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Zahnheilkunde 11. Jänner 2013

Abstracts der an der MUW eingereichten Diplomarbeiten des Zahnmedizinstudiums

Vergleich eines spritzbaren deproteinisierten bovinen Knochenmineral (DBBM) und einem Hydrogel-Carrier (HPMC) mit partikulärem deproteinisierten bovinem Knochenmineral an der Calvaria von Minipigs

Ute Schnötzinger Bernhard Gottlieb Universitätszahnklinik, Medizinische Universität Wien

Einleitung: In der präimplantologischen Augmentationstherapie gewinnen vermehrt minimalinvasive Vorgehen an Bedeutung. Autologe, allogene, xenogene Knochentransplantate und alloplastische Materialien haben sich als Augmentationsmaterialien in der Zahnheilkunde bewährt. Minimalinvasive Implantationstechniken in Kombination mit navigierter Implantologie und der percrestale Sinuslift erfordern einfach applizierbare Augmentationsmaterialien, die sich über einen minimalinvasiven Zugang circa in Größe des Implantatdurchmessers applizieren lassen. Hierfür werden vermehrt spritzbare Knochenersatzmaterialien eingesetzt. Durch ihre vereinfachte Handhabung ermöglichen sie einen minimalinvasiven Zugang und minimalinvasive Augmentationen.

Ziel der Studie: Ziel dieser Studie war es, ein spritzbares Knochenersatzmaterial aus einem bovinen deproteinisierten Knochenmineral und Hydrogel-Carrier mit dem handelsüblichen granulären Äquivalent hinsichtlich des Einflusses der Granulatgröße und des Trägermaterials auf Handhabung, Knochenneubildung und Partikelresorption zu vergleichen.

Material und Methodik: Kuppeln auf Acrylharzbasis wurden mit der neuen injezierbaren Paste aus Bio Oss® (125-250µm)+ HPMC und dem handelsüblichen Bio Oss® mit einer Granulatgröße von 0.25-1mm gefüllt und auf der Calvaria von 8 Minipigs befestigt. Nach 12 Wochen wurden die Tiere getötet und Dünnschliffe zur histologischen und histomorphometrischen Auswertung hergestellt.

Ergebnisse: Im Rahmen der histologischen und histomorphometrischen Auswertung konnte hinsichtlich der Fläche an neu gebildetem Knochen bei keiner der Vergleichsgruppen ein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Nach 12 Wochen wies die Kontrollgruppe normales Bio Oss® eine signifikant größere Fläche an mineralisierter Substanz (neu gebildeter Knochen plus Bio Oss® Partikel) als das spritzbare Knochenersatzmaterial auf. Beim Vergleich mit dem granulären Äquivalent zeigte die spritzbare Paste aus Bio Oss®+ HPMC eine raschere Resorption der DBBM Partikel.

Conclusio: Als Ergebnis unserer präklinischen Studie konnten wir für das spritzbare Knochenersatzmaterial eine hervorragende Handhabung nachweisen. Die spritzbare Paste aus Bio Oss® + HPMC ließ sich einfach und gezielt applizieren. In Hinblick auf die Osteokonduktivität erwies sich die spritzbare Paste als genauso effektiv wie das handelsübliche DBBM.

Beta 2-adrenerge Rezeptor Agonisten reduzieren die Proliferation in parodontalen Fibroblasten

Marcus Leimer Bernhard Gottlieb Universitätszahnklinik, Medizinische Universität Wien

Hintergrund: Eine erhöhte Katecholamin Sekretion sowie eine gestörte Wundheilung der Mukosa sind beide mit psychischen Belastungen eng miteinander verbunden. Dabei spielen die oralen Keratinozyten und der dazugehörige β2-adrenerge Signalweg eine wichtige Rolle. Ob bei pathologischen Veränderungen die β2-adrenergen Rezeptoren und die dazugehörigen Signalwege der parodontalen Fibroblasten eine Rolle spielen bleibt jedoch unklar.

Material und Methoden: Um diese Annahme zu testen, wurden Fibroblasten der Gingiva und des parodontalen Ligaments in Kombination mit Agonisten des β-adrenergen Systems ausgesetzt. Isoproterenol (ISO, nicht-selektiver β-adrenerger Agonist), Salbutamol (SAL, selektiver β2-Rezeptor Agonist) und BRL 37.344 (BRL selektiver β3-Rezeptor Agonist). Die Proliferation und Proteinsynthese in GF und PDLF wurden durch das bewerte 3[H]Thymidin und 3[H]Leucin Verfahren in Anwesenheit des Wachstumsfaktor Platelet derived growth Factor-BB (PDGF-BB) gemessen. Um eine Beteiligung der β2-adrenergen Rezeptoren zu zeigen, wurde eine Polymerase Kettenreaktion durchgeführt kamen pharmakologische Inhibitoren zum Einsatz.

Ergebnisse: Unsere Daten zeigen, dass es unter Anwesenheit der Rezeptor Agonisten ISO, SAL und dem Wachstumsfaktor PDGF-BB, zu einer Verminderung der Proliferation in GF und PDLF kommt. BRL 37.344 hatte keinen Einfluss auf die Proliferation der Zellen. Die Proteinsynthese bleibt unter Verwendung der Agonisten unverändert.

Die Proliferation fördernde Wirkung des Wachstumsfakors PDGF-BB wurde durch β2-Rezeptor Agonisten gehemmt und durch β2-Rezeptor Antagonisten Propranolol konnte diese Hemmung wieder aufgehoben werden und das mitogene Potential von PDGF-BB gesichert werden. Darüber hinaus wurde durch RT-PCR der Nachweis erbracht, dass gingivale und parodontale Ligament Fibroblasten den β2 -Rezeptor exprimieren.

Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse legen uns nahe, dass β2-Rezeptor Agonisten den mitogenen Effekt von PDGF-BB und b-FGF reduzieren. Durch unsere Daten sind wir der Überzeugung, dass es durch die Blockierung des β2-Rezeptor Signalweges zu einer verbesserten Wundheilung und verbesserten Gewebsregeneration kommt. In allen GF und PDLF wurde die Proliferation, die Proteinsynthese und Migration gemessen.

Die Auswirkung dentaler Implantate auf die Pathogenese der Bisphosphonat-assoziierten Osteonekrose. Eine retrospektive Metaanalyse

Nadja Matoni Univ.-Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Medizinische Universität Wien

Ziel: Die Osteonekrose des Kiefers (BRONJ) ist eine Nebenwirkung der Langzeittherapie mit Bisphosphonaten. Eine prothetische Rehabilitation durch dentale Implantate während einer Bisphosphonattherapie, geht mit dem zusätzlichen Risiko der BRONJ einher. Diese Studie hat das Ziel die Auswirkung der dentalen Implantation auf den zeitlichen Verlauf des Auftretens der BRONJ unter Berücksichtigung der AAOMS Richtlinien zu untersuchen.

Material und Methode: Untersucht wurden 11 Patienten aus einem Kollektiv der 139 Patienten mit Biopsie-gesicherter BRONJ, die von 2004 bis 2011 an der Mund-Kiefer-Chirurgie der Medizinischen Universitätsklinik Wien behandelt wurden. Publizierte Fallstudien zwischen 1978 und Februar 2012 zu dieser Problematik wurden im Sinne einer Metaanalyse inkludiert, bei welchem der zeitliche Verlauf der Publikationen erhoben wurde. Es wurden drei Gruppen unterschieden, welche Zeitpunkt der Implantation, Beginn und Ende der BP-Therapie berücksichtigen: (1) Implantation vor Beginn der Therapie, (2) Implantation nach Ende der Therapie, (3) Implantation während der Bisphosphonattherapie. Die statistische Analyse wurde mit einer linearen Regressionsanalyse unter Berücksichtigung von weiteren Einflussfaktoren (Applikationsform, Dosierung, Gesamtdauer der BP-Therapie) durchgeführt.

Ergebnisse: Patienten, die während (Gruppe3, xx+,-xx Monate, p=0.036) oder nach Abschluss der Bisphosphonattherapie implantiert wurden (Gruppe 2, xx+,-xx Monate, p=0,008), haben ein beschleunigtes Auftreten der BRONJ im Vergleich zu Gruppe 1 (xx+,-xx Monate). Die Gesamtdauer oraler Bisphosphonattherapie hat auch einen signifikanten Einfluss auf die Geschwindigkeit zum Auftreten der BRONJ (xx+,-xx Monate, p=0,03).

Conclusio: Die Entwicklung der BRONJ ist nach Abschluss oder während der Bisphosphonattherapie bei Implantation beschleunigt. Die Entstehung der BRONJ ist bei Implantaten, die vor Beginn der Therapie gesetzt werden, verzögert. Die Inzidenz der BRONJ bei dentalen Implantaten unter Therapie mit oralen Bisphosphonaten wird jedoch als niedrig eingestuft.

Optimierung der in vitro Differenzierung primärer oraler Keratinozyten durch Variation des Differenzierungsmediums

Hanna Prillinger Bernhard Gottlieb Universitätszahnklinik, Medizinische Universität Wien

Hintergrund und Zielsetzung: Für die Herstellung von autologer Mundschleimhaut in vitro ist eine funktionelle Epidermis essentiell. Als Grenze zur Außenwelt bildet die Schleimhaut eine Barriere für Umwelteinflüsse und reguliert das Flüssigkeitsgleichgewicht. Um diese Funktion zu erreichen, ist die Differenzierung von Keratinozyten nötig. Ziel dieser Arbeit ist es, ein Differenzierungsmedium zu finden, das eine Steigerung der Differenzierung von Keratinozyten in vitro bewirkt.

Methoden: Um dieses Ziel zu erreichen, werden primäre Keratinozyten aus gesunder humaner Mundschleimhaut isoliert. Die Keratinozyten werden mit flüssigen Wachstumsmedien auf DMEM/DMEM-F12 (Dulbecco’s Modified Eagle Medium) und KGM (Keratinocyte Growth Medium) Basis behandelt. Sieben verschiedene Differenzierungsmedien werden hergestellt. Als Medienzusätze werden Ascorbinsäure und Cholera Toxin, konditioniertes Fibroblasten-Medium, Ca²+ und CMC (4-Chloro-M-Cresol) angewendet. Der Effekt auf die Differenzierung der Keratinozyten wird nach eintägiger und siebentägiger Behandlung bestimmt. Der Zustand der Differenzierung entspricht der Expression von Keratin 13, Involucrin und SPR3 (Small Proline Rich Proteins). Die Expression der Marker wird durch immunhistochemische Fluoreszenzfärbung und quantitative Real-Time PCR bestimmt.

Ergebnis: Es hat sich gezeigt, dass eine siebentägige Differenzierungszeit einer eintägigen Differenzierungszeit überlegen ist; mit Ausnahme des Mediums, welches Ascorbinsäure und Cholera Toxin als Zusatz hat. Die Versuche zeigten, dass die verwendeten Medien eine unterschiedliche Differenzierung der Keratinozyten hervorrief. Statistisch war keine Signifikanz nachweisbar. Ein Medium hat sich hinsichtlich des Differenzierungsmarkers SPR3 signifikant von den anderen Medien unterschieden.

Schlussfolgerung: Keratinozyten konnten mit den verwendeten Medien differenziert werden. Es lässt sich zeigen, dass sich manche Medien besser für die Differenzierung eignen als andere. Es bedarf allerdings weiterer Bemühungen, ein optimales Medium für die Differenzierung von oralen Keratinozyten in vitro zu erlangen.

Subjektive und objektive Evaluierung der Implantatversorgung in der ästhetischen Zone

Muhammad Nabeel Umar Bernhard Gottlieb Universitätszahnklinik, Medizinische Universität Wien

Zielsetzung: Ziel der Diplomarbeit war es alle gängigen Ästhetik-Parameter auf ihre Reproduzierbarkeit zu untersuchen und miteinander zu vergleichen. Zusätzlich wurde die Korrelation der Patientenzufriedenheit mit den Ergebnissen der Ästhetik-Parameter untersucht.

Material & Methoden: Es wurden 189 Patienten untersucht, die in der ästhetischen Zone implantiert wurden. Vier Beurteiler (darunter ein Zahnmedizinstudent, ein Kieferorthopäde, ein Chirurg und ein Medizinstudent) werteten in zwei Durchgängen mit allen gängigen Ästhetik-Indizes (metrische Indizes: Pink Esthetic Score (PES), Implant Crown Aesthetic Index (ICA), Pink and White Esthetic Score (PES/WES), Complex Esthetic Index (CEI) und Implant Aesthetic Score modified (IASm), ordinal skalierte Indizes: Papilla-Index, Subjektiv Ästhetik Score modifiziert (SES) und Rompen) anhand rechtwinkelig angefertigten intraoralen Fotos. Die subjektive Patientenzufriedenheit wurde mittels einer VAS-Skala festgehalten.

