zur Navigation zum Inhalt
Der Congress Graz beherbergt insgesamt 19 Veranstaltungsräume, die den perfekten Rahmen für Ausstellungen,Kongresse, Bankette und Bälle bieten.

Congress Graz: Der Stefaniensaal wurde am 4. November 1885 in Anwesenheit von Kronprinz Rudolf und Prinzessin Stephanie eröffnet. Heute ist der Konzertsaal ein moderner, vielseitiger Veranstaltungsort.

© Congress Graz/Illemann (3)

Im Zuge umfangreicher Umbauarbeiten wurde die historische Substanz im 1970 und später nochmals 1999 mit neuen künstlerischen Akzenten belebt und mit modernster Konferenz- und Veranstaltungstechnik ausgestattet.

© Graz Tourismus

Der Congress Graz liegt in der Altstadt mit vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten und touristischen Attraktionen. © Graz Tourismus

 
Zahnheilkunde 20. September 2013

Das Motto beim Zahnärztekongress in Graz: Planung ist gleich Erfolg

Der österreichische Zahnärztekongress von 3. bis 5. Oktober 2013 im Congress Graz setzt den Fokus auf Praxisnähe und Orientierungshilfe für die tägliche Arbeit. Der Zahn Arzt präsentiert die Abstracts der Highlights zum Kongress.

Gemäß dem medizinischen Grundsatz „Befunde führen zur Diagnose, eine Diagnose zur Therapie“, präsentieren ausgesuchte SpezialistInnen aus allen Fachgebieten an drei Thementagen spannende Updates zu Diagnostik, Planung und Praxis.

Die Fachvorträge richten sich weiters nach den Fragestellungen:

  • „Wann brauche ich was?“
  • „Was brauche ich vom Möglichen?“
  • „Mein schönster Fall und was kann schiefgehen?“

Ergänzt wird das Programm durch freie Vorträge, Posterpräsentationen, Workshops, einem vielfältigen AssistentInnen-Programm sowie mit der umfangreichen Dentalausstellung. Parallel dazu wird am 4. und 5. Oktober der internationale Jahreskongress des European College of Gerodontology (ECG) in Graz abgehalten.

Weitere Informationen und das komplette Programm als Download finden Sie unter: www.özk2013.at  

Diagnostik: Wann brauche ich was?

Donnerstag, 3. Oktober 2013 Stefaniensaal
09:45 – 10:30 Uhr:
Diagnostik in der konservierenden Zahnheilkunde
Adrian Lussi, Bern

Jede Zahnärztin und jeder Zahnarzt ist täglich mit der Diagnostik der Erkrankungen der Zahnhartsubstanz konfrontiert. Eine frühzeitige Diagnose kariöser, abrasiver, erosiver oder anderer Veränderungen der Zahnhartsubstanz ist wichtig, damit rechtzeitig notwendige Maßnahmen eingeleitet werden können.

In vielen Untersuchungen wurde gezeigt, dass die Kariesdiagnostik schwierig ist. Die Zähne sind in der Mundhöhle De- und Remineralisationszyklen ausgesetzt. Sofern die Remineralisation überwiegt, bleiben sie nicht nur intakt, sondern verlieren durch die abwechselnden Zyklen unter anderem ihre Porosität und werden gegen Säureangriffe resistenter. Überwiegt hingegen die Demineralisation, bedingt durch die Jonen-Zusammensetzung bzw. durch die Untersättigung der den Zahn umgebenden Flüssigkeit, werden die wassergefüllten Poren zwischen den Apatitkristallen erweitert. Das Porenvolumen nimmt zu, ohne dass makroskopisch ein Einbruch der Oberfläche sichtbar wäre. Bei entsprechender Änderung der Ernährung und der oralen Hygiene verbunden mit optimaler Fluoridzufuhr kann das Fortschreiten einer Läsion verhindert oder diese remineralisiert werden. Eine frühzeitige Diagnose der Karies ist wichtig, damit rechtzeitig Prophylaxemaßnahmen eingeleitet werden können und die Karies somit nicht mehr weiter fortschreitet. Aus diesem Grunde wurden in den letzten Jahren Anstrengungen unternommen, die Inspektion zu verbessern oder neue Geräte zu entwickeln, die bei der Diagnostik (als zweite Meinung) herangezogen werden können.

Im Mittelpunkt der Diagnostik der Approximalkaries stehen die Bitewing-Röntgenbilder. Es ist nicht leicht, einwandfreie Bitewing-Röntgenbilder herzustellen. Perfekte, überlappungsfreie Bissflügelaufnahmen werden wegen Positionsfehler des Röntgentubus‘ und wegen der Krümmung des Zahnbogens nur in etwa der Hälfte der Interdentalräume vorgefunden. Bei der oft vorkommenden Abweichung der Projektionsrichtung in der Horizontalebene kann auf dem Röntgenbild Schmelzkaries in den Dentinbereich projiziert werden, was unter Umständen zu einer falsch positiven Diagnose führt. Aus diesen Gründen sollten Bissflügelröntgenbilder erst nach sorgfältiger klinischer Untersuchung hergestellt werden, damit klinisch suspekte Approximalflächen überlappungsfrei dargestellt werden können. Das Intervall hängt unter anderem vom individuellen Kariesrisiko ab: Patienten mit hohem Kariesrisiko sollten ungefähr jedes Jahr, solche mit sehr kleinem Risiko seltener geröntgt werden. Nicht kariöse Defekte der Zahnhartsubstanz (Erosion, Abrasion) haben in den letzten Jahren zugenommen. Die Gründe dafür sind multifaktoriell, veränderte Ernährungsgewohnheiten und häufige Zahnreinigung mit zum Teil abrasiven Zahnpasten spielen dabei eine wichtige Rolle.

In diesem Vortrag wird sowohl auf diese erworbenen Veränderungen als auch auf vererbliche pathologische Veränderungen eingegangen.

