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Team Jünger (im Bild, v.l.n.r.): Dr. Verena Maria Erian, Mag. (FH) Eva Massenlechner, Raimund Eller
 
Zahnheilkunde 12. Dezember 2012

Steuerabkommen mit der Schweiz: Freund oder Feind?

Das Abkommen wird aller Voraussicht nach mit 1. 1. 2013 in Kraft treten.

Heuer im April hat unser Ministerrat das umstrittene, gelobte, kritisierte, ersehnte, verdammte, erwünschte, gefürchtete - kurzum das vieldiskutierte Steuerabkommen mit der Schweiz beschlossen. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier.

Inhalt ist eine automatische Besteuerung von Geldern in der Schweiz.

Betroffen sind alle natürlichen Personen mit Wohnsitz in Österreich, die am 31.12.2010 und am 1.1.2013 ein Konto oder ein Depot bei einer Schweizer Bank hatten bzw. haben.

Ziel ist eine strafbefreiende anonyme Pauschalabgeltung sämtlicher Steuern auf Kapitalvermögen in der Schweiz zur Füllung der Österreichischen Staatskasse. Die automatische Besteuerung bezieht sich dabei sowohl auf den Kapitalstamm (Legalisierung von Schwarzgeld) als auch auf die laufenden Kapitalerträge.

So funktioniert´s

Beim Kapitalstamm:

Die Banken in der Schweiz berechnen für das bestehende Vermögen einen pauschalen Steuerbetrag (15 bis 30% je nach Entwicklung des Kapitalvermögens von 2003 bis 2010), behalten diesen ein und leiten ihn über die Schweizer Steuerverwaltung an die Österreichischen Behörden weiter. Damit ist die Steuerpflicht aller Steuertatbestände bis einschließlich 2012 abgegolten und es gilt Straf- befreiung. Der Bankkunde erhält eine namentliche Bestätigung, die als Nachweis der Legalisierung gegenüber der Österreichischen Finanz gilt.

Ab einer Vermögenshöhe von 2 Mio. Euro erhöht sich der Steuersatz schrittweise auf bis zu 38 Prozent (bei 8 Mio Euro).

Bei den laufenden Zinserträgen:

Ab 1. 1. 2013 werden sämtliche Steuern auf Kapitalerträge (25 Prozent) in der Schweiz eingehoben und an Österreich weitergeleitet.

Wenn das Geld fehlt:

Steuerpflichtige, die zwar Einmalzahlungen leisten wollen, aber nicht über einen ausreichenden Geldbetrag verfügen (ihr Vermögen ist in Wertpapieren angelegt), werden von der Bank aufgefordert, innerhalb einer gewissen Frist die Liquidität vorzuweisen. Gelingt dies nicht, wird die Person den österreichischen Behörden gemeldet.

Des einen Freund

Handelt es sich beim Kapitalstamm tatsächlich um „Schwarzgeld“, so kann die Abgeltung mit obigen Pauschalsätzen zu einer vergleichsweise günstigen Legalisierung führen. Je nach Höhe der steuerpflichtigen Gesamteinkünfte wäre im normalen Veranlagungsweg ein Steuersatz von immerhin bis zu 50 Prozent zur Anwendung gekommen. Handelt es sich zudem um umsatzsteuerpflichtige Einkünfte aus einer nichtärztlichen Tätigkeit, so kämen zudem nochmals 20 Prozent Umsatzsteuer dazu.

Dem gegenüber kann man bei der Pauschalregelung von bis zu maximal 30 Prozent bei Vermögensmassen bis zu 2 Millionen ja geradezu von einer Okkasion sprechen. Und das alles noch dazu vollkommen anonym!

Des anderen Feind

Stammt das Vermögen aus bereits versteuerten Geldern oder ist der Hinterziehungstatbestand bereits verjährt (10 Jahre) und wurden nur die laufenden Kapitalerträge nicht versteuert, so wird die neue „Schweizer Steuerautomatik“ in der Regel zu einer erheblichen Benachteiligung führen.

Warum das nicht so schlimm ist

Die Pauschalbesteuerung des gesamten Schweizer Bestandes kann verhindert werden, indem man von der Möglichkeit einer freiwilligen Meldung Gebrauch macht. Dazu muss die Schweizer Bank bis spätesten 31. Mai 2013 eine diesbezügliche Anweisung vom Bankkunden erhalten. Infolgedessen werden die Kontodaten an die Österreichische Finanz weitergeleitet. Dies kommt einer so genannten Selbstanzeige gleich. Der Steuerpflichtige wird dann aufgefordert diese Selbstanzeige zu vervollständigen und die tatsächlich geschuldete Steuer zu bezahlen.

Wem das alles nichts hilft

Haben die Schwarzgelder einen kriminellen Ursprung, so tritt auch nach dem neuen Schweizer Abkommen keine Legalisierung hinterzogener Abgaben ein.

Wer sonst noch weiterhin straffällig bleibt

All jene, die noch vor Inkrafttreten des Abkommens (1.1.2013) die Gelder aus der Schweiz abziehen und Konten & Co schließen, können sich den Neuerungen zwar entziehen, bleiben dafür aber weiterhin in der Illegalität. Die Schweiz hat sich in diesem Zusammenhang verpflichtet, die volumenreichsten Fluchtländer samt Anzahl der jeweils dorthin Geflüchteten bekannt zu geben.

Auch der Weg zurück nach Österreich führt nicht zu einer Sanierung der Altlasten, wohl aber zurück in die Steuerehrlichkeit in Hinblick auf die Besteuerung der laufenden Zinserträge ab dem Zeitpunkt des Rückzuges. Da in Österreich weiterhin das Bankgeheimnis gilt, bleibt bei einem Rückzug vor dem 1. 1. 2013 die Hoffnung, unentdeckt zu bleiben, bis die Sache verjährt ist. Diese Strategie der so genannten stillen Repatriierung bleibt somit bis zur endgültigen Verjährung sämtlicher Hinterziehungstatbestände mit Risiko behaftet.

Resümee

Falls Sie sich betroffen fühlen, empfehlen wir Ihnen, Ihren Steuerberater umgehend zu kontaktieren. Handlungsbedarf besteht vor allem dann, wenn gar kein Schwarzgeld im Spiel war bzw. bereits Verjährung eingetreten ist. In diesen Fällen kann die anonyme Steuerautomatik des Schweizer Abkommens zu groben und ungerechtfertigten Nachteilen für Sie führen. Da das Abkommen aller Voraussicht nach mit 1.1.2013 in Kraft treten wird, sollte bei Relevanz bereits jetzt eine Vergleichsrechnung zur Festsetzung der optimalen weiteren Vorgangsweise erstellt werden.

Korrespondenz: Team Jünger Steuerberater OG – Die Ärztespezialisten Anichstraße 5a 6020 Innsbruck Tel. +43 512/59859-0 Fax: +43 512/59859-25 oder -34 E-Mail: Internet: www.aerztekanzlei.at

Team Jünger, Innsbruck: Verena Maria Erian, Eva Messenlechner, Raimund Eller, 6/2012

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