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Foto Händedesinfektion, © fotolia.com_28457777_Subscription_XXL.jpg --

 
Zahnheilkunde 21. Februar 2013

Saubere Handarbeit

Expertentipps für einfache Infektionsvermeidung in der Zahnarztordination.

Wie werden die Hänge richtig gewaschen? Wann solte die Behandlungseinheit desinfiziert werden? PD Dr. Florian Daxböck, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie, über wichtige Hygienmaßnahmen speziell bei zahnchirurgischen Eingriffen.

„Wenn wir mit Infektionen in der Zahnmedizin konfrontiert sind, geht es vor allem um Keime, die in der Mundhöhle heimisch sind. Von größter Bedeutung sind dabei Viruserkrankungen, die auch über das Blut übertragen werden können wie Hepatitis B, Hepatitis C und HIV“, betont der Hygieneexperte. Gerade bei Hepatitis C, deren Erreger nur über Blut übertragbar sind, werden in Österreich monatlich neue Fälle – insbesondere bei im Gesundheitswesen tätigen Personen – gemeldet, die oft jahrelang nicht von ihrer Infektion gemerkt haben. Für Hepatitis B gilt: „Da für diese Erkrankung das Infektionsrisiko relativ hoch ist, muss das Personal unbedingt geimpft sein“. Wegen dem Übertragungsweg durch Aerosole sollten kein Instrumente offen aufbewahrt werden, auch unbenützte Instrumente am Tray müssen desinfiziert werden. Ein weiterer Übertragungsweg sind die Hände: „Auch wenn man Handschuhe trägt, kann man durch den Prozess des Ausziehens Viren auf den Händen haben.“ Dennoch reduzieren Handschuhe das Infektionsrisiko für Hepatitis B, C und HIV laut Daxböck um fast 50 Prozent.

Händevorbereitung

Die richtige Vorbereitung vor einem chirurgischen Eingriff wie jenem einer Weisheitszahnentfernung ist: Hände waschen, Hände desinfizieren und wieder Hände waschen. Wobei das Waschen der Hände vor allem dazu dient, mögliche Sporen auf der Haut zu entfernen. Eine Nagelbürste kommt nur gezielt zum Einsatz, wenn hartnäckige Verschmutzungen entfernt werden müssen. Daxböck: „Die Hände sollte man nach dem Waschen unbedingt abtrocknen und erst dann desinfizieren. Feuchte Hände verdünnen sonst den Alkohol und die Wirkung wäre reduziert.“

Heute wird nicht mehr dazu geraten, die Hände zwischen den einzelnen Behandlungen zu waschen. Es reicht, wenn man die Hände vor dem ersten Patienten und nach dem letzten gründlich wäscht bzw. natürlich auch nach jedem Toilettenbesuch. Uhr und Schmuck sind dafür zu entfernen. Daxböck: „Optimal ist ein Seifen- und Desinfektionsmittelspender, der auch mit dem Ellbogen bedienbar ist.“

Zwischen den Behandlungen sollten die Hände desinfiziert werden. Für zahnärztliche Routinemaßnahmen reicht eine hygienische Desinfektion: Eine Portion (etwa 3 ml) eines alkoholischen Händedesinfektionsmittels aus dem Spender entnehmen und in die trockene Haut einreiben. Dabei den Spender mit dem Ellenbogen und nicht mit den Fingern bedienen. Die entnommene Portion Händedesinfektionsmittel muss so lange eingerieben werden, bis der Alkohol verdunstet ist (mindestens 30 Sekunden).

Für die chirurgische Händedesinfektion nimmt man fünf Milliliter (5 ml) Desinfektionsmittel, das drei Minuten lang auf Händen und Unterarmen verteilt wird (siehe Kasten 1). „Wichtig ist es, die Fingerkuppen und Fingerzwischenräume zu benetzen, diese Stellen werden leicht vergessen“, so der Experte

Eingriffsvorbereitung

Die Behandlungseinheit und Arbeitsflächen in 1,5 Meter Entfernung werden mit einem ÖGHMP- oder VAH-gelisteten Desinfektionsmittel behandelt (Wischdesinfektion). Das Operationsfeld wird mit einem sterilen Tuch abgedeckt, der Behandler trägt sterile Handschuhe. „Eine Schutzbrille schützt vor Spritzinfektionen ins Auge mit Hepatitis B,C- und HI-Viren“, so Daxböck. Die Keimbelastung in Aerosolen lässt sich vermindern, indem die Patienten vor der Behandlung eine Minute lang mit Chlorhexidin spülen. Da das Wasser aus der Einheit oft keimbelastet ist, sollte für den chirurgischen Eingriff steriles Wasser verwendet werden.

Desinfektion der Hände

Die chirurgische Händedesinfektion soll transiente und residente Keime beseitigen. Sie ist Teil der chirurgischen Händevorbereitung und gilt generell für alle operativen Eingriffe.

Die chirurgische Händevorbereitung:

• Schmuckstücke und Armbanduhr ablegen.

• Chirurgisches Händewaschen: Mit warmem Fließwasser und Flüssigseife aus Wandspendern für mindestens zwei Minuten. Wasserarmaturen nicht mit den Fingern, sondern mit dem Ellbogen bedienen.

• Beim Waschen auf Fingerkuppen, Fingerzwischenräume, Daumen und Handgelenke besonders achten.

• Waschen bis zum Ellbogen; Abspülen mit erhobenen Händen und Fingern, damit Wasser über die Ellbogen abfließt.

• Hände gründlich mit keimarmen Tüchern (Einmalpapierhandtuch oder desinfizierend gewaschene Tücher) trocknen, dabei von den Fingern zu den Ellbogen wischen. Ab jetzt jede Berührung vermeiden.

• Chirurgische Händedesinfektion mit alkoholischem Produkt aus Wandspender (mit Ellbogen bedienen!) für mindestens drei Minuten einreiben. Nach Bedarf Desinfektionsmittel nachgeben, um die Hände während der gesamten Dauer von drei Minuten alkoholfeucht zu halten. Nach der letzten Applikation Alkohol auf Händen vollständig verdunsten lassen, nicht wegwischen; Hände unter Sichtkontrolle halten.

• Sterile Einkleidung.

• Über die trockenen Hände sterile Handschuhe ziehen.

Ein Video zur Desinfektion der Hände ist auf der Homepage der Meduni Wien unter folgendem Link zu sehen:

www.meduniwien.ac.at/ krankenhaushygiene

Quelle: AKH Wien, Merkblatt 3 Händedesinfektion

Neue Nadelstichverordnung

Scharfe oder spitze medizinische Instrumente wie Injektionsnadeln, Blutentnahmekanülen, Pen-Nadeln und Skalpelle stellen in stressreichen Situationen eine Gefahr für Mitarbeiter im Gesundheitswesen dar. Dabei kommt es regelmäßig zu Verletzungen mit erheblichen Folgen. Auch der Arbeitgeber ist durch Kostenbelastungen für Arbeitsausfälle und Vertretungsregelungen unmittelbar betroffen. Schutz vor solchen Verletzungen soll die „Nadelstichverordnung“ bringen, die am 7. Jänner 2013 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde und am 11. Mai in Kraft tritt. Sie verpflichtet Arbeitgeber im Gesundheitswesen zur Umstellung auf sichere Instrumente. Bei allen Tätigkeiten mit Infektions- oder Verletzungsgefahr an scharfen oder spitzen medizinischen Instrumenten sind spätestens ab dem 11. Mai 2013 „Sichere Instrumente“ durch den Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen sowie für deren Verwendung zu sorgen. Dabei ist dem Grundsatz zu folgen, niemals davon auszugehen, dass kein Risiko besteht. Eine Übersicht über entsprechende Maßnahmen ist auf der Homepage der Initiative SAFETY FIRST! zu finden: www.nadelstichverletzung.at

A. Fallent, Zahnarzt 3/2013

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