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Abb. 1: Aufrauung der Dentinwand mit dem Aufrauinstrument.

Abb. 2: Einprobe des Stiftes.

Abb. 3: Applikation eines Stiftes.

Dr. André D. Hanna Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Weitere Tätigkeiten: Leitung des Dental Forums der Dental Tribune, Absolvent des Curriculums der DGEndo, Gründungsmitglied der ÖGEndo (Österreichische Gesellschaft für Endodontie).

 
Zahnheilkunde 1. Mai 2009

Postendodontische Versorgung mit Glasfaser-Wurzelstiften

Ein Erfahrungsbericht zeigt, dass ein direkter Aufbau nach der Wurzelkanalobturation einfach durchgeführt werden kann, wenn bestimmte Prinzipien des dentinadhäsiven Aufbaus beachtet werden.

Nach einer Wurzelkanalbehandlung sollte ein Zahn umgehend versorgt werden. Dafür bieten sich Glasfaser-Wurzelstifte an, die eine zuverlässige Retention zwischen Restzahnstruktur und Aufbaumaterial erzeugen. Anschließend sollte der Zahn eine adhäsive Endversorgung erhalten, um ein Leakage zu verhindern. Dabei ist es sicherer, ein „One-Step“-Vorgehen zu wählen – bei dem das Einsetzen des Stiftes und der Aufbau des Stumpfes im gleichen Arbeitsschritt erfolgen – als ein „Two-Step“-Verfahren mit zwei Arbeitsgängen.

 

Das Stiftaufbausystem von Komet mit den Komponenten DentinBuild, DentinBond und DentinPost Coated (Komet/Gebr. Brasseler, Lemgo) hat sich in meiner Praxis bestens bewährt. Die Anwendung ist einfach, es müssen lediglich einige Prinzi-pien des dentinadhäsiven Aufbaus beachtet werden. Bei den meisten endodontisch behandelten Zähnen wird der Aufbau des Stumpfes mit-tels eines glasfaserverstärkten Komposits durchgeführt. Dies erfolgt in einer zweiten Sitzung beziehungsweise direkt nach Abschluss der Wurzelkanalbehandlung. Vorteilhaft ist es, den Aufbau direkt nach der Wurzelkanalobturation durchzuführen, da so der Zeitaufwand geringer ist, direkt ein bakteriendichter Verschluss erreicht und ein Leakage vermieden werden kann. Zudem ist der direkte Aufbau substanzschonend und stabilisiert den Zahn.

Prinzipien des dentinadhäsiven Aufbaus

  • Unnötiges Aufbereiten (in der Länge und in der Breite) sollte vermieden werden, da dies zur Schwächung der Zahnhartsubstanz führt.
  • Die Stiftgröße muss passend zur anatomischen Situation gewählt werden.
  • Die minimale Verankerungslänge des Stiftes beträgt mindestens drei Millimeter subkrestal.
  • Ferrule-Effekt bedenken: Es sollten nicht weniger als zwei Millimeter Restzahnsubstanz vorhanden sein.

Beim dentinadhäsiven Aufbau sind zwei Vorgehensweisen möglich: „One-Step“-Vorgehen

  • Das Einsetzen des Stiftes und der Aufbau des Stumpfes aus Komposit erfolgen im gleichen Arbeitsschritt.
  • Es wird ein dualhärtendes Kompo-sit- und Bondingsystem verwendet.

 

„Two-Step“-Vorgehen

  • Zunächst wird der Stift mit Komposit im Kanal befestigt und ausgehärtet.
  • In einem weiteren Schritt erfolgt dann der Stumpfaufbau.
  • Nachteil: Es kann zu Verbundfehlern zwischen Aufbau und Befestigungskomposit kommen.

Das praktische Vorgehen

Für die dentinadhäsive Verankerung des Stiftes muss das Dentin unter Kofferdam vorbereitet werden. Zunächst müssen alle Sealerreste komplett entfernt werden. Hierfür sind optische Hilfsmittel von Vorteil wie etwa eine Lupe beziehungs- weise ein Mikroskop. Anschließend wird die Dentinoberfläche mittels eines Rosenbohrers „aufgeraut“ (Auffrischung) – (siehe Abb. 1).

Das Komet-Instrumentenset ER DentinPost Coated™ ist bestens für die Kanalvorbereitung geeignet: Es beinhaltet einen Pilotbohrer (Ref.: 183LB.204.070), einen Erweiterer (Ref.: 196.204.070) und ein Aufrauinstrument (Ref.: 196D.644.070). Anschließend wird die Kavität, z. B. mit destilliertem Wasser, EDTA oder Alkohol gespült, nicht jedoch mit Natriumhypochlorit, da dieses die Dentinstruktur so verändert, dass es zu einer Verminderung des Haftverbundes kommt.

