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Abb. 2: Das Salzburger Kairós Quartett verzauberte die Zuhörer.

© Fotos (6): Dr. Gisela Peters, Bad Homburg, Deutschland

Abb. 1: Die Kongressteilnehmer im Europasaal erlebten eine gleichzeitig stilvolle wie abwechslungsreiche Eröffnungsfeier.

Abb. 3: Der Festvortrag gehörte Professor DDDr. Clemens Sedmak, Salzburg.

Abb. 4: Eine Auswahl an Implantaufbauten: für jedes Alter ist etwas dabei. Dieses Modell wurde uns am Stand von Neoss gezeigt.

Abb. 5: Hygiene ist das A und O des Zahn- und Implantaterhalts. Die klinische Untersuchung mit dem Spiegel bringt es an den Tag – dies bildet die Ausgangsbasis für das Prophylaxegespräch und altersentsprechende Training. Diese Demo-Spiegel waren auf dem Stand von Loser zu sehen..

 
Zahnheilkunde 12. Dezember 2012

Österreichischer Zahnärztekongress 2012

Heuer inkludierte die jährliche Tagung das Symposium für Kinderzahnheilkunde.

Im modernen „Salzburg Congress“ gleich neben dem traditionsreichen Schloss Mirabell und ehrwürdigen Mirabellgarten tagte vom 20. bis 22. September 2012 der heurige Österreichische Zahnärztekongress. Er hatte diesmal das Symposium für Kinderzahnheilkunde integriert, das sonst immer im Frühjahr in Salzburg stattfindet. 1.300 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt und nahmen an dem breit gefächerten Fortbildungsangebot teil.

Stilvoll zeigte sich nicht nur der Kongressort, sondern auch die Eröffnungsveranstaltung (Abb. 1 und 2). Sie wurde festlich begleitet vom bekannten Salzburger Kairós Quartett, das schöne Konzertstücke von Mozart bis Bach spielte. In diesen Rahmen fügte sich nahtlos das attraktive Vortragsprogramm mit knapp 100 Referenten und rund 45 Veranstaltungen ein, darunter auch Seminare, Workshops, Kurse, Fortbildung für die PraxismitarbeiterInnen sowie zwei Vortragsblöcke zu „Prothetik Digital“ und Alterszahnheilkunde. Das Angebot war so reichhaltig und die Zahl der Anmeldungen so groß, dass ein Teil der Tagung sogar in zwei benachbarte Hotels ausgelagert werde musste. Am Ende konnte Dr. Walter Keidel, der Präsident des heurigen Kongresses (siehe Interview), auf eine der erfolgreichsten Veranstaltungen dieser Art zurückblicken. Die Industriefläche erwies sich ebenso als Magnet: Rund achtzig Aussteller waren dabei, davon über die Hälfte mit Stammsitz oder Vertretung in Österreich.

Zahngesundheit und ein schönes Leben

Die Auftaktrede hielt OMR DDr. Hannes Westermayer, Präsident der Österreichischen Zahnärztekammer. Während der Vortragsbogen des Kongresses alle Bereiche von der Endodontie, Forensik, Implantologie, Kieferchirurgie, KFO und Konservierenden Zahnheilkunde einschließlich Laser- und Mikroskop-Zahnheilkunde über die Orale Medizin, Parodontologie, Prothetik und Psychosomatik bis hin zur Kinderzahnheilkunde umspannte, hielt Westermayer fest: Etliches von dem, was die Zahnärzteschaft bewegt, sei in der Politik noch nicht angekommen.

So forderte er eine dentale Schwangerenberatung. Diese sei schon aus volkswirtschaftlichen Gründen nötig, um die Kosten für Spätschäden zu reduzieren. Es gebe heute Bezirke mit hohem Migrantenanteil, in denen sich im Unterschied zu anderen Vierteln eine hohe Kariesinzidenz finde. Die Sensibilisierung der Mütter für die Mundgesundheit sei zielführend. Mit Blick auf die zunehmende Verwaltung mahnte Westermayer außerdem: „Der freiberufliche Zahnarzt übt eine selbstverantwortliche Tätigkeit aus. Er ist dem Patienten verantwortlich, nicht dem PC!“

Dazu passte gut der pointierte Festvortrag von Professor DDDr. Clemens Sedmak (Abb. 3), Salzburg. Er dachte über die Bedeutung der Zähne und des Zahnarztes für die Gesellschaft nach. Zähne werden in den Themenbereichen Schönheit, Macht und Ausdruck in Anspruch genommen. Sie stellen unser „ästhetisches Kapital“ dar, führte Sedmak aus. Heute leben wir in Zeiten des „Lookism“, attraktive Menschen haben einen größeren Erfolg am Arbeitsmarkt. Folgerichtig sind die Zahnärzte Vermögensverwalter – und dann auch Integrationsverwalter, wenn es um die Zahngesundheit von Migranten geht. Der bekannte Referent machte deutlich: Zahnärzte haben eine hohe soziale Verantwortung.