3.10., 11:15 – 12:00 Uhr
Diagnostik in der Oralen Chirurgie
Michael M. Bornstein, Bern

Die Diagnostik in der Oralen Chirurgie dient primär der optimalen Therapieplanung invasiver Eingriffe, um Komplikationen vermeiden oder zumindest deren Inzidenz besser abschätzen zu können. Ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik ist eine eingehende Anamnese, welche die allgemeine und medizinische, aber auch spezifisch-zahnmedizinische umfasst. Dabei sollen Risikopatienten erkannt und präoperativ entsprechende Maßnahmen wie eine perioperative antibiotische Prophylaxe ergriffen werden. Risikofaktoren, welche bei oralchirurgischen Eingriffen zu vermehrten Komplikationen führen können, sind beispielsweise ein übermäßiger Tabak- oder Alkoholkonsum, Allergien, Einnahme von Medikamenten mit immunsuppressiver Wirkung oder oralen Nebenwirkungen wie bei den Bisphosphonaten (Gefahr der Osteonekrose des Kieferknochens). Weitere wichtige Pfeiler in der Diagnostik sind die extra- und intraorale Befundaufnahme sowie die radiologische Bildgebung. Besonders in der zahnärztlichen Radiologie sind in den letzten zehn Jahren durch die Einführung und Verbreitung der digitalen Volumentomographie (DVT) grosse Fortschritte und Neuerungen erzielt worden. So hat sich die DVT zur Lagebeurteilung vitaler Strukturen wie dem Mandibularkanal bei der Weisheitszahnentfernung oder zur Lokalisation von retinierten oder überzähligen Zähnen wie den Oberkiefereckzähnen oder Mesiodentes als adjuvante Technik zur zweidimensionalen Bildgebung in der Praxis etabliert. Das Referat soll somit aufzeigen, dass eine umfassende Diagnostik aus mehreren Bausteinen besteht, die zusammen erst eine individuelle Therapieplanung ermöglichen und das Risiko von Komplikationen verringern.

3.10., 12:00 – 12:45 Uhr
Diagnostik in der KFO
Dr. Claudia Aichinger Pfandl, Wien

Vielfach rücken in der Behandlung kieferorthopädischer Patienten ästhetische Behandlungsziele in den Vordergrund.

Ich erachte es als meine Aufgabe und Verantwortung, Patienten zu informieren, warum andere Behandlungsziele langfristig mindestens ebenso große Bedeutung haben. Dazu gehören bestmögliche Funktion des orognathen Systems, parodontale Gesundheit, die Behandlung zu einer stabilen Kiefergelenksposition, sowie ein ausreichendes Volumen der Atemwege.

Um zielgerichtet sowohl bestmögliche ästhetische Ergebnisse als auch funktionell zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen, ist umfassende Diagnostik von größter Bedeutung. Genaueste Fotodokumentation ist ebenso wichtig, wie in zentrischer Kiefergelenksposition artikulierte Modelle, Wachstumsanalyse bei kindlichen und jugendlichen Patienten und digitale Volumentomografie in speziellen Situationen.

In diesem Vortrag wird über die Bedeutung der einzelnen diagnostischen Schritte sprechen, und anhand klinischer Bespiele deren Relevanz analysieren.

3.10., 14:45– 15:30 Uhr
Diagnostik in der Prothetik
Prof. Regina Mericske-Stern, Bern

Das weite Spektrum der Prothetik beschäftigt sich mit vielen Fragen wie zum Beispiel: Wie beeinflussen gerodontologische Aspekte und der Allgemeinzustand die Therapieoptionen? Wie lange sollen Zähne erhalten werden? Ist das Implantat besser als der Zahn? Die Definition des Behandlungsziels verlangt deshalb nach einer detaillierten Diagnostik und individuellen Planung.

Diagnostik: Aus der Diagnostik des Einzelzahnes resultiert seine biologische und strukturelle Wertigkeit. In der gesamten prothetischen Diagnostik stehen die Folgen des Zahnverlustes im Vordergrund. Diese betreffen in unterschiedlichem Ausmass funktionelle und ästhetische Aspekte: Kammatrophie, Veränderungen in der Okklusion bis hin zum Zwangsbiss, Attrition, intermaxillären Verhältnisse, Zahnstellung und Gingivaverlauf.

Freie Vorträge

Donnerstag, 3. Oktober 2013 Saal Steiermark
09:20 – 09:30 Uhr
Die chirurgische Gaumennahterweiterung mit dem AKH-Linz Distraktor – Ergebnisse
DDr. Stefan Hunger, Linz

Einleitung: Die chirurgisch unterstützte forcierte Gaumennahterweiterung (SARME) ist eine gängige Methode um einen maxillären Schmalkiefer nach Beendigung des Wachstums in der Transversalebene suffizient zu erweitern. Die SARME ist bei einem knöchernen maxillären Defizit von über 5mm in der Transversalebene und ab einem Alter von 15 Jahren indiziert. Nach der Osteotomie in LeFort1 Ebene und der sagittalen Spaltung des Oberkiefers werden entweder zahngetragene oder knochengestützte Apparaturen zur Erweiterung des Gaumens eingebracht. Zahngetragene Apparaturen haben den Nachteil, dass es durch die Krafteinwirkung über die Zähne oft zu Wurzelresorptionen, Fenestrierung der bukkalen Kortikalis, Kippung des Alveolarknochens und Kompression des Parodontiums kommt. Knochengestützte Apparaturen weisen diese Nachteile nicht auf, da sie die Kräfte direkt in den Knochen übertragen. Die intraoperative Positionierung dieser Apparaturen gestaltet sich jedoch oft als schwierig. Bei sehr schmalen und hohen Gaumen sind die gängigen knochengetragenen Distraktoren meist zu groß und engen somit den Zungenraum wesentlich ein. Weiteres kann es bei der Fixation der Apparaturen mittels Osteosyntheseschrauben zur Verletzung und Devitalisierung von Zähnen kommen. Bei dem von uns entwickelten knochengetragen Distraktor wurde auf die oben erwähnten Nachteile Rücksicht genommen um Komplikationen zu minimieren bzw. zu vermeiden. In einer prospektiven Studie wurde der neu entwickelte Distraktor, welcher im Rahmen dieser Arbeit vorgestellt wird, bislang bei 16 Patienten eingesetzt.

Material und Methode: Die Eigenentwicklung der Abteilung für MKG-Chirurgie des AKH-Linz ist ein Hyrax-Typ Distraktor. Hierbei sind vier Arme mit einer zentral gelegenen Hyrax-Schraube verbunden. Am Ende jedes Armes befindet sich eine Öse welche der transmukosalen Knochenfixation mittels Osteosyntheseschraube dient.

