zur Navigation zum Inhalt
Abb. 1: Ein wichtiges Foto für den Zahntechniker: So sahen die eigenen, natürlichen Zähne aus.

Abb. 2: Ausgangssituation: Die alte Prothese beeinträchtigte die Lebensqualität der Salzburgerin beträchtlich.

Abb. 3: Zwei Jahre nach Übergabe der neuen Prothese – die Kundin ist glücklich mit ihrem jetzigen Lächeln.

 
Zahnheilkunde 1. April 2011

Mehr Lebensqualität durch maßgefertigte Zahnprothesen

Nach der individuellen Versorgung eines zahnlosen Menschen wird deutlich, wieviel Lebensfreude durch „konfektionierten“ Zahnersatz im Laufe der Jahre verloren gehen kann.

Wir kennen es aus dem alltäglichen Umfeld: Menschen mit durchaus „schönen“ Zähnen, die aber trotzdem auch für Laien als klassische Prothesenträger erkennbar sind. Wenn sie dann neue Zahnprothesen wünschen und aus diesem Grund in die Praxis kommen, kann eine nähere Betrachtung des Bestands durchaus einen sorgfältig gestalteten Zahnersatz offenbaren – und dennoch scheint für den Betroffenen eine wesentliche Beeinträchtigung an Lebensqualität entstanden zu sein. „So ist das eben mit Zahnprothesen“, lautet eine häufige Antwort.

 

Patienten gewöhnen sich an „herkömmliche“ Zahnprothesen und lernen, damit im Alltag einigermaßen klarzukommen. Im zahntechnischen und meist sehr persönlichen Beratungsgespräch wird aber bald deutlich, dass sich im Laufe der Zeit nicht selten psychische Probleme und damit einhergehender Verdruss gegenüber Zahnärzten eingestellt haben. Offen gesagt habe ich den Eindruck, dass sich auf fachlicher Ebene nur ein verschwindender Anteil für diese Patientengruppe zu interessieren scheint. Warum das so ist, scheint auf der Hand zu liegen: Zum einen gibt es lukrativere Geschäfte in der Branche und zum anderen fehlt das Interesse, weil die Ausbildung – und das bedauere ich immer wieder – im Bereich Totalprothetik nicht ausreicht und längst verbesserungswürdig ist. Das betrifft Zahnärzte sowie Zahntechniker.

Kann es die Zahnheilkunde im 21. Jahrhundert verantworten, in diesem Bereich immer noch wie vor 100 Jahren zu arbeiten und kaum Forschung zu betreiben? Darf denn das sein, dass so viele Menschen, jung wie alt, mit gescheiterten Versorgungen ihr Auskommen finden sollen, egal in welch leidliche Verfassung sie dadurch kommen und eine gelungene Prothesenversorgung quasi zur Glückssache wird?

Ein Imageproblem

Der mäßig talentierte Zahntechniker, heißt es, „bastelt“ Prothesen, und nicht nur Kassenärzte fertigen die Leute angeblich mit 08/15-Versorgungen ab. Erfreulicherweise entspricht das nicht mehr ganz der Realität: Denn langsam werden auch Fachkollegen aufmerksam und erkennen das Potenzial der Teamarbeit in diesem Handwerk. Es wäre meines Erachtens sehr kurzsichtig, diese Herausforderung nicht ernst zu nehmen, denn die technischen Möglichkeiten und bewährte Konzepte sind heutzutage vorhanden. Der dringende Handlungsbedarf ist gegeben, und die Patienten zeigen sich durchaus bereit, zu investieren, wenn sie sich in guten Händen fühlen. Vonseiten des Fachpersonals sind Einfühlungsvermögen und in vielen Fällen erhöhte Zuwendung und Aufmerksamkeit erforderlich. Wie zur Zeit in vielen anderen Bereichen, ist auch hier Umdenken notwendig.

Ansprüche für effektives Kauwerkzeug

Der Wunsch nach einem beschwerdefreien Gebiss liegt bei zahnlosen Menschen sehr nahe. Dass ich hier nicht nur von ästhetischen Ansprüchen spreche, versteht sich wahrscheinllich von selbst. Denn für die erfolgreiche Rekonstruktion eines Gebisses ist in erster Linie ein funktionelles Behandlungskonzept inklusive Kiefergelenksvermessung und statischer Vermessung der Kiefer wertvoll und für die individuelle Zahnversorgung unverzichtbar. Weiters zu empfehlen sind eine Gesichtsanalyse und die Verwendung von früheren Fotos, um den ursprünglichen Gebisscharakter bestmöglich zu erreichen. Auch die persönlichen Vorstellungen und Wünsche unserer Patienten sind für die Optik des Werkes und für die letztendliche Zufriedenheit ausschlaggebend. Wenn sämtliche Details zwischen Patient, Arzt und Techniker abgeklärt wurden, können in weiterer Folge, durch gezielte Schritte, ansprechende Zahnprothesen gefertigt werden. Nur so kann ein effektives Kauwerkzeug entstehen.

Repräsentatives Fallbeispiel

Im nachfolgend vorgestellten Patientenfall möchte ich darstellen, in welch erfreuliche Richtung sich die ganzheitliche Arbeitsweise auswirken kann. Die Vorgeschichte der Patientin, einer heute 65-jährigen Salzburgerin, erachte ich als klassisch, sie spricht stellvertretend für viele Betroffene.

Frau L. hatte ihren Schilderungen zufolge immer schon Probleme mit ihrem Gebiss, vor allem auch wegen des schwachen Zahnschmelzes. Angeblich „liegt das in ihrer Familie“. Zudem war sie als Jugendliche so unglücklich gestürzt, dass ihre Schneidezähne beschädigt und in der Folge mit Jacketkronen versorgt werden mussten. Laut ihren Schilderungen hat sie in ihrem Leben viel Zeit beim Zahnarzt verbracht, fast schon monatliche Besuche, und dafür eine Menge Geld für Zahnversorgungen bezahlt. Zitat: „Ich sag Ihnen was, ich hab’ da viel mitgemacht. Ich fühlte mich irgendwann nicht mehr vollwertig, besonders bei der Prognose meines Zahnarztes, alle Zähne reißen lassen zu müssen und Vollprothesen zu bekommen.“

Die Patientin hatte von da an schlaflose Nächte und immer wieder Albträume. Bilder ihrer Tante mit Zahnprothesen von der Krankenkassa, die sie vor jeder Mahlzeit in ihrer Rocktasche verschwinden ließ, um sie nach dem Essen wieder in den Mund zu stecken, kamen ihr in den Sinn. Das komplette Gebiss der Tante passte in keinster Weise zum Gesicht. Auch die Farbe des Zahnfleisches war unnatürlich rosarot gestaltet, und jeder erkannte die falschen Zähne sofort.

Das Verdrängen und lange Hinauszögern durch die Patientin, machten die Sache nicht besser, und im Alter von 43 Jahren wurden die restlichen 14 Zähne in einer Sitzung extrahiert und durch Immediatprothesen ersetzt. Erst zu Hause bemerkte Frau L., dass die Prothesen überhaupt nicht zu ihrem Gesicht passten. Auch der Gaumen war so dick, dass sie selbst nach Wochen nicht richtig sprechen konnte. Befriedigender Halt beider Prothesen konnte nur einigermaßen mit reichlich Prothesenkleber erzielt werden, was ihr Geschmacksempfinden stark beeinträchtigte.

Neuer Zahnersatz

Frau L. schämte sich immer mehr und begann, den Kontakt mit anderen Leuten zu umgehen. Ließ es sich nicht vermeiden, hielt sie sich sogar beim Sprechen eine Hand vor den Mund und durchlitt noch mehr schlaflose Nächte. „Ich sah entstellt aus und traute mich kaum mehr zu sprechen und noch weniger zu lachen. Obwohl die obere Prothese so dick war, sah mein Mund furchtbar aus, und die Lippen wirkten runzlig, wie eingefallen.“ In ihrer Verzweiflung kontaktierte sie eines Tages einen ihr bekannten Zahntechniker und beauftragte ihn, neue Zahnprothesen anzufertigen. Dieser nahm sämtliche Behandlungsschritte im Haus der Patientin selbst vor, und das zu einem günstigen Preis. Die neuen Prothesen waren um einiges besser als die ursprünglichen. Frau L. lernte – immerhin mit weniger Klebstoff –, damit zurechtzukommen. Die Sorge aber, eine ihrer Prothesen könnte irgendwann einmal kaputtgehen, begleitete sie, besonders als sie erfuhr, dass ihr Zahntechniker einen Herzinfarkt erlitten hatte und nicht mehr arbeiten würde.

Vor drei Jahren benötigte die Patientin erneut Zahnprothesen und begann, Zeitungsausschnitte über dieses Thema zu sammeln. Sie überlegte lange, sich in Ungarn versorgen zu lassen. Doch trotz verlockender Angebote blieb sie unsicher, auch weil sie für die Behandlung nicht so weit reisen wollte. Zudem würden heimische Zahnärzte die weitere Behandlung „bei Fremdgehern“ ablehnen, wie sie von mehreren Seiten geschildert bekam. Sie war verzagt und sehr skeptisch und freute sich umso mehr, als sie einen Zeitungsartikel mit meinem speziellen Angebot für individuell gefertigte Zahnprothesen entdeckte. Sie kontaktierte mich mit dem Gedanken: „Schlimmer kann’s nicht werden, er gibt außerdem Zufriedenheits- und Geld-zurück-Garantie, da kann nicht viel schiefgehen.“

Die anfängliche Skepsis legte sich, mit dem Praxisteam hatte die Patientin ein gutes Gefühl. Und sie entschied sich, nach Rücksprache mit ihrer erwachsenen Tochter, für den Schritt der Prothesenversorgung.

Individuelle Ansprüche

Als wichtigen Wunsch gab Frau L. gutes Kauen an; das sei ihr bei den zukünftigen Zahnprothesen besonders wichtig. Außerdem wolle sie eine helle Zahnfarbe und schönes Zahnfleisch. Weiters brachte sie Fotos von früher mit und äußerte kleine Änderungswünsche in der Zahnstellung. Wir einigten uns auf Zahnfarbe A3, die Zahnprothesen wurden in der Folge Schritt für Schritt nach einem bewährten Behandlungskonzept gefertigt. Um sicherzugehen, dass sich Frau L. bei der Wachsprobe auch entspannt für die neue Optik entscheiden konnte, luden wir sie ein, zu diesem Termin ein kritisches Familienmitglied oder „die beste Freundin“ mit in die Praxis zu nehmen. Sie entschied sich erneut für ihre Tochter, die bei dem Termin frohlockte: „Mama, du schaust sexy aus!“

Heute, zweieinhalb Jahre später, schildert Frau L. ihre Eindrücke: „Die Umstellung auf die neue Verzahnung war kein Problem, im Gegenteil, ich konnte nach kurzer Zeit des Eintragens so richtig gut kauen. Ich habe bald bemerkt, dass ich Nüsse knabbern und zu meiner großen Freude wieder Ripperln „abkiefeln“ konnte. Der Halt ohne Kleber ist so gut, dass ich die obere Prothese zum Reinigen kaum runterbekomme. Und so toll, dass ich die Zähne Tag und Nacht im Mund behalten darf! Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich immer wieder Komplimente bekomme, auch von Bekannten, die sagen, ich schau sehr natürlich aus und kann stolz sein. Die Zähne passen gut zu mir, und ich bin eine große Sorge los. Das alles veränderte mein Auftreten. Mein Gesicht schaut frisch aus, und meine Tochter sagte vor Kurzem stolz: „Klass kommst daher, ich bin froh, dass du da hingegangen bist!“

Jeder gewinnt

Ich freue mich auf die Zeit, wenn die Totalprothetik aus dem Schattendasein der Zahnheilkunde hervor-tritt und ihr ganzes Potenzial als wichtige Gesundheitsvorsorge entfaltet. Ganz besonders im Sinne von Patient, Zahnarzt und nicht zuletzt Zahntechniker.

 

Michael Crepaz betreibt ein zahntechnisches Atelier im Salzburger Land und hat sich auf individuelle Zahnprothesen spezialisiert.

www.totalprothetik.com

Von ZT Michael Crepaz, Zahnarzt 4 /2011

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben