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Foto: Privat
Dr. René Gregor Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Spezialist für Parodontologie der EDA, Wien, und Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie
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Dr. René Gregor Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Spezialist für Parodontologie der EDA, Wien, und Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie

 
Zahnheilkunde 8. April 2009

„Wissen, was geht – Qualität in der Parodontologie“

Vom 23. bis 25. April 2009 findet in Sankt Wolfgang die 18. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie statt. Im Mittelpunkt: Workshops zur Früherkennung und -behandlung.

In der Fachdisziplin Parodontologie ist die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP) in Österreich die größte Fachveranstaltung und eine der wichtigsten im deutschsprachigen Raum.

 

Im Gespräch mit dem Zahn Arzt stellt Tagungsleiter Dr. René Gregor aus Wien die wissenschaftlichen Themenhighlights dieser Tagung vor.

 

Die Vorbereitungen der Fachveranstaltung sind in vollem Gange. Welche thematischen Schwerpunkte werden heuer auf der Jahrestagung der ÖGP aufbereitet?

GREGOR: Zum zweiten Mal in Folge haben wir als Themenschwerpunkte für die Mediziner einen implantologischen und einen parodontologischen Teil. Beispielsweise wird Dr. Ronnie Goené aus Amsterdam über Implantologie in der ästhetischen Zone sprechen. Im Sinne der Gesellschaft steht aber vor allem die qualitativ hochwertige Behandlung parodontologischer Erkrankungen im Mittelpunkt. Die ÖGP möchte ja erreichen, dass die Qualität der Diagnostik und der Standardtherapie im niedergelassenen Bereich verbessert wird. Daher lautet das Motto heuer auch: „Wissen, was geht, und Qualität in der Parodontologie.“

 

Muss daraus geschlossen werden, dass Patienten und Patientinnen im niedergelassenen Bereich nicht optimal versorgt sind?

GREGOR: Aus unserer Sicht ist hier noch vieles verbesserungswürdig. State-of-the-Art-Behandlungen werden von den Kassen praktisch nicht abgegolten, 95 Prozent der Kosten müssen die Patienten selber tragen. Wenn sie an eine Uniklinik gehen, kommt sie das günstiger: Ein Ein- griff an den Lappen kostet da vielleicht 200,–/300,– Euro, der Rest wird staatlich gestützt. Das Problem dabei ist, dass die Unikliniken natürlich nicht alle behandeln können. Die meisten Patienten sind daher auf Zahnarztpraxen angewiesen. Hier sind die realen Kosten dreimal so hoch. Die Folge ist, dass die niedergelassenen Kollegen die Klinikstandards herunterfahren.

Wir möchten auf der Tagung zeigen, dass es nicht nötig ist, herumzujammern, was alles nicht geht – eine Haltung, die übrigens noch kräftig von den Kliniken unterstützt wird, die das ja ebenfalls oft behaupten. Aber „best practice“ ist durchaus auch in der Praxis zu schaffen. Die Tagung soll hier unter anderem auch eine Motivation für alle Niedergelassenen sein.

Liefern Sie dafür so etwas wie eine Anleitung?

GREGOR: Ja, mit den theoretischen Grundlagen einerseits, vor allem aber in den praktischen Teilen der Tagung. Es gibt zahlreiche Work-shops für Zahnärzte und Zahnärztinnen sowie für Assistenten und Assistentinnen, etwa um die Früherkennung und -behandlung zu verbessern.

Seit Jahren zum ersten Mal bie-ten wir außerdem wieder ein Praktikerforum an. Dort präsentieren Kol-legen sechs Fälle aus dem niedergelassenen Bereich, über die dann in Round-Table-Diskussionen gesprochen wird (s. Kasten).

 

Mir ist aufgefallen, dass es auch häufig um psychologische Fragestellungen geht.

GREGOR: Absolut richtig. Es ist in den letzten Jahren immer klarer geworden, dass sich Stress modulie-rend auf Parodontosen auswirkt, Stichwort Parodontose in Gefängnissen. Wir gehen davon aus, dass eine Erkrankung einen anderen Verlauf nehmen kann, wenn Patienten Stressbewältigungsstrategien erlernen. Auf der Tagung werden diese Zusammenhänge umfassend dargestellt – die Umsetzung in der Praxis ist dann natürlich schwieriger.

 

Und warum gestaltet sich die praktische Umsetzung so schwierig?

GREGOR: Sagen Sie einmal einer Parodontose-Patientin, die wegen Zahnproblemen vor Ihnen sitzt, sie soll eine Psychotherapie in Erwä-gung ziehen – das kommt nicht immer sehr gut an. Ich möchte aber betonen, dass psychologische Erkenntnisse nicht nur Patienten betreffen. Auch Ärzte und Assistenten sollten ja ausgereifte und ausgeglichene Persönlichkeiten sein. Die Tagung bietet hier komplementärmedizinische Workshops an, die prophylaktisch wirken sollen, dieses Jahr etwa zum Thema Meridianmassage. Das ist eine Technik, mit der Entspannung und Ausgleich geschaffen werden kann. Es gibt auch Übungen von Meditationstechniken für alle Interessierten.

 

An welche Zielgruppe richtet sich die ÖGP-Tagung?

GREGOR: Hauptsächlich an niedergelassene Praxisteams. Im parodontologischen Bereich sind wir in Österreich die größte Veranstaltung und eine der wichtigsten im deutschsprachigen Raum. Es kommen pro Jahr im Durchschnitt 500 bis 600 Leute, die meisten aus Österreich, vielleicht zehn Prozent aus Deutschland. Für viele ist die Tagung schon fast eine Tradition – sicher auch, weil unsere Gesellschaftsabende immer so besonders nett sind.

Außerdem sind wir für Unternehmen aus der Dentalbranche interessant. Auch dieses Jahr wird es wieder eine umfangreiche, gut bestück-te Industrieausstellung geben, die über die neuesten Produkte und Trends informiert.

 

Das Gespräch führte Mag. Verena Ahne.

Mag. Verena Ahne, Zahnarzt 4/2009

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