An 16 Patienten wurde eine LeFort1-Osteotomie mit sagittaler Spaltung des Oberkiefers durchgeführt. Anschließend wurde der bereits am Patientenmodell vorgefertigte Distraktor mittels Übertragungsplatte eingebracht und mit vier Osteosyntheseschrauben zum Gaumen fixiert. Zunächst wurde intraoperativ der Oberkiefer probehalber expandiert um die spätere Mobilisation zu gewährleisten. Danach wurde der Distraktor wieder auf den Ausgangswert zurück gestellt. Entsprechend eines festgelegten Aktivierungsschemas wurde der Oberkiefer in den darauf folgenden Tagen erweitert. Der Distraktor wurde täglich um eine Drehung bis zum Erreichen des kieferorthopädisch geplanten Zieles aktiviert. Eine Drehung entspricht der Bewegung von 0,25mm. Zur Datenerhebung wurde jeweils der Abstand zwischen den Eckzahnspitzen, den mesiopalatinalen Höckern der 6er Molaren sowie die Distanz zwischen den Osteosyntheseschrauben in der Transversalebene gemessen.

Die erste Messung erfolgte vor Beginn der Aktivierung am ersten postoperativen Tag. Weiteres wurden die Daten zu Beginn der Retentionsphase und bei der Entfernung des Distraktors erhoben. Zur Überprüfung ob es durch das Setzten der Schrauben zu einer Devitalisierung von Zähnen gekommen ist wurde präoperativ und bei der Entfernung des Distraktors ein Vitalitätstatus der Zähne gemacht.

Ergebnisse: Die Datenerhebung war zum Zeitpunkt der Einreichung des Abstrakts noch nicht vollständig. Es konnte jedoch bei allen Patienten die zuvor geplante Expansion des Oberkiefers erreicht werden. Durch die transmukosale Fixierung kam es sehr oft zu Schlaumhautüberwucherungen von Osteosyntheseschrauben, was in manchen Fällen zu Entzündungen und in zwei Fällen zum Verlust einzelner Fixationsschrauben führte.

Diskussion: Aufgrund der individuellen Planung und Anfertigung des Distraktors am Patienten-Modell konnte eine sehr gute Passung erzielt werden, wodurch der Zungenraum nur geringfügig eingeschränkt wurde. Weiteres zeigte sich, dass dieser Distraktor auch bei Patienten mit sehr schwierigen anatomischen Gegebenheiten durch die Übertragungsplatte sehr genau und einfach zu platzieren ist, wodurch die zuvor am Modell geplante Positionierung immer erreicht werden konnte. Ein Problem stellte die transmukosale Fixierung dar, da es bei mehreren Patienten zu Schleimhautüberwucherungen der Fixationsschrauben und Entzündungen kam.

3.10., 09:30 – 09:40 Uhr
Evaluierung orthognather Patienten mit einer prospektiv geführten Datenbank
DDr. Hannes Marugg, Feldkirch

Einführung: Die Qualitätsanalyse und -sicherung nimmt in der elektiven Chirurgie einen wichtigen Stellenwert ein. Im Rahmen dieser Studie wurde eine Access-basierte Datenbank programmiert, welche an der Abteilung für MKG-Chirurgie Feldkirch bei allen orthognathen Patienten prä- und postoperativ verwendet wird.

Material und Methode: Seit 1.10. 2010 wird eine Accessdatenbank zur genormten Eingabe von Untersuchungsdaten bei orthognathen Eingriffen eingesetzt. Diese Dateneingabe erfolgt direkt bei der klinischen Untersuchung. Anhand einer vorgegebenen Datenmaske erfolgt die Dateneingabe standardisiert, um die Anzahl von fehlenden Eingabeinformationen zu vermeiden. Die Untersuchungsintervalle sind eine Woche vor der Operation, sechs Wochen, sechs Monate und jährlich nach der Operation. Zu den Eingabefeldern zählen u.a. anamnestische Daten, Erhebung der Kiefergelenksfunktion, Okklusionsanalyse, Kontrolle der Nervfunktionen und Planungsdaten.

Zusammenfassung: Mit der prospektiven Eingabe von Untersuchungsdaten wird eine objektive Evaluierung dieser Patientengruppe durchgeführt. Dies ermöglicht eine Überprüfung der Qualität der Eingriffe, ein Vergleich von verschiedenen Methoden und eine standardisierte Kontrolle in der Nachsorge.

3.10., 09:50 – 10:00 Uhr
Techniken zur Wurzelkanalfüllung – Bewertung und praktische Hinweise
Dr. Lumnije Kqiku-Biblekaj, Graz

Die Ziele einer endodontischen Behandlung bestehen darin, mit einer genauen chemo-mechanischer Aufbereitung die Mikroorganismen im Wurzelkanalsystem zu eliminieren und es anschließend dauerhaft vollständig dicht zu verschließen.

Um eine biologisch verträgliche, dichte aber auch wieder entfernbare Wurzelkanalfüllung zu erzielen stehen heute verschiedene Verfahren zur Verfügung: bei der Zentralstift-technik und der lateralen Kondensation werden Guttaperchastifte mit Füllpaste in den Wurzelkanal eingebracht. Diesen Methoden gegenüber stehen Obturationsmethoden mit thermoplastischer Guttapercha: bei diesen werden entweder Guttaperchastifte im Wurzelkanal oder Kartuschen in einer Pistole erwärmt. Bei anderen Methoden wird Guttapercha in einem Ofen erhitzt, bevor sie mit einem Kunststoffträger oder einem rotierenden Instrument in den Wurzelkana eingebracht wird.

Die laterale Kondensation von Guttapercha dient seit vielen Jahren als Goldstandard zur Füllung des Wurzelkanalsystems. In den letzten Jahren wurden Alternativen nach dem adhäsiven Verschluss des Wurzelkanalsystems und injizierter kaltfließender Guttapercha entwickelt.

Epiphany/Resilon ist ein thermoplastisches, synthetisches Wurzelfüllungsmaterial auf Polymerbasis, mit dem eine Haftung am Dentin der Wurzelkanalwand ermöglicht werden soll. GuttaFlow ist ein Kaltfüllsystem für Wurzelkanäle, welches Sealer und Guttapercha in einem Produkt vereint. Es wurden verschiedene Ergebnisse zu den neu entwickelten Wurzelkanalfüllungsmaterialen vorgestellt und die klinische Relevanz sowie die praktischen Erwartungen heftig diskutiert.

Für die Auswahl der Wurzelkanalfüllung sind neben der Randdichtigkeit eher die praktische Handhabung, Attraktivität und die Kosten-Nutzen-Relation entscheidend.

3.10., 10:00 – 10:10 Uhr
Dentale Implantate und Bisphosphonat assoziierte Osteonekrose – eine Metaanalyse
Doz. DDr. Arno Wutzl, Wien

Ziel: Die Osteonekrose des Kiefers (BRONJ) ist eine Nebenwirkung der Langzeittherapie mit Bisphosphonaten. Eine prothetische Rehabilitation durch dentale Implantate während einer Bisphosphonattherapie, geht mit dem zusätzlichen Risiko der BRONJ einher. Diese Studie hat das Ziel die Auswirkung der dentalen Implantation auf den zeitlichen Verlauf des Auftretens der BRONJ unter Berücksichtigung der AAOMS Richtlinien zu untersuchen.

