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Fotos (6): DDr. Angelo Trödhan
Abb. 1: Crestale Zugangstrepanation mit Ultraschalldiamanten.
Fotos (6): DDr. Angelo Trödhan

Abb. 1: Crestale Zugangstrepanation mit Ultraschalldiamanten.

Abb. 2

Abb. 2 und 3: Mit Hilfe ultraschallaktivierten Wasserdrucks wird der Sinusboden abgelöst.

Abb. 4: Einbringen von Knochenersatzmaterial mit einem sterilisierbarem Amalgam-Applikator.

Abb 5: Intralift mit 5,4 ml Volumen und Augmentationshöhe 14 mm, einzeitige Implantation.

Abb. 6: Intralift mit 2,4 ml Volumen, Höhe 8,9 mm, zweizeitige Implan tation.

 
Zahnheilkunde 8. April 2009

Intralift – ein neues Verfahren zur Sinusbodenelevation

Eine leicht erlernbare und minimalinvasive Methode für den niedergelassenen Zahnarzt auf Basis des Ultraschallchirurgiegerätes Piezotome.

Mit der zunehmenden Akzeptanz von implantatgetragenem Zahnersatz in der Bevölkerung sieht sich der niedergelassene implantologisch tätige Zahnarzt mit der Notwendigkeit konfrontiert, die Sinuslift-Operationstechnik zu erlernen und diese auch mit einem Minimum an Komplikatio-nen – vor allem der Vermeidung von Rupturen der Kieferhöhlenschleimhaut – durchführen zu können. Zahlreiche chirurgische Techniken mussten bisher erlernt und beherrscht werden.

 

In der Literatur werden verschiede-ne Verfahren der Sinsubodenelevation beschrieben, die vom offenen Sinuslift über die bukkale Kieferhöhlenwand mit weiträumiger Aufklappung der bukkalen Weichgewe-be bis zu minimalinvasiven Techniken mit nur geringer Ausdehnung des elevierten Sinusboden-Volumens (Ballon-Sinuslift) reichen.

Allen bisherigen Techniken gemein ist die mechanische Ablösung der Kieferhöhlenschleimhaut von ihrer knöchernen Unterlage mit scharfen oder stumpfen mechanischen Präparationsinstrumenten, die aus histologischen, anatomischen (Knochensepten) oder präparationsgeschicklichen Gründen sehr leicht zu einer Ruptur der Membran führen können, da die Membran im Zuge der Präparation starken Zugbeanspruchungen ausgesetzt wird. Zudem sind alle bisherigen Verfahren sehr zeitaufwändig und teuer. Ein weiterer gemeinsamer Aspekt dieser zum Teil sehr unterschiedlichen OP-Techniken ist der stete Wunsch des Operateurs, ein vorhersagbares und vor allem kontrollierbares Ergebnis für eine gleichzeitige oder zeitversetzte Implantation zu erzielen.

Ultraschallgestützte hydrodynamische Sinuslift-Technik

Um dem niedergelassenen Zahnarzt ein leicht erlernbares, minimalinvasives und fehlerverzeihendes Verfahren in die Hand zu geben, hat die TKW-Research-Group (Trödhan-Kurrek-Wainwright) auf Basis des Ultraschallchirurgiegerätes Piezotome den IntraliftTM entwickelt (patent pending).

Beim Intralift handelt es sich um eine ultraschallgestützte (Cavitationseffekt) hydrodynamische Sinuslift-Technik, bei der zunächst mit einer 6-mm-Schleimhautstanze der Kieferkamm umschrieben freigelegt wird. Danach wird mit stumpfen, perforationssicheren ultraschallaktivierten Arbeitsspitzen ein drei Millimeter durchmessender knöcherner Kanal zur Schneiderschen Memb- ran der Kieferhöhle angelegt (s. Abb. 1) und diese anschließend mithilfe ultraschallaktivierten Wasserdrucks in beliebiger Ausdehnung ohne Rupturgefahr auch bei Knochensepten völlig atraumatisch vom Kieferhöhlenboden abgelöst (s. Abb. 2 u. 3). Danach wird mit einem sterilisierbaren Amalgam-Applikator Zug um Zug Knochenersatzmaterial in benötigter Menge (bis zu vier Milliliter) eingebracht (s. Abb. 4) und bei ausreichend stabilem Restknochen das Implantat oder die Implantate integriert. Nach einer Einheilzeit von sechs bis neun Monaten (je nach Augmentationsvolumen) erfolgt die Implantatfreilegung und Eingliederung des Zahnersatzes.

Gleichmäßiger Druck

In vorbereitenden Studien zur Entwicklung des Intralift-Verfahrens an 200 Schafsköpfen konnte ein gemittelter notwendiger pneumatischer Druck von 30 mbar +/- 5 mbar und ein hydraulischer Druck von 20 mbar +/- 3 mbar zur Ablösung der Kieferhöhlenschleimhaut von der knöchernen Unterlage ermittelt werden. Vor allem bei hydraulischer Ablösung hat sich gezeigt, dass sich die Schneider’sche Membran in zentrifugaler Weise flächig von der Zugangsosteotomie ablöst. Als wesentlicher Grund hierfür gilt die gleichmäßige Druckverteilung an der Schleimhaut, die im neu gewonnenen Hohlraum im Gegensatz zu den bisherigen Verfahren jedweden ungleichmäßigen Zug an der Schleimhaut vermeidet.

Selbst bei punktförmigen iatrogenen Perforationen wird bei der hydrodynamischen Sinusbodenelevation der Erfolg der Operation nicht negativ beeinflusst, da diese Perforationen die Effektivität der Elevation nicht beeinträchtigen, zu keiner weiteren großräumigen Rissbildung führen und mittels resorbierbarer Kollagenschwammstücke vor der Augmentation zuverlässig abgedichtet werden können, was ursprünglich im Tierexperiment und mittelwerweile auch in der klinischen Praxis nachgewiesen wurde.

Auf Basis der Forschungsergebnisse wurden in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Wien entsprechende Ultraschallansätze für den Intralift berechnet und praxisgerecht geformt und von ACTEON/FR gebaut. Das Intralift-System ist mit allen derzeit am Markt befindlichen Implantatsystemen kompatibel, sofern der Implantatkörperdurchmesser mindestens drei Millimeter beträgt.

Niedrige Komplikationsrate

Bei den bisher rund 620 durchgeführten Intralift-Sinusbodenlevationen an ausgewählten Studienzentren in Österreich, Deutschland, Frankreich, Asien und den USA im Zeitraum von März 2007 bis Oktober 2008 (von der Dokumentation bis zur funktionellen Belastung der inserierten Implantate) lag die Komplikationsrate bei lediglich 1,2 Prozent, wobei das Spektrum der Eingriffe von Einzelzahnimplantationen bis zu minimalinvasiven beidseitigen Augmentationen und Implantationen im stark atrophierten leeren Oberkiefer reicht (s. Abb. 5 u. 6). Herausragendes Merkmal der hydrodynamischen Sinusbodenelevation ist die Möglichkeit über einen lediglich drei Millimeter durchmessende crestalen Zugang den Sinusboden komplett bis zu einer Höhe von 12–14 Millimeter zu augmentieren.

Ein weiterer erfreulicher Effekt ist auf Patientenseite zu verzeichnen. Bei Durchführung des Intralift-Verfahrens über eine 6-mm-Schleimhautstanze bzw. nur minimaler crestaler Aufklappungen sind keine postoperativen Schwellungen bzw. Schmerzen oder Behinderungen im Alltag zu verzeichnen, wie die Auswertung der Patientenfragebögen ergab.

 

Detaillierte Informationen zu Theorie und Praxis des Intralifts finden Sie auf www.iausi.org im Downloadbereich.

 

OA DDr. Angelo C. Trödhan ist Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie Facharzt für ZMK und leitet das Zentrum für Gesichtsästhetik in Wien

 

Dr. Andreas Kurrek ist in der Implantologischen Tagesklinik mundart in Ratingen, Deutschland, tätig.

 

Prof. Dr. Marcel Wainwright ist in der Dental-Specialists-Klinik in Düsseldorf, Deutschland, tätig.

Von OA DDr. Angelo Trödhan, Dr. Andreas Kurrek und Prof. Dr. Marcel Wainwright, Zahnarzt

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