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Zahnheilkunde 1. August 2012

Wurzelkanalbehandlung versus Implantat

Zahnerhalt oder Zahnersatz, das ist hier die Frage.

Jahr für Jahr stehen tausende Patienten vor der Qual der Wahl: Sollen sie die natürlichen Zähne retten und eine Wurzelkanalbehandlung durchführen lassen oder soll der Zahn entfernt und durch einen künstlichen Zahn ersetzt werden? Die European Society of Endodontology (ESE) rät jetzt: Handeln Sie nicht vorschnell und bedenken Sie auch die Langzeitauswirkungen! Oft werden Zähne, die durch eine Wurzelkanalbehandlung gerettet werden könnten, einfach durch ein Implantat ersetzt. Zwar hätten beide Behandlungsmethoden ihre Vorteile, im Zweifel sei es jedoch immer ratsam, die Rettung des natürlichen Zahns dem künstlichen Ersatz vorzuziehen.

Millionen Zähne werden unnötig gezogen

Noch immer werden in Europa Millionen Zähne gezogen. Unnötig, denn in sehr vielen Fällen könnten Wurzelkanalbehandlungen diese Zähne retten. In erster Linie sollten Implantate als Ersatz für bereits fehlende Zähne und nicht als Alternative zum natürlichen Zahn gesehen werden. Daher sollte die Frage nicht "natürlicher versus künstlicher Zahn" lauten, sondern viel mehr "zahnlos versus Implantat".

Eine qualitativ hochwertige Wurzelkanalbehandlung kann den Zahn bei guter Mundhygiene und anschließend adäquater Versorgung ein Leben lang erhalten. Auch wenn Implantate zweifellos eine gute Lösung für fehlende Zähne darstellen, ist diese Methode nicht unbedingt erfolgreicher als Wurzelkanalfüllungen in natürlichen Zähnen. Allerdings stehen bei Implantaten kontinuierliche Nachsorge und Folgekosten, um deren Erhalt zu gewährleisten, an der Tagesordnung. Es liegt auf der Hand, dass Patienten den Erhalt ihres natürlichen Zahns einer künstlichen Alternative stets vorziehen sollten.

Kaugefühl wird beeinträchtigt 

Sowohl Endodontologie als auch Implantologie sind dank moderner Methoden mittels Lokalanästhetika weitestgehend schmerzfrei. Allerdings ist das Zähneziehen einschließlich Implantat für den Patienten meist weitaus teurer als eine Wurzelkanalbehandlung und die damit verbundene Wiederherstellung des natürlichen Zahns. Darüber hinaus ergeben sich die wohl signifikantesten Unterschiede beim Kauprozess: Nach einer erfolgreichen Wurzelkanalbehandlung bleiben Kaugefühl und -leistung unverändert. Künstliche Zähne haben immer eine Beeinträchtigung des Kaugefühls zur Folge und können in der Konsequenz auch als unangenehm empfunden werden.

Ganz gleich wie effektiv moderner Zahnersatz auch ist: Ein künstliches Implantat kann den natürlichen Zahn nicht ersetzen. Aus Patientensicht ist Zahnerhalt in den meisten Fällen jede Mühe wert. Der Lohn für die Entscheidung zur Endodontie ist ein gesunder, funktionierender, natürlicher Zahn bis an das Lebensende. Leider ist momentan ein Trend zu beobachten, dass Zähne, die erhalten werden könnten, vorzeitig und unnötig durch Implantate ersetzt werden. Hier müssen Zahnärzte Aufklärung leisten.

Weitere Informationen unter http://www.e-s-e.eu

 

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