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Foto: PhotoDisc
PsychologInnen evaluieren das EEG bei Zahnbehandlungen.
 
Zahnheilkunde 3. Juni 2009

Angst vor dem Bohrer?

Die Uni Graz sucht Teilnehmerinnen bis 45 Jahre für eine Studie zur Zahnbehandlungsphobie.

Nach den Spinnen nehmen PsychologInnen der Karl-Franzens-Universität Graz nun die ZahnärztInnen ins Visier – oder besser gesagt: die Angst vor ihnen. An der klinisch-psychologischen und psychotherapeutischen Lehr- und Forschungsambulanz „PsyAmb“ soll demnächst eine Untersuchung zur Zahnbehandlungsphobie Licht ins Dunkel jener Vorgänge bringen, die sich dabei im Gehirn abspielen.

 

Das Projektteam unter der Leitung von Prof. Dr. Anne Schienle sucht für die Studie noch Frauen im Alter zwischen 18 und 45 Jahren, die an einer solchen Phobie leiden, sowie für die Kontrollgruppe Teilnehmerinnen gleichen Alters ohne Angst vor dem Zahnarzt oder der Zahnärztin.

„Erhebungen zufolge leiden drei bis fünf Prozent der Bevölkerung im deutschsprachigen Raum unter einer Zahnbehandlungsphobie“, berichtet Mag. Verena Leutgeb, die für die Durchführung der aktuellen Studie an der PsyAmb verantwortlich ist. Wobei eine Phobie mehr umfasse als „nur“ Angst oder ein mulmiges Gefühl vor und während einer Zahnbehandlung. „Schätzungen gehen davon aus, dass nur etwa 30 Prozent der Menschen hierzulande vor ei-nem Zahnarzttermin völlig gelassen bleiben“, so die Psychologin. Schwitzen, Zittern, Herzrasen, begleitet von panischer Angst, lassen PhobikerInnen die gefürchtete Situation meiden oder nur unter größter Überwindung bewältigen. „In Extremfällen neh-men Betroffene sogar Zahnschmerzen als das geringere Übel in Kauf“, weiß Leutgeb.

Gehirnaktivität bei Angst

Ziel der Untersuchung an der PsyAmb in Graz ist es, festzustellen, welche Reaktionen bestimmte Reize bei Personen mit einer Zahnbehandlungsphobie im Gehirn erzeugen und wie sich ihre Gehirnaktivierungsmuster von jenen ohne Angst am Behandlungsstuhl unterscheiden. In weiterer Folge lasse sich überprüfen, wie sie sich durch Therapien verändern, so Leutgeb. „Anhand der Ergebnisse können dann Behandlungsmöglichkeiten dementsprechend verbessert werden.“

Die Studie konzentriert sich vorerst auf erwachsene Frauen bis 45 Jahre. Die Probandinnen müssen Rechtshänderinnen sein und dürfen weder an schweren Erkrankungen leiden noch regelmäßig Medikamente einnehmen.

Die Teilnahme an der Untersuchung umfasst zwei Termine zu je 90 Minuten. Beim ersten Mal wird in einem Interview und mithilfe eines Fragebogens abgeklärt, ob alle Kriterien für die Teilnahme erfüllt sind, sowie eine Diagnostik erstellt. Beim zweiten Termin werden den Probandinnen verschiedene Bilder gezeigt, während ein Elektroenzephalogramm (EEG) dabei ihre Gehirnaktivierung aufzeichnet. Die Messung ist schmerzfrei und ungefährlich. Neben einer detaillierten Diagnose erhalten alle Studienteilnehmerinnen ausführliche Informationen über effektive Behandlungsmöglichkeiten einer Zahnbehandlungsphobie. „Auf Wunsch vermitteln wir die Betroffenen auch an qualifizierte TherapeutInnen“, informiert Leutgeb. Alle gewonnenen Daten unterliegen der Schweigepflicht und werden vertraulich behandelt.

 

Weitere Informationen zur Teilnahme an der Studie und Kontakt:

Mag. Verena Leutgeb

Institut für Psychologie der Karl-Franzens-Universität Graz

Arbeitsbereich für Klinische Psycho- logie und Gesundheitspsychologie

Tel: 0699/11432941

E-Mail:

www.uni-graz.at

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