Material und Methode: Untersucht wurden 11 Patienten aus einem Kollektiv der 139 Patienten mit BRONJ, die von 2004 bis 2011 an der Mund-Kiefer-Chirurgie der Medizinischen Universitätsklinik Wien behandelt wurden. Publizierte Fallstudien zwischen 1978 und Februar 2012 zu dieser Problematik wurden im Sinne einer Metaanalyse inkludiert, bei welchem der zeitliche Verlauf der Publikationen erhoben wurde. Es wurden drei Gruppen unterschieden, welche Zeitpunkt der Implantation, Beginn und Ende der BP-Therapie berücksichtigen: (1) Implantation vor Beginn der Therapie, (2) Implantation nach Ende der Therapie, (3) Implantation während der Bisphosphonattherapie. Die statistische Analyse wurde mit einer linearen Regressionsanalyse unter Berücksichtigung von weiteren Einflussfaktoren (Applikationsform, Dosierung, Gesamtdauer der BP-Therapie) durchgeführt.

Ergebnisse: Patienten, die während (Gruppe 3, 18+,-17 Monate, p=0.036) oder nach Abschluss der Bisphosphonattherapie implantiert wurden (Gruppe 2, 12+,-24 Monate, p=0,008), haben ein beschleunigtes Auftreten der BRONJ im Vergleich zu Gruppe 1 (114+,-51 Monate). Die Gesamtdauer oraler Bisphosphonattherapie hat auch einen signifikanten Einfluss auf die Geschwindigkeit zum Auftreten der BRONJ (80+,-57 Monate, p=0,03).

Conclusio: Die Entwicklung der BRONJ ist nach Abschluss oder während der Bisphosphonattherapie bei Implantation beschleunigt. Die Entstehung der BRONJ ist bei Implantaten, die vor Beginn der Therapie gesetzt werden, verzögert. Die Inzidenz der BRONJ bei dentalen Implantaten wird jedoch als niedrig eingestuft.

3.10., 11:30 – 11:40 Uhr
Geschlechtsspezifische Aspekte bei Patienten mit craniomandibulärer Dysfunktion
Ass. Prof. DDr. Martina Schmid-Schwap, Wien

Einleitung: Craniomandibuläre Dysfunktion zeigt sich in Symptomen wie Schmerz, Kiefergelenksknacken, Muskelverspannung, Parafunktion und eingeschränkter Mundöffnung. Mögliche beeinflussende Faktoren sind okklusale Interferenzen, Hyperaktivität der Kaumuskulatur, Bruxismus und Stress und ein Zusammenhang mit Hals- und Nacken- und Haltungsproblemen. Der Anteil Frauen unter den PatientInnen mit diesem Beschwerdekomplex ist deutlich höher.

Methodik:Die Daten der Anamnese- und klinischen Befunderhebung von 502 Patienten der Ambulanz für Funktionsstörungen wurden auf geschlechtsspezifische Unterschiede untersucht.

Ergebnisse: 404 Patientinnen waren weiblich, 98 männlich; der Altersdurchschnitt betrug bei den Frauen 40 Jahre, bei den Männern 41 Jahre. Es fanden sich bei den weiblichen Patientinnen in der medizinischen Anamnese signifikant mehr hormonelle Probleme (p=0,03). Frauen zeigten signifikant mehr Druckdolenzen (p=0,001) in Kiefergelenk und Muskulatur. Frauen und Männer unterschieden sich tendenziell im Hauptanliegen (p=0,07), wobei bei Frauen der Schmerz im Vordergrund stand, bei Männern Gelenksgeräusche und Schmerz. Bei Frauen empfanden signifikant mehr Schmerz als Männer (p=0,004) und zeigten eine signifikant geringere Mundöffnung (p‹0,001).

Konklusion: Die Ergebnisse unserer Studie unterstützen die Annahme, dass – bei gleichen klinischen Voraussetzungen – Frauen eine höhere Schmerzempfindung haben als Männer. Stress stellt einen Risikofaktor für beide Geschlechter dar. Frauen zeigen – im Gegensatz zu Männern mit eher gleichmäßiger Altersverteilung – Prävalenzpeaks in den Altersgruppen unter 25 Jahren und von 55 bis 64 Jahren.

3.10., 12:00 - 12:10 Uhr
Prärestaurative Extrusion subgingival frakturierter Frontzähne: Doppel-Loop versus Magnetextrusion
Dr. Andrea Lintner, Graz

Die Möglichkeiten, subgingival frakturierte Frontzähne in eine restaurierbare Position zu extrudieren, sind vielfältig. Zwei davon sollen in diesem Beitrag vorgestellt werden.

Festsitzender Doppel-Loop: Er stellt eine Modifikation der Draht-Komposit-Schiene nach Van Waes dar. Im Wesentlichen besteht er aus einem 0,017 x 0.025“ Stahldraht, der an die Nachbarzähne fixiert wird und seine Kraft über zwei Loops abgibt. Magnetschiene: Mithilfe der Kraft von Neodymiummagneten wird der zu extrudierende Zahn koronalwärts bewegt, während der Mechanismus durch eine mit zahnfarbenem Komposit beschichtete Tiefziehfolie optisch verdeckt wird.

Der Vortrag soll beide Systeme vorstellen, mit kritischem Blick die Vor- und Nachteile beleuchten und die Chancen der Extrusionstherapie aufzeigen

3.10., 12:20 – 12:30 Uhr
Vektoranalyse bei der Planung von Modellgussprothesen. Statische und biodynamische Aspekte der Gerüstplanung
Dr. Rupert Dornhofer, Graz

Das Ziel einer teilprothetischen Versorgung ist die funktionelle Wiederherstellung des durch einen Zahnverlust entstandenen gestörten Gleichgewichtes des stomatognathen Systems. Bei der Planung einer Modellgussprothese sind etliche Parameter in Betracht zu ziehen. Einerseits sollte eine Modellgussprothese parodontal- und kariesprophylaktisch gestaltet sein. Andererseits gilt es auch ästhetische und okklusale Gesichtspunkte zu beachten.

Daneben sind aber auch noch kaufunktionelle und statisch-dynamische Aspekte zu berücksichtigen um eine orale Rehabilitation zu gewährleisten.

3.10., 14:10 – 14:20 Uhr
Konzept zur Behandlung der Bisphosphonatnekrose der Kiefer, prospektive Fallserie
Dr. Petra Rugani

Einleitung: Auch wenn verschiedene AutorInnen und Fachgesellschaften Vorschläge zur Behandlung evidenter Bisphosphonatnekrosen publiziert haben, sind Standards mit voraussagbarem Therapieausgang noch nicht definiert. Die Therapiewahl erfolgt individuell nach Ermessen der jeweiligen BehandlerInnen.

Ziel der Arbeit: Ziel dieser Arbeit war es, ein Behandlungsregime zu entwerfen, das sich auf die einschlägige Literatur stützt, und die Erfahrungen der auf dieses Krankheitsbild spezialisierten Ärztinnen und Ärzte des Departments für Zahna?rztliche Chirurgie und Röntgenologie der Medizinischen Universität Graz mit einbezieht. Der Erfolg der Anwendung dieses Konzeptes in der chirurgischen Therapie von Bisphosphonatnekrosen wurde anschließend prospektiv bewertet.

Material und Methoden: Nach der Erstellung eines Therapiekonzeptes erfolgte die Rekrutierung der PatientInnen mit einer klinisch manifesten BRONJ aus der Spezialambulanz für BisphosphonatpatientInnen des Departments für Zahnärztliche Chirurgie und Röntgenologie der Zahnklinik Graz zwischen März 2010 und Oktober 2011.

Bisphosphonatnekrosen wurden abhängig vom Krankheitsstadium chirurgisch minimal oder radikal resektiv behandelt. Postoperativ wurden im Fall von Heilungsstörungen lokale desinfizierende Spülungen bzw. die photodynamische Therapie eingesetzt. Die Kontrolluntersuchungen erstreckten sich über ein Jahr.

Ergebnisse: Die Erstellung des Therapiekonzeptes geschah auf Basis von 245 verschiedenen Quellen in Form von wissenschaftlichen Artikeln, Leitlinien, Büchern und Webseiten.

Im definierten Beobachtungszeitrum wurden 111 PatientInnen in der Spezialambulanz für Bisphosphonat-Patienten vorstellig. 23 PatientInnen (18 weiblich, 78,3%) im Alter von 44 bis 83 Jahren (Mittelwert 67 ± 9,1 Jahre) unterzogen sich der chirurgischen Therapie. In 17 von 19 Protokoll-konform behandelten Fällen konnte durch die Anwendung des Therapieschemas eine mukosale Heilung erzielt werden. (Erfolgsquote 89,7%).

Schlussfolgerung: Prävention ist das primäre Ziel im Umgang mit dem Risiko der Entwicklung einer Kiefernekrose unter Bisphosphonattherapie. Daher ist neben der prätherapeutischen Herdsanierung die routinemäßige zahnärztliche Begleitung mit regelmäßigen Recalls von RisikopatientInnen essenziell. Kommt es zur Nekrose, ist die frühe Erkennung und Einleitung der therapeutischen Maßnahmen von entscheidender Bedeutung.

Das Ziel der Behandlung ist die Wiedererlangung einer stabilen mukosalen Deckung des Kieferkamms und die subjektive Symptomenfreiheit der PatientInnen. Führen konservative Maßnahmen innerhalb von acht Wochen nicht zum Erfolg, wird die chirurgische Intervention empfohlen. Um bleibende Beeinträchtigungen in Funktion und Ästhetik durch die getroffenen Maßnahmen gering zu halten, sollen Resektionen so minimal invasiv wie möglich sein, jedoch den gesamten nekrotischen Bereich erfassen. In fortgeschrittenen Nekrose-Fällen ist eine ausgedehnte chirurgische Therapie indiziert, um eine Verbesserung der Lebensqualität der PatientInnen zu sichern.

3.10., 14:20 – 14:30 Uhr
Zahnmedizinische Versorgung bei PatientInnen mit Bulimie 
 DDr. Polina Kotlarenko, Wien

Essstörungen stellen in der heutigen westlichen Gesellschaft ein zunehmendes Gesundheitsproblem vor allem für Mädchen und Frauen dar. Neben den körperlichen und psychischen Problemen können Essstörungen, vor allem Bulimia nervosa, auch massive Zahnschäden und Schädigung des Mund-Rachenraums verursachen.

Bulimia nervosa, auch Ess-Brech-Sucht genannt ist eine psychische Erkrankung charakterisiert durch Essanfälle, in denen große Nahrungsmengen in kurzer Zeit konsumiert werden, gefolgt von selbstinduziertem Erbrechen. Durch das oftmalige Erbrechen kommt es zu Magensäurekontakt mit der Mundhöhle und nachfolgender irreversibler Zerstörung der Zahnhartsubstanz.

Charakteristisch für die Bulimie sind vor allem säurebedingte erosive Zahnhartsubstanzverluste. Zahnerosionen treten durchschnittlich bei 5 bis 15 Prozent der Bevölkerung auf. Bei PatientInnen mit Bulimie aber in 90 Prozent der Fälle. Bei den meisten PatientInnen mit Bulimie lassen sich Erosionen in unterschiedlichen Schweregraden und bleibende Folgeschäden in Funktion und Ästhetik nachweisen.

Dem zahnmedizinischen Personal bietet sich bei der routinemäßigen oralen Untersuchung die Möglichkeit als „Erstentdecker“ einer Bulimie zu fungieren in dem man das charakteristische Bild der Zahnerosion und weiterer Begleitsymptome frühzeitig erkennt. Dazu gehören unter anderem abgerundete Zahnkonturen mit Verlust des okklusalen Reliefs; ausgedünnte verkürzte Schneidekanten der Frontzähne; sekundärer Tiefbiss und eine verstärkte Sensibilität der Zähne auf thermische Reize, Säure und Süßes.

Nach einem frühzeitigen Erkennen der Zahnschäden muss das Ziel des präventiven Behandlungskonzeptes darin bestehen, ein weiteres Fortschreiten der erosiven Läsionen zu verhindern. Das zahnmedizinische Team kann die PatientInnen prophylaktisch mit Verhaltensempfehlungen und der Durchführung von minimalinvasiven adhäsiven Sanierungen begleiten.

