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Zahnheilkunde 1. März 2012

Die Psychosomatik des Orofacialsystems – Eine fachliche und ethische Herausforderung

Die Oralregion ist sowohl aus tiefenpsychologischer als auch aus neuro – anatomischer Sicht in besonderer Weise prädestiniert als Projektionsfeld seelischer Konflikte oder psychischer Erkrankungen. Obwohl bereits in der medizinischen wie auch philosophischen Literatur von der Antike bis zur Gegenwart in zahlreichen Textstellen psychosomatische Manifestationen im Bereich des Orofacialsystems auf präzise Art und Weise beschrieben wurden, dauerte es dennoch nahezu zweieinhalb Jahrtausende, bis die Psychosomatik ihren Weg als anerkannte und akzeptierte Disziplin in das Gebäude der wissenschaftlichen Medizin fand. Im Focus des Interesses stehen sog. "Somatisierungen" psychischer Probleme auf dem Weg einer somatischen, orofacialen Schiene. Dazu gehören einerseits Ängste, welche sich zum Teil deutlich erkennbar, zum Teil in maskierter Form präsentieren, aber auch eine Reihe unterschiedlichster Symptombilder wie funktionelle Störungen oder Somatisierungen in Hinblick auf die Psychosomatik des Bezahnten, die Psychosomatik des Unbezahnten sowie die Psychosomatik des Zahnverlustes. Defizite in der präliminären Diagnostik wie auch in der Primärversorgung führen zu oft jahrelangen leidvollen Patientenkarrieren mit zahlreichen vergeblichen somatischen oder "alternativen" Therapieversuchen bzw. chirurgischen Eingriffen. Die fachliche wie auch ethische Herausforderung für den praktizierenden Zahnarzt besteht in einer Neugestaltung des Arzt – Patient – Verhältnisses in jener Weise, dass den psychischen Bedürfnissen des Patienten in entsprechendem und zumutbarem Umfang Rechnung getragen wird, sowie auch darin, als Behandler seine eigenen Grenzen zu erkennen und die Augen auch nicht vor allfälligen eigenen psychopathologischen Auffälligkeiten zu verschließen.

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