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Abb. 2: Virtuelle Implantatplanungim Programm „Impla 3D Implantatnavigation“ (Schütz Dental) nach Export der DVT Daten.

Abb.1: Nichtanlage 12, 22. Zustand nach kieferorthopädischer Lücken- öffnung. Sehr begrenzte Platzver- hältnisse mit Gefahr der Verletzung der Nachbarzähne durch die Implantatbohrung.

Abb. 3: Auch transversal hilft die Planungssoftware den mangelnden Knochen exakt auszunutzen.

© psdesign1 / fotolia.com
 
Zahnheilkunde 13. September 2012

Gemeinschaftstagung der ÖGI, SGI und DGI in Bern

Die schnelle technologische und besonders digitale Entwicklung in der Implantologie wirft die Frage nach der richtigen Therapieentscheidung immer wieder neu auf.

Vom 29. November bis 1. Dezember 2012 diskutiert die Österreichische Gesellschaft für Implantologie (ÖGI) auf ihrer Jahrestagung gemeinsam mit ihren beiden Nachbargesellschaften aus der Schweiz und aus Deutschland „brisante“ Zukunftsfragen, wie es viel versprechend in der Ankündigung heißt (siehe Kasten). Bereits Ende Juni stellten sich auf dem Symposium der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) unter der Leitung ihres Präsidenten Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden namhafte Referenten dem Thema „Update digitale Implantologie“.

Die Teilnehmer des Symposiums der DGI wurden mit dem Vergleich begrüßt, dass der Alltag längst in so vielen Dingen digital unterstützt wird – beispielsweise beim Autofahren. Welche vergleichbaren Anwendungen haben sich in der Implantologie mittlerweile durchgesetzt?

Terheyden: Digitalisierung bedeutet auch, dass Dinge objektivierbar und messbar werden, unabhängiger von persönlichen Einschätzungen. Darin liegt ein unzweifelhafter Vorteil dieser Technologien. So kann beispielsweise die Zahnfarbe sehr genau gemessen, die Positionierung eines Implantates messbar geplant werden (siehe Fallbeispiel, Abb. 1 bis 6). Gleichwohl muss man betonen, dass die Entwicklung insgesamt noch sehr im Fluss ist. Die Digitalisierung klopft an die Tür der zahnärztlich-implantologischen Praxis. In manchen Praxen und vor allem in den Laboratorien der Zahntechniker gehört sie bereits zum Alltag – zumindest in bestimmten Bereichen. Ich bin auch davon überzeugt, dass sich die digitalen Verfahren langfristig durchsetzen werden. Geht es um die Gegenwart, ließe sich als Beispiel anführen, dass sich bereits in der Diagnostik die digitale Volumentomographie (DVT) bei ganz bestimmten Fragestellungen, die auch schon in Leitlinien definiert sind (siehe Seite 23), durchgesetzt hat. Doch auf breiter Front hängt es sicherlich noch von der Affinität des Praxisinhabers ab, welche Techniken er zurzeit verwendet.

Im Grußwort zum Kongress wurde gefragt: „Können wir so weitermachen wie bislang?“ Wie lautet Ihre Einschätzung dazu?

Terheyden: Die Frage ist: Wie lange noch kann man so weitermachen wie bislang? Konkret: Wann sind die einzelnen Verfahren reif für den breiten Einsatz? Dies ist keine einfache Frage und die Antwort lautet auch nicht für alle Verfahren gleich. Doch wie uns Prof. Daniel Wismeijer von der ACTA-Universitätsklinik in Amsterdam, Niederlande, eindrucksvoll präsentiert hat, hält die Digitalisierung bereits Einzug in die studentische Ausbildung. Den Studierenden wird entlang des implantologischen Workflows vermittelt, wo und wie die digitalen Verfahren eingesetzt werden können. Dies lässt vermuten, dass die nächste Generation der Zahnärzte die digitalen Verfahren als Tatsache und Selbstverständlichkeit in ihre Praxis integrieren wird.

Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass auch in der Entwicklung der einzelnen Techniken noch viel Bewegung ist, was deren Akzeptanz sicherlich noch beeinflussen wird. Prof. Wismeijer hat mahnend gesagt, dass die digitalen Techniken großenteils noch Insellösungen sind und die Schnittstellen der Datenübergabe zwischen den Inseln noch ungeklärt sind. In diesem Zusammenhang merkte der in Besigheim, Deutschland, niedergelassene Referent Dr. Elmar Frank an: Die Datenhoheit sollte in der Zahnarztpraxis bleiben und Lösungen mit Onlineübertragungen in die „Cloud“ seien für den Zahnarzt grundsätzlich nicht wünschenswert.

Welcher Vortrag war für Sie selbst unter diesem Aspekt am spannendsten?

Terheyden: Wir hatten das Programm ganz bewusst so konzipiert, dass ausgewiesene Experten in verschiedenen Bereichen des implantologischen Workflows – von der Ausgangsplanung bis zur Nachschau – ausreichend Zeit hatten, um uns einen Überblick über den jeweiligen Bereich zu geben. Einen einzelnen Vortrag besonders herauszuheben, wäre nicht gerecht. Alle Referenten haben betont, dass die Schnittstellen-Problematik noch nicht gelöst ist. Beispielsweise hat Dr. Frank mit seinem Vortrag demonstriert, dass man zurzeit willens und in der Lage sein muss, selbst die eine oder andere Lösung programmierend zu entwickeln, wenn man eine durchdigitalisierte Praxis haben möchte. Dies macht deutlich, dass solche Konzepte derzeit nur eine Lösung für entsprechend technikaffine Kollegen sind. PD Dr. Ronald E. Jung von der Universität Zürich hat uns mit seinem sehr schönen didaktischen Konzept klar gemacht, dass im Wettrennen zwischen den digitalen und den analogen Verfahren zurzeit beide Verfahren – was Zeitaufwand und Zahl der Arbeitsschritte betrifft – noch gleichauf liegen. Er hat aber auch betont, dass sich dies ändern dürfte und die digitalen Verfahren dann sicherlich vorne liegen werden. Spannend war außerdem der Ausblick von PD Dr. Dr. Timo Dreiseidler, Universität Köln, auf das Facial Scanning. Dies wird uns in Zukunft eine bessere Vorhersage der Asuwirkungen implantologischer Maßnahmen auf die Gesichtsweichteile erlauben.

Welche Informationen vom Symposium waren aus Ihrer Sicht darüber hinaus für die Praxisinhaber unter den Besuchern besonders nützlich?

Terheyden: PD Dr. Florian Beuer von der Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München hat die digitale Abformung durch intraorale Scans beleuchtet und kommt bei seiner Analyse zum Schluss, dass wir mit diesen nicht schlechter sind als mit dem analogen Verfahren. Angesichts der klinischen Überlebensrate keramischer Inlays sprach er daher von einem echten Nutzen, wenn man in office arbeitet. Der Vortrag von PD Dr. Ralf Schulze von der Röntgenabteilung der Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten der Universität Mainz hat deutlich gemacht, dass man beim Einsatz des DVT nie die Realität sieht, sondern nur das, was gerechnet wird. Zwar sind wir alle überzeugt, dass die DVT in der Zukunft weiter an Bedeutung gewinnt.

Aber man soll sie angesichts der deutlich höheren Strahlendosis im Vergleich zu den etablierten 2-D-Verfahren nur bei einer wissenschaftlich gerechtfertigten Indikation einsetzen. Hier kann die neue Leitlinie der DGI sehr hilfreich sein (siehe Seite 23).

Was bringen neue digitale Techniken für die Patienten?

Terheyden: Sicherlich werden die Patienten davon profitieren, dass mit der Digitalisierung die Messbarkeit der Ergebnisse einhergeht. Dies bedeutet: Die Fehlertoleranzen werden geringer. Auch ist die abdruckfreie Bissnahme angenehmer als das konventionelle Vorgehen. Durch digitales Setup kann der Informationsgrad des Patienten und möglicherweise die Zufriedenheit steigen. Und nicht zuletzt wird der Einsatz digitaler Verfahren auch zu kostengünstigeren Lösungen führen.

