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Foto: ZMK Innsbruck
Seit Anfang März 2009 steht die Universitätsklinik für Kieferorthopädie in Innsbruck unter einer neuen Führung.
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Seit Anfang März 2009 steht die Universitätsklinik für Kieferorthopädie in Innsbruck unter einer neuen Führung.

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Prof. Dr. Adriano Crismani Direktion der Universitätsklinik für Kieferorthopädie in Innsbruck

 
Zahnheilkunde 8. April 2009

Neuanfang in Innsbruck

Am 1. März 2009 hat Prof. Dr. Adriano Crismani die Direktion der Universitätsklinik für Kieferorthopädie in Innsbruck übernommen.

Prof. Dr. Adriano Crismani ist mit 39 Jahren „wahrscheinlich der jüngste Professor der Stadt“. Er stammt ursprünglich aus Italien, wo er 1994 an der Universität Triest promovierte. Im Jahr 1995 kam er nur „für kurze Zeit“ nach Österreich an die Universitätszahnklinik in Wien – und blieb die nächsten 14 Jahre, bis zu seiner Berufung nach Tirol.

 

Im Interview mit dem Zahn Arzt stellt der neue Vorstand der Universitätsklinik für Kieferorthopädie seine Pläne und Tätigkeitschwerpunkte vor.

 

Welchen ersten Eindruck konnten Sie an der Universitätsklinik bislang gewinnen?

CRISMANI: Ich habe hier eine wirklich wunderschöne und sehr moderne Abteilung vorgefunden, mit hoch engagierten, freundlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Ein großes Lob an meinen Vorgänger Prof. Dr. Martin Richter: Er hat das Haus über seine Pensionierung im Herbst 2008 hinaus penibelst geführt, unglaublich ordentlich – fast wie eine Apotheke. Aber es gibt natürlich trotzdem einiges zu tun. Ich bringe viel Energie und Tatkraft mit und bin sehr motiviert, etwas aus meiner Professur zu machen.

 

Welche Tätigkeitsschwerpunkte werden Sie als Vorstand dieser Universitätsklinik setzen?

CRISMANI: Ich habe vor, drei Bereiche neu zu gestalten: die Patientenbetreuung, die Forschung und die Lehre. Was die Patientenbetreuung angeht, ist mir eine enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Zahnärzten und -ärztinnen wichtig, vor allem aber auch mit den anderen Abteilungen der Universität – mit der Klinik für Zahnersatz und Zahnerhaltung, der Gesichtschirurgie, der plastischen Chirurgie und vielleicht sogar mit der Kinderklinik. Da soll es keine Konkurrenz geben, kein Gegeneinander – ich will ja niemandem etwas wegnehmen. Ich würde aber gern ein Netz aufbauen, um komplexe Fälle besser lösen zu können, so zum Beispiel Probleme von Syndrom- oder Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten-Patienten. Es sollen Kompetenzzentren entstehen. Ich denke, da gibt es im westlichen Österreich noch einigen Bedarf.

 

Wie soll so ein Netz beziehungsweise so ein Kompetenzzentrum aussehen?

CRISMANI: Ich stelle mir regelmäßige, interdisziplinäre Jours fixes vor, feststehende Sprechstunden für Patienten, in denen sie sich von den verschiedenen zuständigen Fachbereichen gleichzeitig über ihr Krankheitsbild informieren und über die möglichen Therapieschritte beraten lassen können. Für rein dentale Fragestellungen reicht es aus, wenn Vertreter der verschiedenen Abteilun-gen der Klinik zusammenkommen. Aber darüber hinaus möchten wir auch fächerübergreifend arbeiten.

Gibt es da keine Vorbehalte, etwa wegen zusätzlicher Kosten?

CRISMANI: Ich habe bis jetzt eigentlich sehr positives Feedback auf meinen Vorschlag bekommen. Von der plastischen Chirurgie gibt es bereits eine Zusage für eine gemeinsame Sprechstunde, zusammen mit der HNO. Wir werden wahrscheinlich alle zwei Wochen einen Termin anbieten. Das Gleiche strebe ich mit der Kieferchirurgie an, und wenn möglich auch mit der Kinderklinik.

Aber darüber hinaus sind wir natürlich für alle da, nicht nur für die komplizierten Fälle. Ganz abgesehen von den Patienten – ich bin ja hier an einer Universität, wo junge Zahnmediziner ihr Handwerk lernen müs- sen und eine fundierte Ausbildung in Kieferorthopädie erhalten sollen. Schon von daher kann man nicht nur Spezialfälle lösen.

 

Wie werden Sie die Forschung intensivieren?

CRISMANI: Die Forschung ist ein ganz wichtiger Bereich für mich, die ich sehr aktiv betreiben will und am neuesten Stand des Wissens entwickeln möchte. Das ist neu hier, da wurde bisher nicht viel gemacht. Persönlich sehe ich Forschung nicht als Selbstzweck, sondern als Möglichkeit, brennende Fragen zu klä-ren. Nun ja, das Wort „Forschung“ ist vielleicht etwas übertrieben – vor allem wird es wohl Untersuchungen geben. Aktuelle Fragen in der Kieferorthopädie sind zum Beispiel die skelettale Verankerung mit temporären Implantaten, Osteosyntheseplatten und Minischrauben oder die Behandlung von Patienten mit Kiefergelenksdysfunktionen.

Mich interessieren auch klini-sche Untersuchungen von Zahnbewegungen mit modernen Röntgenverfahren oder Untersuchungen biologischer Aspekte der Zahnbewegung, indem zum Beispiel Entzündungsmediatoren gemessen werden. Dann gilt es – in vitro und in vivo – ständig neue Materialien zu testen, die für klinische Untersuchungen laufend zur Verfügung gestellt werden wie beispielsweise Brackets und Drähte oder neue Verankerungssysteme. Nehmen Sie die modernen ligaturlosen Brackets: Da werden unter anderem die physikalischen Eigenschaften getestet. In vitro geht das – in Kombination mit unterschiedlichen Drähten – mithilfe von dreidimensionalen Messapparaturen, die die Kräfte und Drehmomente messen, die auf die einzelnen Zähne wirken. Solche Geräte habe ich allerdings in Innsbruck keine. Deshalb würde ich hier gerne mit meinem früheren Lehrer zusammenarbeiten, Prof. Dr. Hans-Peter Bantleon von der Kieferorthopädie in Wien.

 

Welche Pläne betreffen die Lehre an der Universität?

CRISMANI: An einer Universität darf die Lehre nicht zu kurz kommen. Eine gute Lehre ist die Visitenkarte einer Abteilung. Ich mache das auch wirklich leidenschaftlich und bereite zum Beispiel Vorlesungen bis spät in die Nacht hinein vor. Für mich ist es wichtig, dass ich nicht jedes Jahr die gleichen Dinge erzähle und die gleichen praktischen Übungen mache, sondern immer etwas Neues bringe und dabei aktuell sein. Ich weiß noch, wie wichtig es für Studenten und Studentinnen ist, dass sie den Eindruck gewinnen, ihnen möchte jemand etwas beibringen. Ein solcher Lehrer möchte ich sein.

 

Das Gespräch führte Mag. Verena Ahne.

Mag. Verena Ahne, Zahnarzt 4/2009

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