Das Wurzelkanaldentin weist einige Besonderheiten auf: Es besteht zu großen Teilen aus intertubulärem Dentin, und die Anzahl der Dentintubuli nimmt nach apikal deutlich ab, was zur Verminderung der mechanischen Retention führt.

Coated ist ein transluzenter und röntgenopaker Wurzelstift aus glasverstärktem Komposit. Er besteht aus Epoxidharz (zirka 40 %) und Glasfasern (60 %). Seine Biegebruchfestigkeit liegt bei 550 MPa (Wert nach ISO 14125: 1.500–1.600 MPa), das Elastizitätsmodul bei 30 GPa. Der Wurzelstift ist vorkonditioniert und mit einer haftvermittelnden Polymerschicht versehen. Er wird nach der Anprobe (siehe Abb. 2) mittels Alkohol, gereinigt, das heißt wischdesinfiziert, und anschließend, falls nötig, mit einer Diamant-Trennscheibe gekürzt. Er soll nicht in Alkohol eingelegt werden.

Insertion des Stiftes

Der Kanal und das Dentin werden mittels 37-prozentigen Phosphorsäure-Ätzgels (Komet) 20 Sekunden lang geätzt. Danach erfolgt die Spülung mit H2O. Mittels einer Papierspitze wird der Kanal getrocknet. Allerdings sollte Restfeuchtig-keit vorhanden sein, da zu trockenes Dentin den Haftverbund vermindert (Wet-Bonding).

Innerhalb von zehn Sekunden werden zwei Schichten DentinBond Primer/Adhäsiv auf die Zahnhartsubstanz und auf den Kanal aufgetragen. Überschüssiges Adhäsiv wird mittels einer Papierspitze aus dem Kanal entfernt. Der Rest wird zehn Sekunden lang mit leichtem, ölfreien Luftstrom verblasen. Anschließend wird das Adhäsiv zehn Sekunden lang mit UV- Licht gehärtet. DentinBuild wird in den Kanal und auf den Stift appliziert. Mit leichtem, drehenden Druck wird der Stift in den Kanal eingesetzt (siehe Abb. 3). Die vorher ausgewählten und vorbereiteten Formkappen werden mit DentinBuild aufgefüllt und auf den vorbereiteten Zahn aufgesetzt. Danach wird das Material zehn Sekunden lang mit UV-Licht gehärtet. Die chemische Aushärtung ist nach vier Minuten abgeschlossen.

Anschließend werden die Formkappen entfernt und man kann den Aufbau für die endgültige Restauration vorbereiten. Die Insertion des Stiftes sollte aufgrund der oben genannten Vorteile in einer Arbeitssitzung erfolgen (One-Step).

Aufgrund des unkomplizierten Konzeptes dieses Systems, das sich auch in den übersichtlichen Verpackungseinheiten der einzelnen Komponenten zeigt, und einer genauen Gebrauchsanleitung in Form von Karten, auf denen die Anwendungsschritte Punkt für Punkt abgebildet sind, wird dem Anwender das Procedere sehr erleichtert. Werden die wichtigsten Prinzipien beachtet, sollte eine Stiftinsertion mit Leichtigkeit und ohne Komplikationen erfolgen. Es muss aber erwähnt werden, dass Langzeitergebnisse zum System bisher noch ausstehen.

 

Dr. André D. Hanna ist als

Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Wien tätig.

Tipps für die Praxis
  • Unbedingt Kofferdam verwenden.
  • Wet-Bonding beachten.
  • Lupensystem einsetzen.
  • Schnell arbeiten.
  • Aushärtezeiten einhalten.
  • Formkappen vor dem Ätzen anpassen, anschließend gut entfetten und reinigen.
  • Kein Natriumhypochlorit verwenden.
  • Die Ein-Schritt-Methode (One-Step) der Zwei-Schritt-Methode (Two-Step) vorziehen.
  • Die endgültige Versorgung muss den Zahn um mindestens zwei bis drei Millimeter umfassen (Ferrule-Effekt: Stephen Cohen und Kenneth M. Hergreaves: Pathways of the Pulp, 9. Auflage).
  • Das Komposit muss den Stift komplett bedecken, damit dieser keine Feuchtigkeit aufnehmen kann.

Von Dr. André Hanna, Zahnarzt 5/2009

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