zur Navigation zum Inhalt
a

b
Abb. 1 a und b: Nach elf Wochen ist der Eckzahn ohne Extraktion anderer Zähne eingereiht.

a

b
Abb. 2 a und b: Nivellierung des Oberkiefers nach zwei Monaten.

a

b
Abb. 3 a und b: Korrektur des offenen Bisses nach acht Monaten.

 
Zahnheilkunde 1. Mai 2009

Selbstligierende Bracketsysteme

Die moderne Weiterentwicklung in der Kieferorthopädie als Erleichterung für Arzt und Patient.

In den letzten Jahren wurde das Gebiet der Kieferorthopädie immer mehr auch für Erwachsene interessant. Wirksame Anreize wie dezente Regulierung und kurze Behandlungszeit machen Patienten immer häufiger auf diese Möglichkeit aufmerksam.

 

Zu einer Zahnbewegung kann es nur durch Knochenumbauprozesse kommen. So wird an den Druckzonen der Alveoleoberfläche ein Knochenabbau und an den Zugzonen ein Knochenanbau stattfinden. Da der Knochenabbau aber immer verzögert auftritt, laufen die beiden Vorgänge nicht synchron ab. Dadurch wird der Parodontalspalt vorübergehend erweitert und die Zahnbeweglichkeit erhöht. Allerdings ist der Schlüsselfaktor für die Geschwindigkeit der Zahnbewegung die Blutversorgung, die für die Stoffwechselvorgänge im Knochen nötig ist. Zu starke Kräfte können eine verminderte Blutversorgung des betroffenen Gebietes bewirken, dadurch die Resorptionsvorgänge verlangsamen und in der Folge die Zahnbewegung verzögern. Die größte Knochenumbaurate und damit die schnellste Zahnbewegung lässt sich daher nur mit möglichst leichten Kräften erreichen.

Kraft, Reibung und Widerstand

Die größte beachtenswerte Gegenkraft bei der Zahnbewegung ist die sogenannte Friktion. Sie beschreibt die Haftreibung zwischen dem Bogendraht und dem Bracketslot. Je geringer die Friktion, desto kleinere Kräfte werden für die Bewegung der Zähne benötigt. Schlagworte sind daher momentan friktionsfreie Brackets. Jedoch völlig ohne Friktion ist eine vollständige Regulierung kaum möglich, denn schon alleine durch die verdreht angeordneten Zähne sind unterschiedliche Friktionen zu erwarten (siehe Abb. 1 a, b). Allerdings in der Nivellierungsphase kann durch Verwendung der neuen selbstligierenden Brackets die Friktion vermindert werden, was zu einem wesentlichen Zeitgewinn führt. Die Zeitspanne für die Nivellierung wird von den verschiedenen Anbietern mit nur drei bis sechs Monaten angegeben (siehe Abb. 2 a, b).

Bisher wurden die Drähte mit Gummiligaturen befestigt, diese altern, mussten also alle 14 Tage gewechselt werden, was nicht nur unangenehm ist, sondern die Behandlung oftmals auch verlängerte. Die neuen selbstligierenden Brackets verschließen sich mittels einer Stahlklappe, sie sind daher nicht nur wesentlich hygienischer, sondern erfordern auch weniger Behandlungstermine und führen schneller zum gewünschten Erfolg! Durch die Verwendung besonders zarter Kräfte haben die Patienten keine Schmerzen mehr und die knöcherne Antwort ist so überraschend besser als bisher.

Mit traditionellen Systemen beträgt die durchschnittliche Behandlungsdauer drei Jahre. Bei vergleichbaren Dysgnathie-Gruppen wird die Behandlung zumindest um drei bis vier Monate verkürzt. Die entscheidende Zeitersparnis liegt vor allem in der Nivellierungsphase. Beim Lückenschluss ist durch die geringere Friktion und die schnellere Knochenantwort ebenfalls mit einem schnelleren Erfolg zu rechnen.

Dysgnathien

Generell wird mit viel dünneren und flexibleren Drähten gearbeitet. Der Druck der Wangen- und Lippenmuskulatur wird auf den Bogen übertragen und es kommt zu einer individuellen an die physiologischen Verhältnisse angepassten Bogenform.

Die Zunge und das restliche stomatognathe System bilden eine Funktionseinheit. Dadurch passen sich Zunge und Kieferstellung aneinander an. Hierbei kommt es bei Dysgnathien zu Kompensationen bei den im Alltag natürlich ablaufenden Bewegungen. Dadurch, dass diese kompensatorischen Bewegungsabläufe aber gut zueinander passen, bleiben eigentlich vorhandene logopädisch-myofunktionelle Störungen zunächst unbemerkt. Die bereits erwähnte Flexibilität der selbstligierenden Brackets lässt diese nicht unentdeckt. Das Schlucken des Speichels findet innerhalb von 24 Stun-den bis zu 2.500 Mal statt. Die An- zahl der im kieferorthopädisch-logopädischen Zusammenhang relevanter Artikulationslaute lässt sich je nach Sprechgewohnheit wohl kaum beziffern. Eine sofort einsetzende logopädische Abklärung und nach-folgende Therapie bewirkt, dass die vorhandenen Unzulänglichkeiten ins Gleichgewicht gebracht werden können.

Keine Frage, dass ein bewegungsmäßig und knöchern ausgeglichenes stomatognathes System mit neuer verbesserter Zahnstellung, eine logische Grundbedingung darstellt, wenn man seinen Patienten auch auf lange Sicht die besten Voraussetzungen für eine bleibende und stabile kieferorthopädische Korrektur mitgeben möchte (siehe Abb. 3 a, b).

 

Kontakt:

Dr. Maija Eltz,

Zahnregulierung Eltz, Wien

E-Mail:

www.eltz.info

Von Dr. Maija Eltz , Zahnarzt 5/2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben