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Die Mitglieder der Arbeitsgruppe bei der Europerio im Juni 2012 in Wien, von links: Marco Esposito (UK), Hom-Lay Wang (USA), Thomas E. Van Dyke (USA), Andrea Mombelli (CH), Daniel van Steenberghe (BE), Arie Jan van Winkelhoff (NL), Björn Klinge (SE) and E
 
Zahnheilkunde 3. September 2012

Das Implantat gut vor- und nachbereiten

Eine Expertenarbeitsgruppe erstellte auf Grundlage der aktuellen Studiendatenlage einen Konsens über das Phänomen des randständigen Knochenverlusts.

Das Projekt zu diesem brisanten Thema wurde zwar von Nobel Biocare unterstützt – aber nicht beeinflusst, wie der ‹Leiter der Arbeitsgruppe, Prof. Daniel von Steenberghe, Prof. em. der Katholischen Universität Leuven, in Belgien, bei der Präsentation des Konsenses anlässlich der EUROPERIO 7 vom 6. bis 9. Juni 2012 in Wien betonte.

Das Problem ergibt sich aus den rasanten Fortschritten der Implantologie: Millionen Menschen weltweit haben ein oder mehrere Zahnimplantate und tragen diese auch über lange Zeiträume. Damit steht die Haltbarkeit der Implantation zunehmend auf dem Prüfstand. Die zwei wesentlichsten Erkenntnisse: Das Problem des randständigen Knochenverlusts ist nicht unlösbar und es variiert je nach Risikofaktoren.

Zwei Gruppen von Ursachen

Jeder Patient muss daher individuell und umfassend behandelt werden - mit entsprechender Vorbereitung und Langzeitnachbetreuung. „Die Erhaltung des randständigen Knochens um die Implantate ist ein signifikanter Bestandteil der Behandlung, um die Lebensdauer des Implantats und die Dauerhaftigkeit der Implantation zu gewährleisten“, stellte Steenberghe fest. Fortschreitender Knochenverlust führt zu ungenügender Verankerung, erheblichen Infektionen und schließlich zum Verlust des Implantats. Die Gruppe identifizierte eine Reihe von möglichen Gründen für den Verlust des randständigen Knochens, die in zwei Gruppen eingeteilt werden können: Jene, die zeitnahe nach der Implantation zum Tragen kommen, und jene, die erst in einem teilweise viel späteren Stadium auftreten. Zu jenen, die Einfluss auf das Ergebnis kurz nach der Implantation haben, zählt erwiesenermaßen das Operationstrauma. Um dies zu verhindern, sollte der Knochen wie lebendes Gewebe behandelt werden. Andere Gründe für die Knochenrückbildung seien weniger gut dokumentiert, so Steenberghe, der drei Beispiele nannte: Werden Implantate in den Kieferknochen mit sehr eingeschränktem Knochenvolumen platziert, kommt es oft zu Dehiszenzen, die zur Resorption des nahegelegenen Knochens führt. Ebenso können subgingivale Zementreste generell zu einer substantiellen Knochenresoprtion führen, auch wenn dies nur selten dokumentiert wird. Schließlich kann eine zu tiefe Einpflanzung ebenfalls den Verlust von randständigem Knochen auslösen.

Überlastung der Kauflächen

Im späteren Stadium, das von mehreren Wochen bis Monaten nach der Implantation reichen kann, wurde eine Überlastung der Kauflächen als möglicher Grund für einen Verlust an randständigem Knochen erkannt. Anpassungen der Kauflächen oder andere biomechanische Interventionen werden in diesem Fall benötigt, um den Knochen zu stabilisieren. Die derzeit zu beobachtende Neigung zu einer optimierten ästhetischen oder sogar kosmetischen Korrektur führt manchmal zur wiederholten Entfernung des Abutments. Diese Störungen des verbindenden Gewebeschlusses können ebenfalls zum Knochenverlust führen, berichtete Steenberghe. Ähnliches treffe auf nicht ausreichende biologische Breite zu. Die Kolonisierung der Implantatoberfläche wurde mit chronischer Entzündung des umgebenden Gewebes und in der Folge mit Knochenverlust in Verbindung gebracht. Eine angemessene Mundhygiene ist in diesen Fällen die geeignete Gegenmaßnahme. Korrosion an der Implantat- oder Abutment-Oberfläche sei zwar, so Steenberghe, selten dokumentiert, bleibt aber eine weitere mögliche Ursache für Knochenresorption.

Als Schlussfolgerung empfiehlt die Arbeitsgruppe „Treatment Options for the maintenance of marginal bone around endosseous oral implants“ einen umfassenden multidiziplinären Behandlungsplan, der die Sanierung des gesamten Mund-Rachen-Raums umfasst.

Rauchen verschlechtert die Prognose

Vor einem Implantationseingriff müssen sowohl die Rauchgewohnheiten als auch andere parafunktionale Gewohnheiten behandelt werden. Rauchen beeinflusst die Rate der Periimplantitis dramatisch: Eine neuere Studie zeigt, dass die Häufigkeit einer Periimplantitis bei Rauchern mit einer Periodontitis in der Anamnese auf Patientenebene mehr als 50 Prozent betrug, verglichen mit weniger als drei Prozent bei Nichtrauchern. In der Langzeitperspektive sollte zur Erhaltung des randständigen Knochens die Mundhygiene kontrolliert werden – speziell bei Patienten, die für Entzündungen im Mundraum anfällig sind. Welchen Stellenwert die Oberfläche der Implantate selbst in der Entwicklung des randständigen Knochen hat, ist derzeit noch nicht gültig durch Studien geklärt. „Eine umfassende Patientenbetreuung muss sowohl Präventivmaßnahmen als auch Maßnahmen für eine gute Implantaterhaltung beinhalten“, unterstrich Steenberghe abschließend. Darüber hinaus werden einheitliche Ausgangswerte und Methoden in klinischen Studien benötigt, um eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu ermöglichen.

Quelle: Pressegespräch Nobel Biocare Juni 2012, Wien, und Pressestatement Prof. Dr. Daniel van Steenberghe

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