Highlight 1: Alterszahnheilkunde

Einen Wachstumszweig innerhalb der Zahnmedizin stellt die Alterszahnheilkunde dar – es lohnt sich, dieses Trendthema in das Praxisprofil aufzunehmen. Dieser Patientengruppe nahm sich Professor Dr. Frauke Müller, Universitätsklinik Genf, in ihrem Vortrag an. Laut einer Studie sind 37,2 Prozent der über 85 Jahre alten Schweizer zahnlos – ein weites Feld für die zahnärztlich-zahntechnische Betätigung. Der Hauptwunsch des alten Menschen lautet: „Er möchte kauen“, so Müller. Wenn jedoch das Kautraining fehlt und sich die Kaukraft verringert – etwa weil die Totalprothese locker sitzt oder die Nahrung im Heim zu weich ist, bildet sich der Musculus masseter zurück. Mit Implantatversorgungen lässt sich demgegenüber eine höhere Muskeldicke feststellen, damit wird eine höhere Kaueffizienz erreicht. Diese wiederum prägt sich auf den Ernährungszustand durch. Für Menschen mit mittlerem Alter von 81,5 Jahren zeigt sich eine Korrelation zwischen hohem Body Mass Index (BMI) – als Maß für den Ernährungszustand – und gebremster Mortalität. Zudem wirkt sich die Implantatversorgung positiv auf die Häufigkeit sozialer Aktivitäten aus – Familie besuchen, Freunde einladen und besuchen, zu Partys und ins Restaurant gehen. Das Selbstwertgefühl und die Lebensqualität steigen. Dies alles spricht für die Implantatversorgung (Abb. 4 und 5) beim alten Menschen, zumal die Implantatüberlebensrate nicht geringer als bei Jüngeren ausfällt.

Highlight 2: Zukunftskonzepte mit Hochleistungspolymer

Wer sich über Trends bei neuen Materialien und Versorgungskonzepten informieren wollte, war im Vortrag von Professor Dr. Daniel Edelhoff, und Priv.-Doz. Dr. Florian Beuer, beide Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), gut aufgehoben (siehe auch Interview mit Prof. Edelhoff im „Zahn Arzt“, Ausgabe 9). Neue Wörter in der modernen Zahnheilkunde lauten „Probefahrt“ und „Reifenwechsel“. Mit neuen Hochleistungspolymeren für das Langzeitprovisorium, die sich im Bereich der Kauflächenrekonstruktion einsetzen lassen, kann heute eine erhebliche Ausdehnung der Vorbehandlungsphase zur Erarbeitung funktioneller und ästhetischer Gesichtspunkte realisiert werden. Damit wird eine zeitlich verlängerte Überprüfung des Restaurationsentwurfes ermöglicht: die „Probefahrt“ vor der definitiven Rehabilitation.

Darüber hinaus könnte eine polymerbasierte Verblendung anstelle einer Keramikverblendung auf Implantat- abutments aus Zirkoniumdioxid (ZrO2) besondere Vorteile aufweisen: Diese betreffen das gute Dämpfungsverhalten und damit die Stressreduktion auf das Implantat und Abutment, die komplikationslose Austauschbarkeit und Reparatur durch Hinterlegung des Datensatzes zum Austausch der Verblendung sowie die Möglichkeit einer Probefahrt verschiedener Okklusionskonzepte. Wird die Verblendung als schwächster Teil der Implantatversorgung gestaltet, könnten vermutlich gravierende technische Komplikationen wie Schrauben- oder Abutmentfrakturen vermieden werden und im Komplikationsfall lediglich die Verblendung mit Hilfe des bestehenden Datensatzes neu angefertigt werden. Dieses von Zahntechniker Josef Schweiger und Zahnarzt Peter Neumeier, beide LMU München, entwickelte und zum Patent angemeldete „Verbundkronenkonzept“ besteht somit aus einem individuellen permanenten Abutmentanteil und einer semipermanenten Krone/Verblendung aus Hochleistungspolymer. Komplikationen im Verblendbereich können dadurch einfach behoben werden. Eine neue Verblendung lässt sich leicht „aufziehen“– wie bei einem Reifenwechsel.

Fazit

Zahnmedizin vom Feinsten - das ist es, was Kongressteilnehmer eines nationalen Dentalkongresses erwarteten und bekamen. Neue Themen, neue Konzepte - die österreichische Zahnmedizin ist in Bewegung.

Text und Bilder: Dr. Gisela PetersAuf ein Wort … DDr. Walter Keidel, Präsident der ÖGZMK und Kongresspräsident im Gespräch mit Dr. Gisela Peters

Herr Dr. Keidel, Sie haben viel Arbeit und Ideen in diesen Kongress gesteckt. Was geht heuer auf Ihre Initiative zurück? Keidel: Als Zahnarzt war mir wichtig, möglichst viele Fachgesellschaften und ARGEs aktiv in den Kongressablauf einzubinden und mit ihren wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnissen den Kongressbesuchern ein Optimum an direkt umsetzbarem Wissen zu vermitteln. Außer meinem Team waren sieben Fachgesellschaften und vier ARGEs beteiligt. Unter welchem Leitgedanken haben Sie das Vortragsprogramm zusammengestellt? Keidel: Das komplette Ordinationsteam sollte sich beim Kongress fortbilden können. Das Programm sollte sich über die gesamte Zahnheilkunde erstrecken und möglichst viele relevante Aspekte für die tägliche Praxis abdecken. Welche Trends sehen Sie derzeit in der Zahnheilkunde? Was steht vor allem im Mittelpunkt? Keidel: Der Trend geht wieder zurück auf gesamtmedizinische Werte. Auf der Tagung zeigte sich ein reges Interesse bei Parodontitis und Periimplantitis, außerdem ein großer Zulauf bei der Kinderzahnheilkunde. Wir sehen auch eine Renaissance der Endodontie. Dem Zug der Zeit folgend liegt die Forensik im Trend und es ist ein aufkeimendes Interesse an der Oralen Medizin zu verzeichnen.

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