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Foto: Privat
Albert Plachel Zahntechniker, gerichtlich beeideter und zertifizierter Sachverständiger und Mediator in Telfs
 
Zahnheilkunde 1. Mai 2009

Vermeidbarer Imageverlust

Ein Fall aus der Mediationspraxis: Zahntechniker versus Zahnarzt.

Die Vorgeschichte: Ein Patient entscheidet sich für ein Goldinlay. Der Grund dafür war seine ausgebrochene Amalgamfüllung an 46 und die damit verbundene Konsultation und Beratung bei seinem Zahnarzt. Im Unterkiefer trägt er bereits eine Modellgussprothese, welche die Zähne 47, 45 und 35, 36 ersetzt. Der vorhandene Zahn 46 dient als Klammerzahn mit den entsprechenden statischen Auflagemulden.

 

Die Abdrücke für das Inlay sendet der Zahnarzt an die Zahntechnik. Leider verabsäumt er es dem Techniker die liegende Prothese im Abdruck mitzuliefern oder einen Hinweis darauf zu geben, dass der Pa-tient Teilprothesenträger ist. Vom Zahntechniker wird das Inlay korrekt angefertigt, und der Zahnarzt zementiert das Inlay ein. Es kommt, wie es kommen musste, zu einem Problem! Da stört etwas!

Die vorhandene Modellgussprothese mit den Halteelementen und Auflegern passt nicht mehr. Durch Einschleifen des Inlays und der Modellgussprothese bemüht sich der Zahnarzt, beides aneinander anzupassen – jedoch in mehreren Sitzungen ohne Erfolg. Nach kurzer Tragezeit klagt der Patient über Schmer-zen. Bedingt durch die Fehlbelastung des 46 durch die Prothese und die damit einhergehende Überbeanspruchung des Zahnes – nicht zu vergessen die „Einschleifversuche“ – muss Zahn 46 extrahiert werden.

Der Zahnarzt stellt in üblicher Weise seine Rechnung. Auch über die Erweiterung der Modellgussprothese, denn der fehlt jetzt ein Zahn. Es kommt, wie es kommen musste: Ein weiteres Problem! Der Patient be-klagt Schmerzen, Unannehmlichkeiten und Zahnverlust.

Vergebliche Vermittlung

Der Zahnarzt besteht auf sein Geld. Er ist der Überzeugung, alles richtig gemacht zu haben. Der Patient besteht auf seinen Zahn. Er ist der Überzeugung, dass sein Zahnverlust unnötig war. Die Folge: Der Zahnarzt klagt das Honorar ein. Nun werden Anwälte, Gericht und Sachverständige in Anspruch genommen. Beide kommen zur gleichen Beurteilung. Nach dem Aktenstudium versuche ich als Sachverständiger für Zahntechnik zu vermitteln, mit dem Vorschlag, dem Patienten eine neue Prothese anzufertigen, da die alte Modellgussprothese schon über zehn Jahre alt ist, diese über die Krankenkasse abzurechnen und keinen Patientenanteil zu verrechnen. Der Patient stimmt diesem Vorschlag zu. Der Zahnarzt beharrt vehement auf seine Forderung und weist jeglichen Fehler von sich. Einige Tage später versucht der Sachverständige nochmals zu vermitteln, dies wieder ohne Erfolg.

Es kommt zur Verhandlung und zu Gutachten von zahnärztlichen und zahntechnischen Sachverständigen. Der Zahnarzt wird vor Gericht schuldig gesprochen.

Das Resümee

Für den Zahnarzt entstanden zusätzlich zum Imageverlust Gesamtkosten von zirka 5.200,– Euro. Wäre der Vermittlungsvorschlag angenommen worden, so hätte er nur auf 800,– Euro Honorar für das Inlay und den Privatanteil für die neue Modellgussprothese des Patienten verzichten müssen. Vom Zeit- und Nervenaufwand ganz abgesehen, über den wir nur vermuten können.

Als Sachverständiger für Zahntechnik war ich zum damaligen Zeitpunkt noch kein Mediator. Nach dieser Erfahrung fasste ich den Entschluss, mich zum Mediator ausbilden zu lassen. Dies hat mir in meiner weiteren Tätigkeit sehr viel weitergeholfen. Rein intuitiv habe ich damals viele notwendige Grundsätze schon beachtet. Eine außergerichtliche Einigung, ein Vergleich vor Gericht oder eine Mediation setzt im-mer den Einigungswillen beider Parteien voraus. Es ist nicht möglich – auch der versierteste Mediator ist dazu nicht imstande und schon gar nicht dazu befugt –, eine Seite zu beeinflussen und zu einer Entschei-dung zu bewegen oder gar zu drängen. Ein an Stimmigkeit orientiertes Gespräch verbindet den „Menschen im System“ mit dem „System im Menschen“. Der Mediator hat die Aufgabe, beide Parteien zu einem Verstehen des anderen zu verhelfen. Nicht mehr und nicht weniger. Da-bei soll sich niemand als Verlierer fühlen.

Von Albert Plachel, Zahnarzt 5/2009

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