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© Ivoclar Vivadent
Prim. Dr. Davor Seifert eröffnete und moderierte den Kongress in Zagreb, der von rund 1.200 Zahnärzten undZahntechnikern besucht wurde.
 
Zahnheilkunde 15. Dezember 2012

Eine Hochrisikozone im Mittelpunkt des Interesses

„Competence in Esthetics 2012“ in Zagreb: Das Fortbildungsevent fand erstmals in Kroatien statt.

Das vierte exzellente Dentalevent und zugleich der fünfte internationale Kongress der neuen Technologie fand vom 9. bis 10. November 2012 in Zusammenarbeit mit der kroatischen Zahnärztekammer statt.

Bei seiner Begrüßung der zahlreichen Besucher konkretisierte Gernot Schuller, Ivoclar Vivadent Österreich, die Ziele der „Competence in Esthetics“-Symposien: Es gilt, die neuesten wissenschaftlichen und klinischen Daten in den Bereichen Vollkeramik plus Implantatästhetik – hier kam der strategische Partner Straumann zur Sprache – und auch direkter Ästhetischer Lösungen zu beleuchten. „Wir genießen heute Weltruf, basierend auf unseren Produkten, unseren Veranstaltungen und der Expertise von weltbekannten Referenten, die wir teilen und verwerten“, so Schuller.

Oft ein Balanceakt

Der Kongress ging sodann in medias res: Prof. Vlatko Panduric, HR, berichtete über „Die tägliche Praxis und ästhetische Restaurationen“ in seiner Heimat und den angrenzenden Staaten. Im Praxisalltag ist es jeweils ein Balanceakt, den Spagat zwischen der besten ästhetischen Lösung und dem finanziell möglichen Rahmen zu schaffen, wobei klinische Fragestellungen in der Frontalregion die größte Herausforderung darstellen. Composite Restaurationen nehmen breiten Raum in der Praxis ein, jetzt auch mit Bulky Fill Material.

„Treatment planning“ war das nächste Thema, vorgetragen von Dr. Gary Unterbrink und Dr. David Winkler, UK. Die beiden starteten ihre Doppelconference mit dem Zitat: „If you fail to plan, you plan to fail.“ (Harvey Mackay), um fortzufahren: Die ästhetische Teamwork Triade besteht aus dem Patienten, dem Zahnarzt/Dentalhygieniker und dem Techniker. „Wir leben im Informationszeitalter“, setzte der Experte fort und wies auf informierte Patienten und auf die ethische Komponente jeder ärztlichen Therapie hin. „Wir behandeln nicht einen Einzelzahn!“ Fortbildungsveranstaltungen für Zahnärzte umfassen überdies zu 80 Prozent Behandlungsmethoden für Patienten ohne finanzielle Limits. Es ist daher eine unbedingte Voraussetzung jeder Behandlung, die klinische Lage zu erfassen, einen Behandlungsvorschlag zu erarbeiten und zu einem informierten Einverständnis des Patienten zu kommen. Evolution der Keramikwerkstoffe - Patientenrevolution, subsumierte der Vortragende. Der Patient sollte in seiner Individualität erfasst und ebenso individuell gestaltet werden. Komposite haben viele Vorteile, sie sollten allerdings kombiniert mit traditionellen Methoden zum Einsatz kommen. „Buying an adhesive should not delete all from your brain files!“ rundeten die beiden Experten ihren zynisch-würzigen Vortrag ab.

Thema Knochenregeneration

„Guided bone regeneration. Factor for Success?“, fragte sich Prof. Nikolaos Donos, UK. Die Regeneration von Knochen ist ein wichtiges Thema in der Implantologie. Faktoren, welche das Angehen einer Knochenregeneration beeinflussen, sind der Typ des Defekts und die Aufrechterhaltung der Lücke. Gute Resultate sind, wie die aktuelle Datenlage zeigt, mit autologem Knochen zu erzielen, wobei Guided Bone Regeneration (GBR) und Block-Grafting im Hinblick auf das Erhalten der Lücke gute Hilfsmethoden sind.

Auch Kreativität ist gefragt

„The IPS e.max experience - general overview and latest developments“ war das Thema von Oliver Brix, DE: Das Behandlungsziel muss sein, den Patienten mit einer möglichst ästhetischen Restauration zu versorgen; auf dem Weg dorthin gibt es allerdings nicht wenig Probleme. Zu beachten ist, dass es in der Zahnmedizin keine Stereotypien und keine geraden Linien gibt. Kreativität ist gefragt, basierend auf einem Verständnis des natürlichen Codes. Faktoren wie Material und Team müssen zusammenspielen, wobei der Patient ein Teil des Teams ist. „Zum ersten Mal in meinem Leben darf ich sagen: Aus Sicht der Dentalmaterialien haben wir alle Möglichkeiten.“ Farben und Formen – wir müssen hinter die Kulissen schauen. Um dem Team die klinische Situation nahe zu bringen, empfiehlt es sich, den Patienten im Gespräch zu filmen und zu fotografieren. Nur so kann ein natürliches Lächeln beobachtet werden.

Elegant statt durchschnittlich

„Ultimate communication between the dentist/ceramist/patient and the team in minimally invasive dentistry“ hieß der Vortrag von Dr. Galip Gürel, TR. Wir unterscheiden Mikro- und Makro-Ästhetik; erstere befasst sich mit der ästhetischen dentalen Lösung und deren Qualität, zweitere mit dem Lächeln des Patienten. Es gibt einen Unterschied, so Gürel, zwischen eleganter und durchschnittlicher Ästhetik. Jede ästhetische Lösung ist Resultat eines Teamworks – wie aber bringt man die Glieder des Teams zusammen? Die Kommunikation in der ästhetischen Zahnheilkunde läuft über Bilder; daher sollte sich jeder, der sich mit dem Gedanken trägt, in diese Disziplin einzusteigen, eine Kamera zulegen. Der Patient wird aus verschiedenen Blickwinkeln fotografiert. Bei Teamsitzungen werden die Patientenfälle mit den Bildern vorgestellt. Videos bringen Zusatzinformationen. Neben offline- Behandlungssitzungen kann der Einzelne sich auch in Online- Diskussionsforen einbringen.

