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© Wendl
Priv Doz Dr. Wendl Tagungsleiterin
 
Zahnheilkunde 4. April 2013

Entscheidungshilfe durch gute Planung

„Der Patient hat das Recht auf eine perfekte Behandlungsplanung!“

Jedem Patienten eine korrekt durchgeplante und durchgeführte Behandlung zu gewährleisten, ist die Leiterin der 42. Internationalen Kieferorthopädischen Fortbildungstagung (2. bis 9. März 2013 Kitzbühel) PD Dr. Brigitte Wendl ein großes Anliegen.

Welche Therapiemöglichkeiten in Erwägung gezogen werden, ist nicht nach vorhandenen Möglichkeiten zu entscheiden, sondern nach Bedarf und Sinnhaftigkeit, betonte die Expertin aus Graz im Interview.

Das Thema Wachstum zog sich wie ein roter Faden durch die Tagung. Dabei ist es doch eigentlich kein neues. Warum dann?

Wendl: Das fundierte Verständnis für das Wachstum ist die Voraussetzung für die richtige Planung. Je konsequenter und intensiver man sich in der Planungsphase dem voraussichtlichen Wachstum widmet, umso korrekter die Diagnose und damit umso besser für den Patienten.

Was heißt das für den Behandler?

Wendl: Wichtig ist es, für jedes Kind einen individuellen Behandlungsplan, je nach skelettalen und dentalen Parametern festzulegen. Auch gewinnen bei der Behandlungsplanung immer mehr ästhetische Aspekte an Bedeutung. Wie auch Professor Richmond in seinem Vortrag sagte, muss künftig die Weichteilentwicklung stärker im Behandlungskonzept berücksichtigt werden.

Kann man dieser Forderung überhaupt nachkommen?

Wendl: Sie ist komplex, doch mit vertieftem Verständnis und den neuen Diagnosemöglichkeiten erfüllbar.

Welches Gewicht messen Sie 3D-Aufnahmen in der täglichen Praxis bei?

Wendl: Bei selektiven Indikationen spielen 3D-Darstellungen bereits eine sehr wichtige Rolle, etwa bei chirurgisch unterstützten Fällen. Hier ist diese diagnostische Abklärung – CT, DVT – von Vorteil. Man kann damit bereits präoperativ einfach mehr Details erkennen. Ein Beispiel wären auch retinierte Eckzähne: Schon vorweg lässt sich so die spätere Zugrichtung recht genau planen. 3D-Weichteilscans können für die ästhetische Planung bei orthognather Chirurgie von Bedeutung sein.

Wie sieht es mit der Kosten-Nutzen-Rechnung aus?

Wendl: Es gilt von Fall zu Fall zu unterscheiden, ob man eine 3D-Analyse machen soll oder nicht. Schwere Syndrome, wie zum Beispiel Morbus Crouzon oder Spaltenpatienten sind ohne dieses diagnostische Mittel schwierig zu planen. Für Routineindikationen reichen die herkömmlichen Möglichkeiten.

Zahntransplantationen waren ein Schwerpunkt des Kongresses. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Wendl: Zahntransplantationen sind bei bestimmten Indikationen, z.B. Klasse II mit Nichtanlagen der Unterkieferprämolaren usw., angezeigt. Bei entsprechenden Kenntnissen, denkt man eher an diese Behandlungsalternative. In Graz wurden und werden Zahntransplantationen mit großem Erfolg schon seit Jahrzehnten durchgeführt.

Wie stehen Sie zur Schienenserientherapie?

Wendl: Sie ist bei bestimmten Indikationen, wie z.B. Engstand bei Klasse I, Frontzahnprotrusion mit erlaubtem Stripping, kleinere Distalisierungen u.ä., gut geeignet. Wichtig, wie bei allem anderen, ist auch hier die richtige Indikation als Voraussetzung für den Erfolg. Doch dann, und bei entsprechender Aufklärung, ist die Schienentherapie, wie sie von DDr. Reistenhofer vorgestellt wurde, eine gute Alternative zur festsitzenden Therapieform.

Welche Lösungen erhoffen Sie sich in Zukunft?

Wendl: Neuere chirurgische Verfahren, wie sie z.B. Prof. Spena zeigte, ermöglichen durch eine Schwächung des Kieferknochen Zahnbewegungen, die mit konventioneller Therapie nicht oder nur schwer möglich wären. Auch eine Weiterentwicklung der Schienenbehandlungssysteme, um noch besser kontrollierte Zahnbewegungen durchzuführen, wäre ein weiteres Beispiel.

Ein persönlicher Tipp?

Wendl: Der Patient hat das Recht auf eine perfekte Behandlungsplanung. Dafür sind eine genaue Diagnose und die Erstellung von ordentlichen Unterlagen Voraussetzung. Sie erlauben auch den Behandlungszeitpunkt festzulegen, der dem Patienten unnötig lange Vorbehandlungen erspart – und das ist ein wesentlicher Teil einer perfekten Planung.

Das Gespräch führte DDr. Andreas Scheiderbauer

 

Lesen Sie mehr über die Fortbildungsveranstaltung: Schwerpunkt: Wachstum

A. Scheiderbauer, Zahnarzt 4/2013

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