Resultate: Alle metrischen Indizes und der PI-Index zeigten eine gute bis sehr gute intraobserver-Korrelation, der SES und Rompen-Index hingegen nur eine mäßige. Außer beim ICA-Index zeigten alle metrischen Indizes eine mäßig bis gute inter-observer Korrelation in beiden Durchgängen. Die ordinalen Indizes hingegen zeigten nur eine schlechte bis mäßige inter-observer Korrelation. Bei den metrischen Indizes unterschieden sich im ersten Durchgang der Zahnmedizinstudent und Kieferorthopäde nicht signifikant voneinander wie auch im zweiten Durchgang der Zahnmedizinstudent und der Medizinstudent. Bei allen metrischen Indizes beurteilte der Medizinstudent deutlich strenger und der Chirurg am unkritischsten. Die statistische Analyse zeigte eine statistisch signifikante Korrelation zwischen der Patientenzufriedenheit (VAS) und der metrischen Ästhetik-Parametern. Die Patientenzufriedenheit zeigte mit den ordinal skalierten Indizes keine statistisch signifikante Korrelation. Beim Vergleich der zementierten mit verschraubten Kronen, zeigten die verschraubten Kronen bei den meisten Untersuchern keinen statistisch signifikanten Unterschied.

Schlussfolgerung: Insgesamt konnte gezeigt werden, dass alle Indizes mit Ausnahme des ICA, SES und Rompen-Indizes reprduzierbar sind. Alle metrischen Indizes zeigten einen signifikant positiven Zusammenhang mit der Patientenzufriedenheit, der bei den ordinalen Indizes nicht nachgewiesen werden konnte. Außer ICA, Rompen und SES sind alle Indizes objektiv und könnten auch in der täglichen Praxis angewendet werden.

Abstracts der an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg eingereichten und von der ÖGZMK Salzburg unterstützten Stomatologischen Diplomarbeiten des Medizinstudiums

Betreuer: Doz. Dr. Johann Beck-Mannagetta

Langzeitergebnisse nach der Behandlung von ausgedehnten Kieferzysten

Robert Wakolbinger Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (Vorstand: Univ.Prof. Dr. Ch. Krenkel) Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg

Ziel: Kleine Zysten der Kieferknochen heilen meist komplikationslos aus; bei Zysten mit einem Durchmesser von über 1,5cm treten mitunter Probleme auf. Die Langzeitergebnisse nach ausgedehnten Kieferzysten sollten mit den Angaben der Literatur verglichen werden.

Material und Methoden: An der UK für MKG-Chirurgie Salzburg wurden 61 Patienten mit 67 Zysten nach mindestens 6 Monaten klinisch und radiologisch nachuntersucht. Eine Auffüllung des knöchernen Hohlraumes mit Spongiosa oder Ersatzmaterial erfolgte nicht. Als permanentes Defizit wurden bleibende Sensibilitätsstörungen oder unvollständige Ossifikation angesehen.

Ergebnisse: Es wurden 67 Zysten durchschnittlich 32 Monate (6-108 Monate) postoperativ untersucht. Eine Zystektomie wurde bei 57 Zysten (26 kleinere, d.h. 1,5–1,9 cm Dm und 31 größere, d.h. Dm >1,9 cm) durchgeführt: Eine vollständige Heilung erfolgte bei 24 (= 92%) kleineren und bei 27 (= 87%) größeren Zysten.

Die Zystostomie von 10 Zysten ergab bei 2 kleineren eine vollständige Heilung, ebenso bei 8 größeren in 6 Fällen (= 75%).

Somit fanden wir nach Zystektomie sechsmal (= 11%) und nach Zystostomie zweimal (= 20%) ein bleibendes Defizit.

Permanente Sensibilitätsstörungen traten bei 4 Patienten nach Zystektomie, nicht jedoch nach Zystostomie auf. Unvollständige Ossifikationen wurden bei jeweils 2 Patienten nach Zystektomie bzw. Zystostomie festgestellt.

Schlussfolgerungen: Bei Kieferzysten von 2cm Dm und mehr soll eine Zytostomie in Erwägung gezogen werden, um die Sensibilität zu erhalten. Eine Auffüllung des knöchernen Defektes ist nicht erforderlich. Ein gelegentliches Knochendefizit kann später durch autologen Knochen ersetzt bzw. durch Implantate ausgeglichen werden.

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