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Zahnheilkunde 25. April 2013

Mund auf gegen Blutkrebs

Deutsche Patienten können sich ab sofort beim Zahnarzt über eine Knochenmarksspende informieren.

Ein potenzieller Lebensspender zu werden wird in Zukunft noch einfacher: Im Kampf gegen Blutkrebs hat die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) einen neuen starken Partner an Ihrer Seite: die deutsche Bundeszahnärztekammer (BZÄK).

Seit dem Fühjahr 2013 haben deutsche Zahnärzte die Möglichkeit, ihren Patienten nicht nur in Sachen Mundhygiene auf den Zahn zu fühlen, sondern sie zusätzlich über die Wichtigkeit der Lebensspende zu informieren. Patienten können in der Zahnarztpraxis erfahren, wie einfach es ist, sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei zu registrieren, Geld zu spenden und die Botschaft über die Stammzellspende weiterzutragen.

Spender für Stammzellen dringend gesucht

Gemeinsames Ziel der Zusammenarbeit von deutscher Bundeszahnärztekammer und DKMS: So viele Personen wie möglich dazu motivieren, Spender zu werden, um noch mehr Blutkrebspatienten helfen zu können.

Am 26. März 2013 fand dazu die gemeinsame Publikumspressekonferenz in Berlin statt. Die beschlossene Kooperation soll helfen, Patienten über die einfache Registrierung und die Wichtigkeit der Stammzellspende zu informieren – und zwar beim Zahnarztbesuch.

Ausschlaggebende Kriterien für eine erfolgreiche Transplantation sind mindestens acht übereinstimmende Gewebemerkmale bei Spender und Patient. Es sind derzeit mehr als 7.000 Gewebemerkmale bekannt.

Genetische Vielfalt wäre notwendig und wünschenswert

Die Kombination dieser Gewebemerkmale unterscheidet sich regional, und zwar umso stärker, je weiter die geografische Herkunft des Patienten und die der potenziellen Spender auseinanderliegen. Für einen Patienten mit Wurzeln in Süddeutschland ist die Wahrscheinlichkeit höher, in Süddeutschland einen passenden Spender zu finden als beispielsweise an der Nordseeküste. Auch jede ethnische Gruppe hat ihre eigenen typischen Gewebemerkmalkombinationen. Die Wahrscheinlichkeit, außerhalb der eigenen ethnischen Gruppe einen Spender zu finden, ist gering.

Für Blutkrebskranke anderer Nationalitäten ist es deshalb besonders schwer, einen geeigneten Spender zu finden. Denn im Heimatland gibt es oft keine funktionierende Datei, in der nach einem passenden Spender gesucht werden könnte, sodass nur auf die verfügbaren Dateien, z. B. in Deutschland oder in den USA, zurückgegriffen werden kann.

Um möglichst vielen Patienten helfen zu können, muss die DKMS-Spenderdatei eine möglichst hohe genetische Vielfalt aufweisen, d. h., Menschen aus allen Regionen der Welt sollten registriert sein. Deshalb weitet die DKMS ihre Aktivitäten auch international aus.

Wangenabstrich für die Spenderdatei

„Für die Zusammenarbeit von Zahnärzten und der DKMS gibt es eine offensichtliche Schnittstelle: den Wangenabstrich. Für beide fängt Gesundheit sozusagen im Mund an“, erklärt der Präsident der deutschen Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel. „Zahnärzte sind engagiert, wenn es um die Aufklärung geht. In Deutschland wartet immer noch jeder fünfte Patient vergeblich auf den passenden Knochenmark beziehungsweise Stammzellspender. Dabei reicht ein einfacher Abstrich der Wangenschleimhaut, um unverbindlich in die Spenderdatei aufgenommen zu werden.“

„Im Kampf gegen Blutkrebs ist die Einbindung der Zahnärzte Deutschlands ein großer Gewinn“, so Dr. Elke Neujahr, Geschäftsführerin DKMS Deutschland, „unser Anliegen kann so einer noch breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Der regelmäßige Kontrollbesuch in der Zahnarztpraxis ist für die Mehrheit zur Routine geworden. Hier erreichen wir 76 Prozent aller Erwachsenen. Zudem ist der Zahnarzt als Mediziner prädestiniert, Fragen zum Prozedere zu beantworten.“

„Zahnmedizin endet nicht an starren Grenzen“

Für Engel ist es wichtig, „über den Tellerrand hinauszuschauen – beziehungsweise über den Mund hinauszuschauen. Das ist eine Aufgabe, welche die Zahnmediziner in ihrem Praxisalltag viel häufiger erledigen als vermutet. Denn Zahnmedizin endet nicht an starren Grenzen. Mundgesundheit und Allgemeingesundheit hängen stark miteinander zusammen. In der Zahnmedizin gibt es dafür eine Redewendung: An jedem Zahn hängt ein ganzer Mensch.“ Der deutsche Zahnärztekammer-Präsident meint weiters: „Zahnärzte sind oft die Ersten, die einen Verdacht auf Erkrankungen wie Diabetes oder Rheuma bereits im frühen Stadium äußern können. Die zahnärztliche Kontrolluntersuchung dient gleichzeitig der Früherkennung von lebensbedrohlichen Krankheiten wie dem Mundhöhlenkrebs. Der Zahnarzt ist somit nicht nur ein Arzt für die Mundgesundheit. Ihm kommt auch eine immer wichtigere Rolle bei der Prävention und bei der Erkennung internistischer Krankheitsbilder zu. Deshalb ist es für uns Zahnmediziner naheliegend, uns auch im Kampf gegen Blutkrebs zu engagieren.“

Infomaterial für das Wartezimmer

Im Wartezimmer vieler Zahnarztpraxen wird ab nun Informationsmaterial zum Thema „Mund auf gegen Blutkrebs. Stäbchen rein, Spender sein“ ausliegen. Der interessierte Patient soll dazu die Praxismitarbeiter zu Hintergründen befragen können oder auch den Zahnarzt selbst. Zahnärzte können Infopakete zur Knochenmarkspende kostenlos unter www.dkms.de/bzaek anfordern, dort gibt es auch weitere Informationen zur DKMS.

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