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Unser passiver Wortschatz – das sind all jene Worte, die verstanden, aber nicht unbedingt benutzt werden – besteht aus 30.000 bis 50.000 Wörtern.
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Zahnheilkunde 2. November 2011

Sprach-Müll entsorgen, Wort-Schätze heben!

Gesagt ist noch nicht gehört, gehört ist noch nicht verstanden und verstanden ist noch lange nicht einverstanden!

Diese Grundregel der Kommunikation hat es in sich. Ist im ersten Teil der Kommunikationskette schon der Wurm drin, schlängelt er sich bis zum letzten Teil weiter fort – und verschlingt bis dahin oftmals jeglichen Sinn. Die Wurmkur: mit klarer, präziser Sprache zu Effizienz und Eindeutigkeit.

 

„Sie haben mich falsch verstanden!“ – „Nein, ich weiß schon, worauf Sie hinaus wollen …!“ – „Wie ich Ihnen schon ausführlich erklärt habe …“. Dieses Gespräch zwischen Zahnarzt und Patient könnte noch unendlich lange so weitergehen. Ein Ergebnis wird es wahrscheinlich nie geben, und überzeugen lässt sich so auch niemand. Dennoch sind diese „Reizformulierungen“ in vielen Diskussionen zu hören. Aber auch die kleinen Brüder, die „Reizwörter“, haben es in sich: trotzdem, aber, dennoch. Damit bringen Sie den Adrenalinspiegel Ihres Gegenübers zum Kochen – ein sachlicher Informationsaustausch ist dabei nicht mehr möglich. Etwa 500.000 Wörter hat der Gesamtwortschatz der deutschen Sprache – etwa 150.000 davon stehen im Duden – da müsste es doch einen passenden Ersatz geben!

Worte bestimmen unsere Lebensrealität

Der passive Wortschatz – das sind alle Worte, die verstanden, aber nicht unbedingt benutzt werden – liegt zwischen 30.000 und 50.000 Wörtern. Ein Beispiel: Das Wort „gleichwohl“ werden Sie kennen und verstehen, aber vermutlich nur selten gebrauchen. Der aktive Wortschatz, also die Wörter, die üblicherweise benutzt werden, liegt lediglich bei 3.000 bis 4.000 Worten. Und: Boulevardzeitungen kommen mit etwa 1.000 Begriffen aus! Das bedeutet auf der einen Seite, dass man damit alles ausdrücken kann, auf der anderen Seite aber auch: Menschen mit verarmtem Wortschatz haben oft eine verarmte Wahrnehmung. Was nicht beschrieben werden kann, weil die Worte fehlen, existiert oftmals auch nicht in der Lebenswelt, nicht einmal in der Vorstellungswelt.

Weichmachern auf der Spur

„Eigentlich könnte, müsste, sollten Sie eventuell ....“ Prima, in diesem Satz sind sämtliche Weichmacher vorhanden, die uns häufig in der Kommunikation unterlaufen. Aussagen verlieren so die Kraft, sie verweichlichen. Das Schöne daran ist: Diese überflüssigen Schnörkel können auch prima weggelassen werden, und nichts fehlt! Das selbstkritische Überprüfen der eigenen Sprache – oder das Coachen durch eine zweite Person – bringt oftmals die unterschiedlichsten Weichmacher zum Vorschein, auf die man selbst nicht kommt, da der Gebrauch unbewusst abläuft.

Patientengespräche angenehm gestalten

Vorsicht auch bei den folgenden Aussagen: „Sie müssen beachten“ (besser: „Bitte beachten Sie“), „Das meine ich nicht“ (besser: „Ich meine Folgendes“), „Das gibt es doch gar nicht (besser: „Das ist für mich neu“). Auch mit Formulierungen wie „Das entspricht nicht den Tatsachen“ sollten Sie vorsichtig sein, selbst wenn es wirklich nicht den Tatsachen entspricht. „Das höre ich zum ersten Mal“ entschärft die Situation und unterstellt nicht gleich eine Unwahrheit! So lässt sich häufig mit kleinen Umformulierungen eine große Wirkung erzielen – eine Erweiterung des Wortschatzes und ein Hineindenken in die Lebenswelt des Patienten vorausgesetzt.

Diese Grundregeln sind nicht neu, werden aber häufig missachtet. Wie schwer es ist, aus unserer Haut zu schlüpfen, hat schon der griechische Dichter Äsop weit vor Christi Geburt mit folgender Fabel beschrieben: Ein Esel war in eine Löwenhaut geschlüpft, stolzierte nun im Wald umher. Die anderen Tiere fürchteten sich, doch als er auf einen Fuchs zuging, lachte dieser und sagte: „Ich würde mich ja fürchten, allerdings habe ich Dich eben „IA“ schreien hören ….“

Zur Person
Frank Wittke









Frank Wittke arbeitet als Trainer und Autor im Bereich Rhetorik und Führungskommunikation in Dortmund, Deutschland. Er hat Organisationspsychologie und Journalistik studiert und nach mehreren Jahren bei einer mittelständischen Wirtschaftsberatung das Trainingsinstitut „Qualit-Training“ gegründet.
www.frank-wittke.de

Von F. Wittke, Zahnarzt 11 /2011

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