischen Zahn- und Kiefergröße.

Auch nach einer kieferorthopädischen Behandlung kann es zu Zahnfleischrückgang kommen. Sehr häufig sind, wie bereits erwähnt, auch traumatische Putztechniken mitbeteiligt.

Hinweise dazu liefern unter anderem Stillman-Spalten am Zahnfleisch und Defekte an der Zahnhartsubstanz. In diesem Fall bitten wir unsere Patienten einfach, ihre Mundhygiene-Artikel mitzubringen. Das ist meist sehr aufschlussreich. Danach üben wir mit den Patienten schonende Putztechnik.

Dann berichten Sie auch in einem Workshop über Misserfolge in der Parodontitistherapie. Wie vermeidet man diese denn?

Ratka-Krüger: Das ist ein Workshop der ganz anderen Art. Sonst wird ja hauptsächlich über die Erfolge der Parodontitistherapie berichtet und nicht über die Misserfolge. Wir gehen im Vortrag einmal komplett durch die gesamte Parodontaltherapie und überlegen, wo es Fallstricke gibt.

Ich selbst bin ja Obergutachterin in Baden-Württemberg und habe einige Beispiele dafür sammeln können. Schon die Kommunikation mit dem Patienten kann in eine falsche Richtung laufen, zum Beispiel, wenn man die Ziele nicht gemeinsam mit dem Patienten abstimmt. Daher werde ich kurz auf kommunikative Fähigkeiten und die Frage eingehen, ob man den Wünschen des Patienten überhaupt immer gerecht werden kann. Dann geht es weiter mit dem Behandlungskonzept: Ich bringe Beispiele, was bei der jeweiligen Behandlungsmaßnahme wie der nicht-chirurgischen Therapie schiefgehen kann – beispielsweise ein In-strumentenbruch oder ein Emphysem nach Pulverwasserstrahlbehandlung.

Ein Bereich, in dem Misserfolge passieren können, ist auch die chirurgische beziehungsweise plastische Parodontaltherapie – insbesondere beim Decken von Rezessionen. Da werde ich die jeweiligen Indikationen ansprechen – wann macht was Sinn und was kann dabei auch schiefgehen? Ich führe dazu auch praktische Beispiele für Misserfolge an, zum Beispiel das Absterben eines Transplantates, weil der Patient stark geraucht hat. Ganz zum Schluss spreche ich dann noch über die Erhaltungstherapie. Wir brauchen uns nämlich keine Mühe mit der Parodontaltherapie zu machen, wenn der Patient am Ende nicht regelmäßig zur Kontrolle kommt.

Wie kommentieren Sie den Übertitel des Einführungsvortrages von Prof. Eickholz „Parodontitis ist überall“?

Ratka-Krüger: Dem ist tatsächlich so. Zum einen liegt das an der Bevölkerungsstruktur. Wir haben gerade bei den älteren Patienten und auch bei den Senioren einen deutlichen Anstieg an Parodontitis zu verzeichnen. Das hat damit zu tun, dass heute weniger Zähne extrahiert und mehr Zähne erhalten werden. Zum anderen ist es eine Erkrankung, die zwar immer durch bakterielle Plaque verursacht wird, aber außerdem eine genetische Komponente aufweist. Daher sehen wir eine hohe Anzahl an Parodontitispatienten. Dem gegenüber steht das Verhältnis der Anträge bei den Krankenkassen für eine Parodontalbehandlung, das zeigt, dass trotz der hohen Prävalenz noch immer zu wenig behandelt wird. Was sicher auch etwas mit der Ausbildung an den Universitätskliniken zu tun hat.

Ich gehe davon aus, dass die Situation in Österreich ähnlich gelagert ist. Parodontologie wird in den Unikliniken nur in geringem Maße gelehrt. Das steht natürlich im krassen Missverhältnis zur entsprechenden Inzidenz der Erkrankung. Daher gibt es auch im Jahr 2014 viele Patienten, die noch unbehandelt sind.

Gibt es aktuelle Weiterentwicklungen in Diagnose und Therapie bei Parodontitis?

Ratka-Krüger: Bei der Diagnostik hatten wir ja gehofft, dass wir durch Entzündungsmarker wie den Matrix-Metalloproteinasen wesentlich weiterkommen. Dem ist leider nicht so. Im Prinzip haben die altbekannten diagnostischen Verfahren weiterhin ihre Berechtigung – es geht nichts über eine gute klinische und röntgenologische Untersuchung. In der Therapie wird es immer minimalinvasiver. Während wir früher noch ganze Quadranten aufgeklappt und Lappenoperationen durchgeführt haben, werden heute nur noch Teiloperationen durchgeführt. Auch die Instrumente werden sehr viel graziler. Die Prophylaxe ist natürlich nach wie vor wichtig. Hier gibt es neue Entwicklungen von Mundhygieneprodukten. Auch über Probiotika wird sehr viel diskutiert. Insgesamt wird auch die Parodontitis mehr im Kontext des Gesamtorganismus gesehen.