Mit einer aufwendigen Gesamtsanierung erosiver Folgeschäden sollte zugewartet werden bis die Patienten nach psychotherapeutischer Intervention mindestens ein bis zwei Jahre frei von bulimischen Brechepisoden sind. Die definitiven restaurativen Behandlungsstrategien sollen an den Schweregrad des Substanzverlustes angepasst werden und so wenig invasiv wie möglich erfolgen, um gesunde Zahnsubstanz zu schonen. Materialien der ersten Wahl sind Komposite (von Versiegelung bis Overlay) und adhäsive keramische Restaurationen (Overlays, Veneers), da diese Materialien eine Zahnrekonstruktion mit minimaler Präparation der Zähne ermöglichen.

Erst bei einem globalen Verlust der Okklusionsflächen, gefolgt von sekundärem Tiefbiss kann ein invasiv-restauratives Vorgehen notwendig werden. Vor Umsetzung eines neuen Okklusionskonzeptes ist es empfehlenswert, die vertikale Bisserhöhung zunächst über eine Okklusionsschiene und/oder provisorische Versorgungen nach einem Wax-up zu überprüfen und zu stabilisieren.

Ein frühzeitiges Erkennen, die patientengerechte Aufklärung und gezielte therapeutische Maßnahmen – sowohl zahnmedizinisch als auch die unbedingte Kooperation mit Psychologen, können dazu beitragen, irreversible Schäden an der Zahnhartsubstanz zu vermeiden und die Zahngesundheit zu bewahren.

3.10., 14:30 – 15:00 Uhr
Angstlösung heute: Die Bedeutung des Konzeptes der „Integrativen Anxiolyse“ für Diagnostik, Planung und Therapie in der Zahnmedizin
DDr. Gerhard Kreyer, Langenlois

Bei der Entwicklung des vorgestellten Konzeptes der Angstlösung wurden systematisch verschiedene Methoden zahnmedizinisch – psychologischer Angstabbaukonzepte erprobt und in Hinblick auf das jeweilige Therapieziel modifiziert und optimiert. Es sollte ein weitgehend standardisiertes, reproduzierbares, leicht lehr- und lernbares Vorgehen von möglichst hoher Praxisnähe entwickelt werden.

Die so genannte „Integrative Anxiolyse“ verbindet in einem genau definierten, stufenweisen Vorgehen verschiedene, als wirksam erkannte Strategien und Techniken miteinander zu einem Gesamtkonzept, welches sowohl Möglichkeiten als auch Grenzen der jeweiligen Methode im Rahmen der einzelnen Verfahrensschritte mit einbezieht. Die Anwendung der Methoden erfolgt in hierarchischer Reihenfolge: Psychokonkordante Terminisierung – Ärztliche Gesprächsführung – Systematische Desensibilisierung – Positive Reiztherapie – Suggestive Techniken – Hypnose – Pharmakotherapie – Vollnarkose.

Mit diesem Konzept war es bei dem der Studie zugrunde liegenden Patientenkollektiv möglich, den Prozentsatz an unvermeidbaren Vollnarkosen von ehemals ca. 16 Prozent auf derzeit 0,7 Prozent aller Interventionen zu senken.

3.10., 15:00 – 15:10 Uhr
Diagnostische Standards und therapeutische Maßnahmen in der Behandlung von massivem Bruxismus anhand eines Patientenfalls
DDr. MSc. Astrid Skolka, Wien

Häufig verursacht massiver Bruxismus eine ausgedehnte Destruktion der Zahnhartsubstanz, wie in dieser Fallpräsentation ersichtlich. Die durch die exzessive parafunktionelle Aktivität des vorgestellten Patienten hervorgerufenen Abrasionen und Abfraktionen führten nicht nur zur Zerstörung des okklusalen Kauflächenreliefs und, in weiterer Folge, zum Verlust der ungestörten Funktion des Systems sondern hatten auch eine Beeinträchtigung der ästhetischen Physionomie des Patienten zur Konsequenz.

Schritt für Schritt werden die diagnostische Vorgehensweise, die Befunderhebung, die Entwicklung eines individuellen Behandlungsplans und die Erarbeitung einer neuen Okklusion nach der Vertikalisierung aufgezeigt. Der Transfer dieses Okklusalreliefs in die definitive prothetische Restauration und die in diesem Zusammenhang stehenden Vorteile der CAD/CAM-Techniken werden thematisiert.

Dieser detailliert dokumentierte Fallbericht eines Patienten mit massivem Abrasionsgebiss veranschaulicht das standardisierte Vorgehen an der prothetischen Abteilung der Universitätszahnklinik Wien – vom ersten Patientenkontakt bis zum prothetischen Recall nach einer keramischen „full-mouth-Rehabilitation“.

3.10., 15:30 – 15.45 Uhr
Additive kieferorthopädische Planungsaspekte für mehr Erfolg DDr. Irmgard Simma-Kletschka, Bregenz

Zur üblichen kieferorthopädischen Planung ist die Erfassung von myofunktionellen Störungen und Lymphbelastungen sehr wichtig. Stillschwierigkeiten, offene Mundhaltung, craniomandibuläre Dysfunktionen, diverse Habits, Zungenfehlfunktionen, orofaciale Dyskinesien, Status lymphaticus, Gesichtsasymmetrien, abnorme Kopf- und Körperhaltungen und Zahnfehlstellungen können Folgen myofunktioneller Störungen, ostepathischer Läsionen und Lymphbelastungen im orofacialen Bereich sein. Die Behandlung dieser Funktionsstörungen stellt eine interdisziplinäre Herausforderung dar, muss aber in einer Vielzahl von Fällen vom Zahnarzt diagnostiziert und koordiniert werden.

Oft kommt es im puberalen Wachstumsschub zu einer zunehmenden Form- und Funktionsanomalie. Die Progredienz erfolgt vor allem in der ersten Wechselgebissphase wenn keine entsprechende Prävention eingeleitet wurde.

Die Überforderung der Weichteilmatrix (Muskulatur, BG, Lymphsystem) bedingen skeletale Formanomalien und vice versa. Das Lymphsystem (offene Mundhaltung) kann nicht nur durch manuelle Lymphdrainagen, Atemübungen (Ductus Thoracicus entlehrt sich in der Einatemphase in die Vena cava: Keidel), TCM sondern auch durch Lymphbellt-Punkte der Mikrosystemakupunktur nach Gleditsch entlastet werden.

