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Foto: Archiv
Mehrere Zahnärzte im Test rieten zum Tausch aller Amalgamfüllungen.
 
Zahnheilkunde 26. April 2012

Amalgamberatung mangelhaft?

Konsument kritisiert Diagnosemängel bei Zahnärzten.

Das Verbrauchermagazin Konsument hat die Amalgamberatung von 15 Wiener Zahnärzten getestet und warnt vor unnötigen „Tauschgeschäften“. Die Untersuchung förderte laut Konsument überdies teilweise erhebliche Diagnosemängel zutage.

 

Amalgam als Füllmaterial für Zähne ist wegen seines Quecksilberanteils ins Gerede gekommen. Wissenschaftlich belegt ist ein Zusammenhang von Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit oder Depressionen mit dem Schwermetall nicht. Kritiker raten trotzdem häufig zu einer „Sanierung“. „Patienten sind verunsichert“, so der Konsument.

Zwei Testpersonen mit vier bzw. fünf behandlungsbedürftigen Zähnen suchten jeweils 15 – laut Konsument zufällig ausgesuchte – Wiener Zahnärzte auf. Der Zustand des Gebisses der Tester war zuvor in ei- nem Expertengutachten festgehal-ten worden. Beide erkundigten sich nach den Möglichkeiten bzw. der Notwendigkeit, die alten Füllungen auszutauschen.

„Wie unser Test zeigt, werden defekte Zähne und Füllungen häu- fig nicht erkannt“, kritisierten die Konsumentenschützer: Kein einziger Zahnarzt habe alle im Gutachten identifizierten Schädigungen ausgemacht. Die Bandbreite der Diagnosen reichte von „alles in Ordnung“ bis hin zur Empfehlung einer Komplettsanierung. Mehrere Zahnärzte rieten zum Tausch aller Amalgam-füllungen, selbst wenn dies vom Patienten nicht explizit gewünscht wurde. Immerhin klärte ein Großteil der Mediziner über die Vor- und Nachteile der Materialien sowie über die Kosten auf.

Insgesamt sieben der 15 getesteten Zahnärzte schnitten „gut“ ab. Zwei Kollegen wurden als „durchschnittlich“ beurteilt. Vier Zahnärzte erhielten nur ein „weniger zufriedenstellend“, bei zwei weiteren sei der Test „nicht zufriedenstellend“ verlaufen. Intakte Amalgamfüllun-gen müssen aus medizinischer Sicht nicht getauscht werden. Der Konsument weist darauf hin, dass die mit Abstand höchste Quecksilberbelastung beim Legen und beim Ent-fernen der Füllungen auftritt. Nur wenn Amalgam aus medizinischen Gründen nicht verwendet werden darf, übernehmen die Krankenkassen die Kosten auch im Seiten- zahnbereich. Sonst wird lediglich ein Zuschuss in der Höhe von 80 Prozent jenes Tarifes gewährt, der für die entsprechende Zahnfüllung aus Amalgam oder Zement vorgesehen ist. Die Konsumentenschützer empfehlen Patienten, unbedingt eine Zweitmeinung einzuholen, wenn ein Zahnarzt zu einer Komplettsanierung rät.

 

Quelle: APA – Austria Presse Agentur

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