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Zahnheilkunde 1. Mai 2009

Das war die Internationale Dental-Schau in Köln

Demographie, Digitalisierung und Vernetzung zwischen Zahn- und Allgemeinmedizin treiben die Dentalbranche an.

Im Rahmen der 33. Internationalen Dental-Schau in Köln Ende März präsentierten 1.820 Aussteller Innovationen und wegweisende Trends für die Zukunft der Zahnmedizin. Die Entwicklungen reichten dabei von der Prophylaxe über die Restauration bis hin zu Spezialbehandlungen, von Oral-Scannern über fließfähige Kompositmaterialien bis hin zur zerlegbaren Zahnzange.

 

Eine der größten Entwicklungen ist die Möglichkeit zur digitalen Abformung. Oral-Scanner ersparen dem Patienten den oft unangenehmen Biss in Abdruckmasse. Auch der gesamte Prozess von der Abformung bis zur Herstellung eines Kronen- oder Brückengerüsts ist volldigitalisiert. Freilich steht die Industrie damit erst am Anfang einer Entwicklung, denn größere Brücken und individuelle Anfertigungen bedürfen weiterhin der klassischen Vorgehensweise.

Immer deutlicher wird, wie sehr orale Erkrankungen mit allgemeingesundheitlichen Leiden zusammenhängen. Neben der Diagnose von Karies und Gingivitis ist der Zahn-arzt als Erster für das Erkennen von Mundhöhlenkrebs zuständig – und die Differenzialdiagnose ist oft nicht leicht. Ein neues Screening-Verfahren, das chemolumineszentes Licht und im zweiten Schritt die Anfärbung mit Toluidinblau kombiniert, ermöglicht nun eine präzisere Biopsie-Entnahme. Im Bereich der bildgeben-den Verfahren bleibt digital „in“. Volumentomographen rücken in einen preislich erschwinglichen Bereich. Ist Karies diagnostiziert, folgt klassischerweise die Exkavation. Eine neuartige Methode der Kariesinfiltration ermöglicht jetzt aber die substanzschonende Behandlung beginnen-der Karies – ohne zu bohren.

Ganz allgemein profitiert die häusliche Mundhygiene von fortgeschrittenen Zahnpasta-Formulierungen und „Upgrades“ bei Elektrozahnbürsten, die immer besser mit dem Anwender kommunizieren (z. B. „visuelle Andruckkontrolle“). Die professionelle Prophylaxe gewinnt daneben an Bedeutung – u.a. mit der Vermeidung von Periimplantitis. Für gut eingeführte Ultraschallgeräte stehen jetzt neue Piezospitzen zur Verfügung, um die Vibrationen der Scaler zu minimieren. Extrem leichte, tragbare Pulverstrahlgeräte machen auch längere Sitzungen mit wesentlich geringeren Ermüdungserscheinungen beim Behandler möglich. Vorteile verspricht auch der neuartige Einsatz von Ozon.

Selbstätzende Adhäsive und Mikromotoren

Muss trotz aller Prophylaxe nach Kariesexkavation gefüllt werden, so stehen dafür seit Jahren so viele Materialvarianten zur Verfügung, dass mancher dieses Thema vor der IDS für ausgereizt hielt. Der Lichtbrechungsindex des natürlichen Zahnschmelzes kann nun praktisch punktgenau reproduziert werden – z.B. mit einem besser abgestimmten Zusammenspiel von Füllstoffen und patentierter Monomer-Matrix.

Fließfähige Komposite lassen sich ohne Nachtropfen punktgenau und materialsparend applizieren. Und bei allen Arbeiten verbessern Winkelstücke mit integrierter LED-Leuchte die Sicht, wobei der Zahnarzt seinen Motor der Wahl verwenden kann. Miniaturisierte Mikromotoren ermöglichen dabei ein besonders ermüdungsarmes Arbeiten. Auch zur Befestigung von Füllungen gibt es Neues: Spezielle selbstätzende Adhäsive können heute ganz auf HEMA verzichten und so das Allergierisiko für den Patienten weiter minimieren. Ohne separates Ätzen und Bonden lassen sich zunehmend auch indirekte Restaurationen langzeitstabil befestigen. Dank der Applikation aus der Doppelkammerspritze profitieren Zahnarzt bzw. Patient von einer standardisierten Homogenität und mit verkürzten Anmisch- und Einbringzeiten.

Hochgeschwindigkeitsscanner

Immer häufiger werden indirekte Restaurationen aus Vollkeramik hergestellt. Der Langzeitverbund zwischen Gerüst und Verblendung ist bei bestimmten Materialkombinationen noch sicherer geworden. Auch können Zahnarzt und Zahntechniker wesentlich virtuoser mit CAD/CAM umgehen: klassische Wachsmodellation, virtuelle Gerüstkonstruktion, Eigenfertigung, Auslagerung der Gerüstherstellung an befreundete Labors oder an die Industrie – vieles ist möglich. Das betrifft dabei nicht nur Zirkonoxid. Beispielsweise lassen sich verschraubbare Suprastrukturen für die Implantologie jetzt ohne Eigeninvestitionen in Nichtedelmetallen ordern.

Speziell für das zahntechnische Labor steht ein neuartiger, optischer Hochgeschwindigkeitsscanner zur Erstellung von Abformungsscans zur Verfügung. Und eine „Krone auf Knopfdruck“ fräst man dort heutzutage auch mit einem Tischgerät und 7-Achs-Strategie. Es gibt daneben aber eine zur „Durchdigitalisierung“ gegenläufige Tendenz. Im Bereich der Keramiköfen geht man teilweise sogar einen Schritt zurück, nach dem Motto: „So viele Icons und Speichertechnik wie nötig – aber so übersichtlich wie möglich.“

Das Raumgreifen digitaler Techniken geht Hand in Hand mit Fortschritten in der klassischen Zahntechnik. So sorgen neue Verblendkeramiken für eine wesentlich effizientere Schichtung bei Ausschöpfen al-ler ästhetischen Möglichkeiten. Mehr Tempo schaffen im Allgemeinen auch neuartige Gipse.

Speziell für Zirkonoxid erleichtern maßgeschneiderte Arbeitsplätze zur Nassbearbeitung des gesinterten Materials den Alltag. Andere Oxidkeramiken (im Speziellen: Silikatkeramik) lassen sich jetzt noch besser auf das Verkleben im Mund vorbereiten: Die Klebeflächen werden mit Flusssäuregel geätzt, die nicht zu ätzenden Flächen mit Wachs geschützt – genauer, als es in der Zahnarztpraxis möglich ist. Ein lichthärtender „Connector“ versiegelt und schützt die Silanschicht dauerhaft.

Fortschritte der Endodontie

Mit der maschinellen Aufbereitung ist die Edodontie für den Zahnarzt immer komfortabler geworden. Dazu präsentieren sich neue Möglichkeiten zur effizienten Aufbereitung der Zugangskavität mit speziellen Endo-Ultraschall-Spitzen. Innovationen sind die maschinelle Präparation des Gleitpfades oder Endo-Motoren mit integriertem Apex-Locator. Bei der Desinfektion des Wurzelkanals kann die erwähnte Ozon-Therapie helfen, die auch in der Karies- und Parodontaltherapie ihren Stellenwert besitzt. Im Bereich der klassischen Ultraschallgeräte sind Spezialvarianten mit Spülungsaktivierung im Kommen.

In der Spezialdisziplin Kieferorthopädie sind es längst nicht mehr hauptsächlich Jugendliche, die sich der Behandlung mit Brackets unterziehen. Bei Erwachsenen stellt die Ästhetik einer kieferorthopädischen Apparatur aber eine mindestens genauso wesentliche Sache dar. „Unsichtbar“ ist wichtig, und das verbindet sich heute mit hoher Stabilität bei selbstlingierenden Eigenschaften.

Das Öffnen einer solchen Apparatur kann einfach per Sonde von gingival vorgenommen werden und wird jetzt zum Teil durch neue Führungsrillen sowie durch einen speziellen, stark ausgeprägten Einführtrichter erleichtert. Eine innovative inversive Hakenbasis mit diametral versetzter Lochretention und mesio-distalen Schrägen ermöglicht neben der perfekten Haftung des Brackets am Zahn ebenso dessen problemloses splitterfreies Abnehmen. Schmelzausrisse werden dabei vermieden, da ein Großteil des Klebers auf dem Zahn verbleibt. Spezielle Zahnpasten erleichtern die Pflege der Brackets.

Die Voraussetzung für eine Top-Versorgung der Patienten ist natürlich, dass auch die Praxis selbst stets „auf Stand“ ist: mit funktionalen, hochwertigen Behandlungseinheiten, leistungsfähigen Absaugeinrichtungen, mit trockener, ölfreier und hygienischer Druckluft und mit einer 1A-Hygiene – kurz: ein Arbeitsumfeld, in dem sich Team und Patient wohl fühlen. Dazu tragen nicht zuletzt die „kleinen Helfer“ bei: bioverträgliche Desinfektionsmittel, praktische Tücher für Flächen aller Größe, Praxisreiniger, welche die Desinfektionswirkung aufrechterhalten.

Im Bereich der Geräte sind es neue Autoklaven: Bei den Instrumenten fällt eine komplett zerlegbare Zahnzange auf – für eine gründlichere und im Tray Platz sparende Aufbereitung.

 

Quelle: www.ids-cologne.de

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