Wie aufgeschlossen sind Sie gegenüber komplementärmedizinischen Alternativen?

Ratka-Krüger: Als Hochschullehrerin bin ich natürlich Schulmedizinerin. Für mich muss ein Verfahren auch den entsprechenden wissenschaftlichen Nachweis bringen. Das heißt, wenn ein komplementärmedizinischer Ansatz gute Ergebnisse liefert, bin ich hier natürlich aufgeschlossen.

Sie bieten an Ihrer Hochschule einen ganz speziellen Masterstudiengang zu Parodontologie an. Wodurch hebt er sich von ähnlichen Fortbildungen ab?

Ratka-Krüger: Ich war erst kürzlich selbst auf einer Fortbildung zum Thema Internationalisierung von Studiengängen. Dort wurde betont, wie wesentlich es ist, dass man den Bedürfnissen der Kollegen entgegenkommt, die sich berufsbegleitend fortbilden wollen. Wir hatten das Glück, im Jahr 2007 mit einer hohen Summe für die Initiierung eines Masterstudiengangs gefördert zu werden, und konnten dadurch eine neue Art der postgradualen Fortbildung aufbauen. Wir haben im Vorfeld geprüft, welche Themen sich online vermitteln lassen und für welche persönliche Anwesenheit benötigt wird. Die Philosophie dahinter ist, dass man online studiert und in Präsenz vor Ort trainiert. Der Studiengang besteht aus zehn Modulen, die sich über drei Jahre erstrecken, und schließt mit einem Master ab. Unter den Teilnehmern sind auch Kollegen aus der Schweiz, aus Österreich und anderen europäischen Ländern.

Ein besonderes Highlight ist die chirurgische PA-Therapie. Die Kollegen bekommen Fälle von der Klinik zugeteilt, die gemeinsam vorgestellt und besprochen werden. Dann operieren sie unter Supervision mit drei bis vier Betreuern. Danach werden die Therapien noch einmal gemeinsam präsentiert, damit jeder auch von den Erfahrungen des anderen profitieren kann. Nach einem halben Jahr werden alle Patienten noch einmal nachuntersucht.

Wir haben auch die Möglichkeit, im anatomischen Institut an der Leiche spezielle Strukturen wie Nerven aufzusuchen und zu präparieren. Wichtig ist uns auch eine gute Betreuung während der Online-Phasen durch Teletutoren, da ist niemand auf sich alleine gestellt. Zusätzlich bieten wir noch Notfallmanagement und Kommunikation mit Schauspielpatienten an. Ich denke, dass wir mit diesem Programm insgesamt einen sehr innovativen Masterstudiengang anbieten, der dadurch auch für österreichische Kollegen interessant ist.

Das Interview führte Mag. Andrea Fallent

Informationen und Anmeldung zum Masterstudiengang unter Tel: 0049 761 270-472800, E-Mail:

Master Online Parodontologie & Periimplantäre Therapie

Immer mehr Patienten benötigen eine qualifizierte periimplantäre Therapie. Es arbeiten aber nur wenige Spezialisten in diesem Bereich. Hier liegen viele Möglichkeiten: Chancen, Patienten besser behandeln zu können. Und Chancen, als Zahnarzt durch Kompetenz und Leistung zu überzeugen und sich von anderen abzusetzen. Mit einem Master of Science Parodontologie & Periimplantäre Therapie an der deutschen Universität Freiburg kann man diese Chancen nutzen.

Die Vorteile:

  • kompakte Hands-on Kurse
  • innovatives und flexibles berufsbegleitendes Online-Studium
  • praktische Ausbildung in der Chirurgischen Parodontitistherapie und Implantologie
  • hoher Praxisbezug
  • hochrangige Dozenten aus Hochschule und Praxis
  • intensiver Austausch durch das „Virtuelle Klassenzimmer“
  • Betreuung durch Teletutoren (Spezialisten für Parodontologie)
  • international anerkannter Abschluss einer renommierten Universität
  • der Studiengang wurde mit dem Thieme Innovationspreis für hervorragende Didaktik ausgezeichnet

Andrea Fallent, Zahnarzt 6/2014

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