Mit den beiden Vorträgen „Optimizing pink esthetics with implant reconstructions“, Dr. Christian Vorster, ZA, und „The smile shouldn’t be the secret! Just e.max!“ Dr. Petr Hajný, CZ und Robert Zubak, SK, schloss der erste Kongresstag, der den Teilnehmern am Veranstaltungsort später ein entspannendes Come-Together ermöglichte: Bei Buffet und Freigetränken lauschten die Dentalexperten den „Soulfingers“ bei ihrer mitreißenden Live-Performance.

Präsentation klinischer Fallbeispiele

Einen angenehmen Start in den zweiten Symposiumstag ermöglichten drei interessante klinische Fälle, wbei sich das Gastgeberland und seine Nachbarländer präsentierten: „Possibilities of porcelain in contemporary prostethics“ (Dr. Jordan Stojanoski, MK), „The advantages of zirconium oxide ceramic“ (Dr. Muhamed Ajanovic, BA), „Esthetic veneers - fifteen years later“ (Prof. Dr. Ljubo Marion, SI). Rob Lynnock und Dr. James Russell, UK, präsentierten „A clinical and technical perspective on contemporary all-ceramic esthetics“.

Lupenbrille für die adäquate Versorgung

Ein Glanzlicht der Tagung war der Vortrag von Prof. Nitzhan Bichacho D. M. D., IL, „Prostetic solutions for functional and esthetic challenges – state of the art“. Bichacho spannte einen historischen Bogen vom Jahr 1997, dem ersten Vollkeramik-Zahnbogen aus Zirkonoxid, zum Jahr 2006, dem ersten Patienten, der mit IPS e.max behandelt wurde. „Wir müssen das richtige Material auswählen“, so der Experte. Zudem empfiehlt er, sechs- bis siebenfache Vergrößerungsgläser zu tragen, um der Herausforderung einer ästhetischen Versorgung adäquat zu begegnen.

Die „APT Technique“, publiziert von Galip Gürel, fand Erwähnung, ebenso das „Digital Smile Concept“ von Coachman und Calamita. Bei einer Patientenversorgung, die mehrere Zähne umfasst, können verschiedene Materialien zur Anwendung kommen, in Abhängigkeit von funktionellen und ästhetischen Kriterien.

Auch auf Implantate kam Bichacho zu sprechen: Wie viel Knochenvolumen haben wir? Sofort- oder verzögerte Platzierung der Krone? Wie erhalten wir das Gewebe? Diese Fragen beschäftigen alle jene, die sich mit ästhetischen Lösungen, basierend auf Implantaten, befassen. Auch die Frage der Zementierung ist nicht pauschal zu beantworten. Probleme, wie unentdeckter subgingivaler Zement, harren, so Bichacho einer probaten Lösung.

Ästhetische Wunder

„Die Struktur von Zahnschmelz wird bislang von keinem künstlich hergestellten Material erreicht“, eröffnete Prof. Antonio Cerrutti, IT, seinen Vortrag „Excellence and new perspectives in esthetic composite restoration“. Und: „Unsere Patienten sind umgeben von lächelnden Hollywood-Schauspielern und Werbegesichtern – und sie erwarten von uns wahre Wunder.“ Er berichtete über Zahnfrakturen, bei deren Behandlung es überaus wichtig ist, die Natur perfekt zu imitieren. Hier kommt vorzugsweise IPS Empress Direct zur Anwendung. Wichtig ist hier auch die Entscheidung: Ist eine endodontische Therapie erforderlich? In anderen Fällen benötigt der Patient gegebenenfalls eine kieferorthopädische Therapie. Für einen Patienten mit multiplen Diastemata brauchen wir Zahnärzte, so Cerrutti, „lots of time and lots of skill“.

Der folgende Vortrag „Metal-ceramics: An ever reliable classic solution“ (Michele Temperani, IT), beleuchtete die Frage aus der Sicht der Dentaltechnik: Metallkeramik ist auch heute noch eine gute Therapieoption. Temperanis Fazit: Das ideale Material gibt es nicht, jedoch ideale Lösungen.

Eine Zone der höchsten Herausforderung

Mit dem Vortrag „Contemporary augmentation procedures and Straumann Bone Level implants as a prerequisite for the long-term success in the esthetic zone“ schloss Prof. Aleksa Markovic, RS, das diesjährige Symposium „Competence in Esthetics“ und fasste zusammen: „Die ästhetische Zone ist eine exzellente Zone in vielerlei Hinsicht. Es handelt sich um eine Hochrisikozone, um eine Zone der höchsten Herausforderung.“ Um eine ästhetische Lösung erfolgreich zu platzieren, bedarf es einer exakten Planung und Durchführung.

Viele Anregungen für die tägliche Praxis

Mit der Verleihung der „Best Poster“ Awards und einer Verabschiedung klang der Kongress aus. Die rund 1.200 Teilnehmer konnten viele Informationen und Anregungen für ihre tägliche Praxis mitnehmen. Auf die folgenden Veranstaltungen in dieser Reihe darf man gespannt sein. „Competence in Esthetics 2013“ findet übrigens am 15. und 16. November in Wien statt.

Detaillierte Informationen zur Veranstaltung: www.ivoclarvivadent.com/cie2012

R. Höhl, Zahnarzt 12/2012

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