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Zahnheilkunde 27. März 2014

Endodontie

Editorial

Der Beginn der modernen Zahnheilkunde wird mit dem Buch Le Chirurgien Dentiste von Pierre Fauchard (1678–1761) aus dem Jahr 1728 in Verbindung gebracht. Die Ursache von Zahnschmerzen und Karies ist für ihn der Zahnwurm. Als Therapie empfiehlt er eine Trepanation des Zahns und den Gebrauch eines heißen Eisens zum Kauterisieren, aber auch eine Exstirpation der Pulpa wird beschrieben.

Die erste umfassende Übersicht über die Anatomie der Wurzelkanäle ist Georg Carabelli von Lunkaszprie zu verdanken, der als Zahnarzt der kaiserlichen Familie 1821 von Kaiser Franz Josef die Erlaubnis erhielt, an der Universität Wien Vorlesungen über Zahnheilkunde zu halten.

Seither hat sich die Zahnheilkunde stetig weiterentwickelt. Viele moderne Prinzipien der Endodontie sind seit Langem bekannt. Moral beschrieb schon 1915 in einem Beitrag für die Österreich-Ungarische Vierteljahreszeitschrift für Zahnheilkunde einen vierten Kanal bei 63% der oberen ersten Molaren. Mit der Einführung des Operationsmikroskops in der Endodontie ist es möglich geworden, kleinste anatomische Variationen zu erkennen und damit ein viel komplexeres Behandlungsspektrum zu erlangen. Mit der Erforschung des Keimspektrums des infizierten Kanalsystems konnten neue Strategien bei der Desinfektion entwickelt werden. Moderne Aufbereitungsinstrumente aus neuen Materialien und durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen entwickelte Spülprotokolle tragen dem Rechnung. Der langfristige Erfolg wird durch moderne Füllungsmethoden und -materialien gesichert. Frakturierte Instrumente können heute sehr effizient mit unterschiedlichsten Methoden entfernt, iatrogene Perforationen mit modernen Materialien effizient verschlossen werden. Sogar die Revaskularisierung devitaler Zähne junger Patienten ist in den Bereich des Möglichen gerückt.

Die Einführung der Mikrochirurgie hat die chirurgische Endodontie revolutioniert und die langfristigen Erfolgsraten enorm gesteigert.

Die österreichische Gesellschaft für Endodontie organisiert jährlich einen Kongress, abwechselnd in Wien und in Salzburg. Ihr Hauptanliegen liegt sowohl in der wissenschaftlichen Weiterentwicklung als auch in einer Hebung des Qualitätsstandards für die Behandlung unserer Patienten. Auch das Leitthema dieser Ausgabe der stomatologie soll diesem Anliegen voll und ganz Rechnung tragen.

Ihr

Karl Schwaninger

Für die Österreichische Gesellschaft für Endodontie (ÖGEndo)

Interessenkonflikt

K. Schwaninger gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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