 

Welche Innovationen würden Sie als „nett, dass es das gibt“ einstufen und was schon annähernd als „Muss“?

Terheyden: Um es kurz zu machen: Zurzeit lässt sich über alle Verfahren, die wir auf dem Symposium gesehen haben, sagen, dass es „nett ist, dass es sie gibt“. Von einem „Muss“ ist derzeit sicherlich noch nicht die Rede, obgleich dies - zumindest was einzelne Techniken betrifft - auch von der individuellen Ausrichtung einer Praxis abhängt.

Welche Rückmeldungen haben Sie während und nach der Veranstaltung von den Teilnehmern des DGI-Symposiums erhalten?

Terheyden: Wir haben uns sehr gefreut, dass wir mit unserem Thema nicht nur die besten Referenten aus dem In- und Ausland, sondern auch rund 150 Teilnehmer versammeln konnten. Ich habe durchweg nur positive Rückmeldung zur Qualität des Symposiums bekommen. Viele haben gesagt, dass diese Veranstaltung dem Praktiker die Orientierung in diesem nicht gerade übersichtlichen Gebiet erleichtert hat.

Vom 29. November bis 1. Dezember 2012 findet in Bern die Gemeinschaftstagung der Österreichischen, Schweizerischen und Deutschen Gesellschaften für Implantologie statt. Warum sollte man diesen Kongress nicht versäumen?

Terheyden:: Die Implantologie ist zu einem Querschnittsfach in der modernen Zahnheilkunde geworden, das sich mit großem Tempo entwickelt. Einmal im Jahr sollte möglichst jedes DGI-, ÖGI- und SGI-Mitglied frisches Wissen auftanken und die Möglichkeit zum kollegialen Austausch nutzen. Ich freue mich zusammen mit den österreichischen Kollegen der ÖGI ganz besonders auf das vorweihnachtliche Bern und bedanke mich bei den Schweizer Kollegen von der SGI für ihr großes Engagement bei der Vorbereitung dieses hochattraktiven Dreiländerkongresses.

Das Gespräch führte Dr. Gisela Peters

Der Implantologenkongress wird vom 29.11. bis 1.12.2012 in der Schweiz statt finden. Provokant haben die drei Gesellschaften die Themen in diesen drei Frageblöcken unter die Überschrift „Back to the roots“ gestellt:

„Wie viel ist ein Zahn noch wert?“

„Wie viele Risiken können wir eingehen?“

„Was bringt die Zukunft?“

41 Referenten sind eingeladen, dazu stehen wissenschaftliche Kurzreferate des implantologischen Nachwuchses, Fokus-Sessions und fünf Workshops am Programm.

Der Eröffnungsabend im Kornkeller und ein Galadinner mit Kabarett im festlich geschmückten Kursaal laden zum entspannten Austausch mit Kollegen ein. In den Vortragspausen gibt die „Implant Expo“ die Gelegenheit, sich bei den Herstellern über Neues und Bewährtes zu informieren und mit den Standexperten zu diskutieren.

Anmeldung zur Tagung: Tel: 0041 31 382 20 10 oder per E-Mail: oder online über das Kontaktformular auf der SGI-SSIO-Webseite: www.sgi-ssio.ch/kongress2012

entsprechend technikaffine Kollegen sind. PD Dr. Ronald E. Jung von der Universität Zürich hat uns mit seinem sehr schönen didaktischen Konzept klar gemacht, dass im Wettrennen zwischen den digitalen und den analogen Verfahren zurzeit beide Verfahren – was Zeitaufwand und Zahl der Arbeitsschritte betrifft – noch gleichauf liegen. Er hat aber auch betont, dass sich dies ändern dürfte und die digitalen Verfahren dann sicherlich vorne liegen werden. Spannend war außerdem der Ausblick von PD Dr. Dr. Timo Dreiseidler, Universität Köln, auf das Facial Scanning. Dies wird uns in Zukunft eine bessere Vorhersage der Asuwirkungen implantologischer Maßnahmen auf die Gesichtsweichteile erlauben.

Welche Informationen vom Symposium waren aus Ihrer Sicht darüber hinaus für die Praxisinhaber unter den Besuchern besonders nützlich?

Terheyden: PD Dr. Florian Beuer von der Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München hat die digitale Abformung durch intraorale Scans beleuchtet und kommt bei seiner Analyse zum Schluss, dass wir mit diesen nicht schlechter sind als mit dem analogen Verfahren. Angesichts der klinischen Überlebensrate keramischer Inlays sprach er daher von einem echten Nutzen, wenn man in office arbeitet. Der Vortrag von PD Dr. Ralf Schulze von der Röntgenabteilung der Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten der Universität Mainz hat deutlich gemacht, dass man beim Einsatz des DVT nie die Realität sieht, sondern nur das, was gerechnet wird. Zwar sind wir alle überzeugt, dass die DVT in der Zukunft weiter an Bedeutung gewinnt.

Aber man soll sie angesichts der deutlich höheren Strahlendosis im Vergleich zu den etablierten 2-D-Verfahren nur bei einer wissenschaftlich gerechtfertigten Indikation einsetzen. Hier kann die neue Leitlinie der DGI sehr hilfreich sein (siehe Seite 23).

Was bringen neue digitale Techniken für die Patienten?

Terheyden: Sicherlich werden die Patienten davon profitieren, dass mit der Digitalisierung die Messbarkeit der Ergebnisse einhergeht. Dies bedeutet: Die Fehlertoleranzen werden geringer. Auch ist die abdruckfreie Bissnahme angenehmer als das konventionelle Vorgehen. Durch digitales Setup kann der Informationsgrad des Patienten und möglicherweise die Zufriedenheit steigen. Und nicht zuletzt wird der Einsatz digitaler Verfahren auch zu kostengünstigeren Lösungen führen.

 

Welche Innovationen würden Sie als „nett, dass es das gibt“ einstufen und was schon annähernd als „Muss“?

Terheyden: Um es kurz zu machen: Zurzeit lässt sich über alle Verfahren, die wir auf dem Symposium gesehen haben, sagen, dass es „nett ist, dass es sie gibt“. Von einem „Muss“ ist derzeit sicherlich noch nicht die Rede, obgleich dies - zumindest was einzelne Techniken betrifft - auch von der individuellen Ausrichtung einer Praxis abhängt.

Welche Rückmeldungen haben Sie während und nach der Veranstaltung von den Teilnehmern des DGI-Symposiums erhalten?

Terheyden: Wir haben uns sehr gefreut, dass wir mit unserem Thema nicht nur die besten Referenten aus dem In- und Ausland, sondern auch rund 150 Teilnehmer versammeln konnten. Ich habe durchweg nur positive Rückmeldung zur Qualität des Symposiums bekommen. Viele haben gesagt, dass diese Veranstaltung dem Praktiker die Orientierung in diesem nicht gerade übersichtlichen Gebiet erleichtert hat.

Vom 29. November bis 1. Dezember 2012 findet in Bern die Gemeinschaftstagung der Österreichischen, Schweizerischen und Deutschen Gesellschaften für Implantologie statt. Warum sollte man diesen Kongress nicht versäumen?

Terheyden:: Die Implantologie ist zu einem Querschnittsfach in der modernen Zahnheilkunde geworden, das sich mit großem Tempo entwickelt. Einmal im Jahr sollte möglichst jedes DGI-, ÖGI- und SGI-Mitglied frisches Wissen auftanken und die Möglichkeit zum kollegialen Austausch nutzen. Ich freue mich zusammen mit den österreichischen Kollegen der ÖGI ganz besonders auf das vorweihnachtliche Bern und bedanke mich bei den Schweizer Kollegen von der SGI für ihr großes Engagement bei der Vorbereitung dieses hochattraktiven Dreiländerkongresses.

Das Gespräch führte Dr. Gisela Peters

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