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© Anna Omelchenko / fotolia.com
Das neue Zahnreinigungsgerät basiert auf dem Prinzip der Raspelzunge von Schnecken.
 
Zahnheilkunde 28. Jänner 2013

Aus dem Tierreich abgekupfert

Eine neue Art der Pflege: „Schneckentechnik“ sorgt für saubere Zähne.

Eine neuartige Diagnose- und Reiniger-Einheit soll Karies und Parodontose vorbeugen. Neben der Westfälischen Hochschule Bocholt, Deutschland, Hochschule sind an dem Projekt auch Unternehmen beteiligt.

Wohin herkömmliche Zahnbürste und Zahnseide zur Zahnreinigung nicht kommen, dort soll vor allem in den Zahnzwischenräumen ein Zahnreinigungsgerät arbeiten, das bis 2014 an der Westfälischen Hochschule in Bocholt entwickelt wird. Es basiert auf dem Prinzip der Raspelzunge der Schnecke.

Das Problem liegt zwischen den Zähnen: 70 Prozent der Zahnfüllungen sind nötig, weil Karies zwischen den Zähnen den Schmelz angreift. Und auch Parodontose geht von hier aus. Ursache sind Biofilme, die vor allem in den Zahnzwischenräumen weder von der Zahnbürste noch von Zahnseide ausreichend entfernt werden können. Das will die Westfälische Hochschule und hier speziell der Bionik-Forschungsbereich an der Hochschulabteilung Bocholt mit einer Kombination aus Bionik, Mikrotechnik und Nanotechnologie ändern. Zuerst will Prof. Dr. Andrea Springer mit einem Team aus wissenschaftlichen Mitarbeitern, Studierenden und externen Unternehmenspartnern eine Diagnose-Einheit entwickeln, mit welcher der Zahnarzt die Zahnzwischenräume seiner Patienten untersucht und feststellt, ob Zahn und Zahnfleisch gesund sind.

Dabei kommt Mikrotechnik zum Zug, denn zwischen den Zähnen ist es so eng, dass nicht einmal ausgeklügelte Röntgentechnik hier ausreichend Auskunft geben kann. Sensoren vermessen nicht nur mögliche Schäden sondern geben auch ein genaues Bild der individuellen Geometrie zwischen den Zähnen, woraus der Zahnarzt auch ableitet, wie groß oder besser wie winzig die Reinigungseinheiten sein müssen.

„Raspel“ gegen Plaque

Dazu kommt die Bionik ins Spiel: Zur Reinigung der Biofilme kopieren die Wissenschaftler technisch die Schneckenzunge. Mit feinsten Zähnchen auf der Zunge raspelt das Weichtier in der Natur Fressbares von Oberflächen ab. Nach diesem Vorbild soll eine Mikro-Reinigereinheit entstehen, die dahin kommt, wohin die Zahnbürste nicht kommt. Dabei sollen die Bakterienfilme schonend mechanisch abgetragen werden und so verhindern, dass die Säuren der Bakterien den Zahnschmelz angreifen. Das ist so gründlich, dass der Patient diese spezielle Reinigung sogar nur dreimal wöchentlich durchführen muss, um seine Zähne und sein Zahnfleisch dauerhaft zu schützen. Zum Zahnarzt muss er dafür nicht, sondern kann das bequem zu Hause selber erledigen. Das Projekt läuft in der Fachhochschule unter der Überschrift „med.clean&control“ läuft, wird vom nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium im Rahmen des Programms „PerMed.NRW“ mit rund 320.000 Euro gefördert. Das Projekt läuft über zwei Jahre bis Juni 2014. Mit im Forschungsboot sitzen drei Unternehmen: Die Firma Ingpuls aus Bochum kümmert sich um Sensortechnologie, das Solinger Unternehmen Dinger Werkzeugbau soll die nötigen Werkzeuge bauen, damit die winzigen Geräte in Spritzgießtechnik produziert werden können, ein Unternehmen aus Witten konzipiert und entwickelt die Vermarktung.

Quelle: Westfälische Hochschule
www.fh-gelsenkichen.de  

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