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Foto: Privat
Prof. Dr. Rudolf Schabus Gründer und Leiter der Konsultation für Sporttraumatologie an der Wiener Privatklinik
 
Zahnheilkunde 1. Mai 2009

Vor elektiven Eingriffen unbedingt Zahnstatus und Antikörper checken

Infektionen in der Mundhöhle können postoperativ zu schweren Komplikationen führen.

Wird eine endoprothetische Operation geplant, sollte der Patient penibel auf bestehende Infektionen abgefragt werden. Chronische Entzündungen, etwa der Zähne oder des Zahnfleischs, müssen präoperativ saniert werden.

 

Ein Entzündungsherd in der Mundhöhle ist ein potenzielles Komplikationsrisiko für postoperative Infektionen nach Implantationen von künstlichen Hüft- oder Kniegelenken. „Jedes chronische inflammatorische Geschehen kann Bakterien in die Blutbahn abgeben, die im Operationsgebiet aufgrund postoperativer Hämatome einen guten Nährboden für akute Entzündungen finden“, sagt Prof. Dr. Rudolf Schabus, Leiter der Konsultation für Sporttraumatologie an der Wiener Privatklinik. Im Rahmen von endoprothetischen Eingriffen werden Gewebsstrukturen durchtrennt, was zu partiellen Nekrosen führt: „Das sind perfekte Eintrittspforten für Bakterien“, so Schabus.

Gerade in der Mundhöhle kann sich ein entzündliches Geschehen oft monatelang verbergen, ohne starke Beschwerden zu verursachen: „Um so wichtiger ist es, den Zahnstatus und die Mundhöhle vor einem elektiven Eingriff zu erfassen und eventuelle Problemfelder zu sanieren“, betont Schabus. Der Zahnarztbesuch gehört daher präoperativ unbedingt dazu. Dabei sollten der Zahnstatus abgeklärt, Zahnwurzelprobleme über prüft und das Vorliegen von Kieferzysten gecheckt werden. Auch chronische Zahnfleischentzündungen können zu den genannten Problemen führen. „Eine umfangreiche Sanierung vorliegender Zahn- und Mundhöhlenprobleme trägt maßgeblich dazu bei, die Komplikationsrate nach elektiven endoprothetischen Eingriff gering zu halten“, zeigt Schabus die Wichtigkeit dieser vorbereitenden Maßnahmen auf.

Gerade beim älteren Patienten bestehen derartige Entzündungsherde oft über einen sehr lange Zeitraum, ohne dass der Betroffene dem inflammatorischen Geschehen besondere Aufmerksamkeit schenkt. Latente leichte Schmerzen werden von Patienten oft gar nicht mehr bemerkt. In der Anamnese müssen derartige Beschwerden genau abgefragt werden: „Man muss selektiv hinfragen und den Patienten intensiv darauf aufmerksam machen, welche Komplikationen ein nicht abgeklärter Entzündungsherd in der Mundhöhle haben kann“, fordert der Unfallchirurg. „Denn gerade Schmerzen, die den Patienten über lange Zeit belasten, werden bei der Anamnese oft gar nicht angegeben, weil die Betroffenen sich so daran gewöhnt haben, dass sie ihnen gar nicht mehr auffallen.“

Antikörperstatus prüfen

Aber nicht nur etwaige vorliegende Infektionen, auch der Antikörperstatus des Patienten muss vor einem elektiven Eingriff abgeklärt werden. Denn elektive Eingriffe tragen ein einprozentiges Risiko für postoperative Infekte für sich: „Das ist eine beachtliche Anzahl“, sagt Rudolf Schabus: „Tritt irgendwo im Körper eine Infektion auf, erzeugt ein gesundes Immunsystem dagegen Antikörper“, erläutert der Unfallchirurg. „Diese Antikörper bekämpfen aber nicht nur Bakterien, sie können sich auch gegen beschädigte körpereigene Zellen richten.“ Derartige Gewebsläsionen entstehen auch bei schonenden Operationsverfahren. Liegt nun ein erhöhter Antikörper-Titer vor, können diese durch den Eingriff beschädigten Zellen von den zirkulierenden Antikörpern angegriffen werden. „Sind die Antikörper aufgrund einer bestehenden Infektion erhöht, erhöht sich auch das Risiko einer Folgeinfektion am Operationsort.

Tritt eine solche postoperative Infektion auf, muss ein Antibiogramm erstellt, eine Resistenztestung durchgeführt und eine hochdosierte Antibiotikatherapie durchgeführt werden. Am häufigsten kommt es zu Infektionen mit Styphylococcus aureus. Wird der Keim im Operationsgebiet gefunden, muss festgestellt werden ob eine Mischinfektion mit Streptokokken vorliegt. „Das kann zu beachtlichen Komplikationen führen“, sagt Schabus, „denn siedeln sich zu viele Bakterien auf dem künstlichen Gelenk an, wird der Patient um eine Re-Operation nicht herumkommen.“

Daher gilt vor einer elektiven endoprothetischen Operation: Zahnstatus abklären und eventuelle Entzündungsherde sanieren. Aber nicht nur die Mundhöhle kann für postoperative Komplikationen sorgen: „Auch Infektionen im Urogentialtrakt müssen präoperativ abgeklärt und gegebenenfalls saniert werden“, erläutert Rudolf Schabus. Vor allem bei älteren Menschen sind Infektionen in diesem Bereich häufig und verlaufen oft unbemerkt. Sie können Ableger im Operationsareal bilden und – etwa nach einer Hüftgelenksoperation – zu Komplikationen führen. „Bei jüngeren Patientinnen sollte man vor allem auch auf Keime achten, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden können, insbesondere Chlamydien spielen hier eine wichtige Rolle.

Für den Unfallchirurgen Rudolf Schabus gehört daher die Abklärung des Zahnstatus und das genaue Erfragen allfälliger weiterer Infektionsherde im Körper zum Routineprogramm vor elektiven endoprothetischen Eingriffen. Für den Patienten gilt: „Denken Sie intensiv nach, welche Entzündungsherde im Körper vorhanden sein könnten, damit diese präoperativ saniert werden können“, rät Schabus abschließend.

Von Sabine Fisch, Zahnarzt 5/2009

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