Zahnärztliche additive Funktionsuntersuchungen:

  • Untersuchung der Kopf- und Gesichtssymmetrie
  • Äußere Inspektion bezüglich orofacialer Dyskinesien, gestörter Myofunktion, Lymphstau und Mundatmung: Die Umstellung einer bestehenden Mundatmung auf Nasenatmung leitet die Entstauung des gesamten lymphatischen Gewebes sowie die Erweiterung und Verbesserung der Resonanzräume ein und optimiert die Kopf-, Kiefer- und Zungenhaltung.
  • Innere Inspektion: Erfassung des Zahnstatus, des Status der Schleimhäute, der Zunge, des Lymphsystem etc.
  • Extra- und intraorale Palpation - manuelle Funktionsdiagnostik: Die Kaumuskulatur extraoral und intraoral zeigt bei symmetrischer Palpation unterschiedliche Druckempfindlichkeiten (0-3). Die intraorale Palpation umfasst Muskulatur, Schleimhaut, sowie Retromolaren- und Vestibulumpunkte des Mundakupunktursystems.
  • Testung der intra- und extraoralen Reflexpunkte (Punkte nach Adler-Langer, Lymphbelt-Punkte, Mundakupunkturarele retromolar und Lymphaktive Areale er Mundschleimhaut, retroaurikulär, DiDa 4, etc).

Basierend auf diverse Studien, die wir bei Patienten mit oromyofacialen Schmerzen und craniomandibulären Dysfunktionen gemacht haben, finden wir auch bei Kindern und Erwachsenen vor der kieferorthopädischen Behandlung oft eine hohe Druckempfindlichkeit, Verspannungen und Schmerzen in der Kaumuskulatur sowie Bewegungseinschränkungen der HWS und des Kiefergelenks und diverse Haltungsanomalien.

Planung: Was brauche ich vom Möglichen?

Freitag, 4. Oktober 2013 Stefaniensaal

09:45 – 10:30 Uhr
Planung in der Konservierenden ZHK – Wege zur Therapieentscheidung?
Prof. Dr. Reinhard Hickel

Grundlage einer fundierten Planung sind Anamnese, Befund und erweiterte Diagnostik. Dazu kommen heute auch Risikoeinschätzungen zu Karies, Erosion, Parodontitis etc. Bei der Planung der Therapie auch aber der Prävention sind mehre Ebenen zu berücksichtigen: der geschädigte Zahn selbst, das gesamte Gebiss sowie der Patient allgemein. Auf Zahnebene sind wiederum drei Hauptpunkte nämlich Wiederherstellung bzw. Erhaltung der Funktion, Schutz der Vitalität und Biokompatibilität sowie ggf. ästhetische Aspekte zu berücksichtigen.

Bei der Einstufung des gesamten Gebisses sind vor allem nötige Zahnextraktionen, anstehende Therapie weiterer (Nachbar-)Zähne sowie ggf. Bisserhöhung einzubeziehen.

Bei der Beurteilung der Ebene „Patient allgemein“ sind neben den Wünschen bzw. Ansprüchen v.a. Einschränkungen aufgrund Alter und Gebrechlichkeit, psychischer bzw. psychiatrischer Probleme wie Phobie, Würgereiz, Psychosen, motorischen Einschränkungen und Spasmen sowie Patienten mit schwereren Allgemeinerkrankungen und reduzierter Belastbarkeit (Immunsuppression, Herz etc.) oder Schwangerschaft zu berücksichtigen. Das theoretisch Mögliche bietet oftmals eine breites Spektrum an, das in der Praxis „Machbare“ wird aber oftmals aufgrund vieler Faktoren u.U. auch finanzieller Aspekte eingeschränkt.

4.10., 11:15 – 12:00 Uhr
Augmentationen und ihre Planung – was ist praxisrelevant
Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden, Kassel

Die Planung einer Augmentation setzt eine Zielvorstellung voraus. Diese wird im backwards planning zusammen mit dem Patienten im Rahmen der ersten Vorstellungstermine erarbeitet. Der Patient wird zunächst befragt ob er eine festsitzende Versorgung oder eine abnehmbare Brücke oder eine Deckprothese wünscht. Mit dem Patienten wird die gewünschte Kaufähigkeit und die Ästhetik besprochen. Dabei wird möglichst auch eine Bisserhöhung eingearbeitet, denn im Laufe des Lebens sinkt durch Abrieb, parodontale Zahnwanderung, Intrusion und Zahnverlust der Biss ab mit den entsprechenden Folgen für die Gesichtsform und Weichteilunterstützung. Die daraus resultieren Wachsaufstellungen werden in eine Schablone umgesetzt. Wichtig ist, dass normal lange Zähne achsengerecht aufgestellt werden, denn die zentripetale Atrophie des Oberkiefers soll nicht durch protrudierte und lange Frontzähne ausgeglichen werden. Die Diskrepanz zwischen Zähnen und vorhandenem Kieferknochen ist das Gewebedefizit. Die Zielvorstellung des Patienten muß nun mit dem therapeutisch Umsetzbaren abgeglichen werden. Welche Technik zum Ausgleich des Gewebedefizits eingesetzt wird ist u.a. eine Frage der Ansprüche des Patienten, der Finanzen, der Operationsfähigkeit und der Gesundheit. Heute kann fast jede Kieferdeformität durch Augmentation oder aber durch Prothesen mit minimalistischem Implantateinsatz ausgeglichen werden. Die Entscheidung zur Augmentation ist vor allem eine Frage des Anspruches des Patienten an Funktion und Ästhetik. Dazu muss der Patient über die Möglichkeiten gut informiert sein, um eine begründete Entscheidung treffen zu können. Letzteres ist eine Aufgabe eines gut fortgebildeten Zahnarztes und Prothetikers, denn der Chirurg ist nur selten in dieser Frühphase bereits in das Behandlungsteam eingebunden.

Im Unterkiefer kann der Literaturmeinung entsprechend ohne Augmentation im Regelfall bei Cawood Klassen IV-VI eine funktionelle Prothese mit interforaminären im Implantaten lagestabilisert werden. Augmentationsindikationen ergeben sich bei höherem Anspruch an die Versorgung vor allen aus kaufunktionellen Gründen. Auch die Ästhetik spielt im Unterkiefer eine Rolle, wie zum Beispiel die Vermeidung des Tropfenkinns bei atrophiebedingtem Verlust des Ansatzes des Musculus mentalis. Im extrem atrophierten Oberkiefer kann häufig gar kein Knochen zur Implantatverankerung gefunden werden, sodass im Regelfall bei den Cawood Klassen IV und V die Augmentation die Grundvoraussetzung einer implantatgetragenen prothetischen Neuversorgung ist. Bei mäßigen Atrophien (Cawood Klasse IV) im Oberkiefer ist im Regelfall noch genug Knochen vorhanden, um minimal vier einzelne Implantate zu verankern. Hier geht es dann auch um die Frage, ob wenige Zahnimplantate lediglich als Anker zur Lagestabilisierung einer Prothese gesehen werden oder ob Implantate als echter Zahnersatz fungieren, die das Gebiss naturidentisch wiederherstellen und einen knochenprothetktiven Effekt auf den Kieferknochen ausüben.

4.10., 12:00 – 12:45 Uhr
Planung in der Kieferorthopädie
Dr. Fiona Adler, München

Kieferorthopädische Planung beinhaltet zunächst die Abklärung, zu welchem Zeitpunkt jenach skelettaler und dentaler Fehlstellung bei Kindern und Jugendlichen mit der Behandlung begonnen werden soll. Anschließend wird erläutert, welche Unterlagen auch bei Erwachsenen routinemäßig für eine fundierte Diagnostik erforderlich sind und wann weiterführende Maßnahmen wie ein DVT oder ein diagnostisches Set-up notwendig sind.

Es wird darauf eingegangen, anhand welcher Kriterien entscheidende Fragen wie nach Extraktion oder operativer Korrektur der Kieferbasen beantwortet werden können und die Behandlungsaufgaben einschließlich Verankerungssituation geplant werden können.

4.10., 14:00 – 14:45 Uhr
Planung in der restaurativen Zahnheilkunde
Prof. Dr. Sven Reich, Aachen

Durch die heute zur Verfügung stehenden Techniken und Materialien bieten sich nahezu unübersichtliche Therapieoptionen zur Wiederherstellung zerstörter Zähne. Dabei muss die Wiederherstellung des Einzelzahnes im Kontext des gesamten Therapieplanes gesehen werden. Im Vortrag wird auf die Therapiemöglichkeiten mit indirekten Restaurationsmaterialien eingegangen. Das Materialspektrum reicht dabei von der Kompositrestauration über die Hybridkeramik bis hin zur Vollzirkonkrone. Dabei spielt die Möglichkeit der adhäsiven Befestigung ebenso eine entscheidende Rolle wie die Herstellungsweise. Die optische Abformung und Computer unterstützte Fertigung bieten Möglichkeiten, die bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden sollten. Selbstverständlich werden auch umfangreiche Konzepte wie die Bisslageänderung zur Diskussion gestellt.

4.10., 14:45 – 15:30 Uhr
Planung in der Prothetik
Prof. Regina Mericske-Stern, Bern

Das weite Spektrum der Prothetik beschäftigt sich mit vielen Fragen wie zum Beispiel:

  • Wie beeinflussen gerodontologische Aspekte und der Allgemeinzustand die Therapieoptionen?
  • Wie lange sollen Zähne erhalten werden?
  • Ist das Implantat besser als der Zahn?

Die Definition des Behandlungsziels verlangt deshalb nach einer detaillierten Diagnostik und individuellen Planung.

Planung: Biologische und strategische Überlegungen beeinflussen die Wahl der prothetischen Pfeiler und des prothetischen Designs. Bei der Planung spielen die analoge und digitale Visualisierung zur besseren Erkennung von Problemen und zur Diskussion möglicher Therapievarianten eine wichtige Rolle. In der Implantologie wurde der Begriff „Backwards Planning“ geprägt, der aber nichts anderes meint, als was die Prothetik mittels Setup oder Waxup schon immer getan hat, nämlich die Simulation des angestrebten Behandlungsziels. Analoge und digitale Methoden ergänzen sich und gehören heute gemeinsam zum Planungsinstrumentarium. Der Aufwand richtet sich nach der Komplexität des individuellen Falls.

4.10., 16:15 – 17:00 Uhr
Planung in der MKG-Chirurgie
Prof. Dr. Albino Triaca, Zürich

Die Planung in der orthognathen Chirurgie orientiert sich klassischer Weise an skelettalen Referenzpunkten und dazugehörigen Ebenen und Achsen. Durch die Einführung der Wing-Osteotomie des Unterkieferrandes konnte neu eine Weichteil-orientierte Planung umgesetzt werden, welche die Bedürfnisse für die Korrektur der bestehenden Fehlbisslage erfüllt und gleichzeitig keine Kompromisse in Bezug auf das bestmögliche ästhetische Profil macht. Das Planungs-Konzept wird aufgezeigt und die verschiedenen Möglichkeiten in Bezug auf die Therapie von Kl II- , Kl III-Dysgnathien und Asymmetrien werden dargestellt.

Praxis: Mein schönster Fall und was kann schiefgehen?

Samstag, 5. Oktober 2013

Stefaniensaal

09:00 – 09:45 Uhr:
Praxis in der Parodontologie: Mein schönster Fall und was kann schiefgehen?
Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf , Würzburg

Die antiinfektiöse Parodontaltherapie unter adjunktiver Anwendung systemischer Antibiose hat die Erhaltbarkeit parodontal vorgeschädigter Zähne neu definiert und die weitere Gültigkeit etablierter Schemata zur perioprothetischen Rehabilitation in Frage gestellt. Anhand von Fallbespielen wird dargestellt, wie auch parodontal schwerst vorgeschädigte Zähne nach Elimination der parodontalen Entzündungsprozesse langfristig erhalten werden können. Überraschenderweise ist nicht das Parodontitisrezidiv sondern die Entstehung ausgedehnter Wurzelkaries das klinisch am schwersten zu beherrschende Problem in der parodontalen Nachsorgephase. Auch hier werden Fallbespiele präsentiert und mögliche therapeutische Ansätze diskutiert.

5.10., 12:00 – 12:45 Uhr
Management von White-Spot-Läsionen
PD Dr. Michael Knösel, Göttingen

White-Spot-Läsionen (WSL) stellen insbesondere im ästhetisch relevanten Frontzahnbereich eine unerwünschte Nebenwirkung festsitzender kieferorthopädischer Behandlungen dar. Neben den klassischen Methoden zur Prophylaxe und zur Therapie von WSL bietet die vergleichsweise neue Methode der WSL-Infiltration (Icon, DMG, Hamburg) die Möglichkeit der ästhetischen Angleichung von White-Spot-Läsionen an angrenzende gesunde Schmelzareale. Dieser Camouflage-Effekt wird in einer aktuellen in-vivo Langzeitstudie spektrophotometrisch untersucht. Die WSL glichen sich nach Infiltration an die umgebenden gesunden Schmelzareale an; dieser Effekt ist über mindestens 12 Monate farbstabil ohne signifikante oder klinisch wahrnehmbare Veränderungen. Es werden die Möglichkeiten und Grenzen der Infiltrationstechnik diskutiert und praktische Empfehlungen für deren Anwendung gegeben.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben