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Foto: Jeannette Meier Kamer
Das direkt am Hafen gelegene Kongresszentrum im Palais des Festivals war die perfekte Kulisse für hochkarätige wissenschaftliche, klinische und praktische Fortbildung.

Chairmen des Symposiums (v.l.n.r.): Daniel Buser, Mariano Sanz, Pascal Valentini, Franck Bonnet.

Foto: Jeannette Meier Kamer

85 Redner und Moderatoren, 24 Workshops, 145 Posterpräsentationen, ein interaktives klinisches Forum und 60 Firmen in der Industrieausstellung verknüpften Wissenschaft und Praxis.

 
Zahnheilkunde 10. Mai 2011

Osteology in Cannes

Großes Interesse an regenerativer Zahnmedizin: Rund 3.000 Teilnehmer profitierten von hochkarätigen Vorträgen.

Bei „Osteology in Cannes“ vom 14. bis 16. April 2011 diskutierten international anerkannte Wissenschaftler und Kliniker, ob neue Erkenntnisse die etablierten regenerativen Behandlungskonzepte in Frage stellen und welche neuen Therapien und Produkte zuverlässig in der täglichen Praxis angewendet werden könnten. Neben der Knochenregeneration stand auch das Weichgewebemanagement im Mittelpunkt.

 

Beim internationalen Osteology Symposium erfuhren die rund 3.000 Teilnehmenden aus 70 Ländern die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in der regenerativen Zahnmedizin und erhielten zahlreiche Richtlinien und Tipps für die tägliche Praxis. Mit insgesamt 85 Rednern und Moderatoren, 24 Workshops, 145 Posterpräsentationen, einem interaktiven klinischen Forum und 60 Firmen in der Industrieausstellung verknüpfte das Osteology Symposium Wissenschaft und Praxis und ermöglichte den wertvollen Austausch von Wissen und Ideen zu einer Vielzahl regenerativer Indikationen. Die Teilnehmenden erhielten viele Informationen zum aktuellen Stand der Wissenschaft und den neuesten Trends in der Knochen- und Weichgeweberegeneration.

Komplikationen bei der Knochenregeneration vermeiden

Die Guided Bone Regeneration (GBR) ist eine äußerst erfolgreiche Behandlung bei Dehiszenzdefekten, aber auch bei ausgeheilten schmalen Kieferkämmen. Eine der am häufigsten auftretenden Komplikationen der GBR ist die Membranexposition. Membranen mit einer verlängerten Resorptionszeit wie quervernetzte Kollagenmembranen haben eine höhere Komplikationsrate als native Kollagenmaterialien: Im Falle einer Exposition ist die Heilung des Weichgewebes beeinträchtigt und das Risiko für Wundinfektionen und Knochenverlust steigt.

Bei der Behandlung frischer Extraktionsalveolen kann die Resorption des bukkalen Knochens nicht verhindert werden. Jedoch kann die Kontur des Kamms erhalten werden, wenn ein langsam resorbierendes Knochenersatzmaterial appliziert wird. Die Sofortimplantation in Extraktionsalveolen birgt besonders in ästhetischen Bereichen und bei dünnem Gewebe Risiken. Aus diesem Grund muss der geeignete Implantationszeitpunkt in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation und dem Risikoprofil sorgfältig ausgewählt werden.

Risikomanagement bei Periimplantitis

Die wichtigsten Risikofaktoren für Periimplantitis sind mangelnde Mundhygiene, eine Anamnese mit Parodontitis und Rauchen. Aber auch für Implantate, die eine radiologische Defektgröße von mehr als einem Millimeter aufweisen, besteht ein erhöhtes Risiko. Die positive Wirkung nichtchirurgischer Therapien wie lokale antiinfektiöse Behandlungen, Kürettieren oder Ultraschall ist vorübergehend. Bei suprakrestalen und zirkumferenziellen Defekten können Knochenersatzmaterialien und Kollagenmembranen eine Behandlungsoption darstellen. Die Erfolgsraten sind jedoch niedriger als bei normalen GBR-Verfahren.

Obwohl die Sinusbodenaugmentation mit Knochenersatzmaterialien oder autogenem Knochen ein standardisiertes, zuverlässiges Verfahren ist und die Komplikationsrate insgesamt niedrig ausfällt, ist eine sorgfältige Fallauswahl und Planung aller Behandlungsschritte wichtig, um Komplikationen zu vermeiden. Bei komplexen Knochenaugmentationen wie vertikalen Rekonstruktionen erzielen intraorale Knochenblöcke, die mit Knochenersatzmaterial konturiert werden, positive Ergebnisse.

Chirurgen sollten bei ausgeprägten Knochendefiziten komplizierte Techniken vermeiden, wenn gute Behandlungsresultate auch einfacher erzielt werden können, zum Beispiel durch die Verwendung schmaler Implantate. Die größten Herausforderungen bei komplexen Fällen sind das Weichgewebemanagement, die korrekte 3-D-Planung und die optimale Stabilisierung des Augmentats. In der Zukunft könnten Wachstumsfaktoren wie PDGF oder BMP die Eingriffe erleichtern, eine schnellere Heilung ermöglichen und die Morbidität reduzieren. Hier werden jedoch weitere Studien benötigt.

Parodontale Regeneration und Wurzeldeckung

Regenerative Verfahren unter Verwendung von Knochenersatzmaterialien in Kombination mit Schmelzmatrixproteinen verbessern die Langzeitprognose für Zähne. Das Weichgewebemanagement ist für den Erfolg äußerst wichtig: Das Lappendesign sollte einen spannungsfreien primären Wundschluss und eine vollständige Abdeckung gewährleisten. In der Zukunft könnten Wachstumsfaktoren wie PDGF und GDF-5 in der parodontalen Regeneration eingesetzt werden.

Bei der Rezessionsbehandlung sind das Aussehen des Weichgewebes und die Farbübereinstimmung für das ästhetische Ergebnis wichtiger als eine komplette Wurzeldeckung; aber auch die Position der Schmelz-Zement-Grenze, das Vorliegen von Abrasionen und die Erwartungen des Patienten müssen berücksichtigt werden. Manchmal sind andere Behandlungen wie Kronenverlängerung oder zusätzliche Kompositrestaurationen die bessere Lösung.

Keratinisierte Mukosa für gesundes Gewebe

Je breiter die keratinisierte Mukosa ist, desto geringer ist der Knochenverlust und desto besser ist die Gesundheit des Gewebes um das Implantat. Sofern möglich, sollte die keratinisierte Mukosa mindestens zwei Millimeter breit sein. Bei der Augmentation von Weichgewebe ist eine angemessene Lappendicke wichtig, um eine optimale Revaskularisation des Weichgewebetransplantates zu erzielen. Eine zusätzliche Ischämie durch die Wundnaht sollte vermieden und die Stabilität des Blutkoagulums sichergestellt werden. Eine gewisse Lappenspannung kann die Heilung unterstützen.

Eine neue Kollagenmatrix scheint ein geeigneter Ersatz für Bindegewebstransplantate zu sein. Die Verwendung dieses Materials in Studien resultierte in einer vergrößerten Breite des keratinisierten Gewebes sowie in einer Verbesserung der Farbübereinstimmung. Bei der Rezessionsbehandlung um Zähne konnte die Kollagenmatrix in Verbindung mit einem koronalen Verschiebelappen einfach und schnell eingesetzt werden und reduzierte im Vergleich zu Bindegewebstransplantaten die Morbidität.

Hochkarätige Fortbildung in perfekter Kulisse

Im Rahmen der Osteology Research Session wurden verschiedene von der Osteology Foundation geförderte präklinische und klinische Studien vorgestellt, die Antworten auf aktuelle wissenschaftliche Fragen in der regenerativen Zahnmedizin gaben. Die zahlreichen Posterpräsentationen ermöglichten weitere Einblicke in eine große Anzahl von Forschungsprojekten aus der ganzen Welt.

Die wunderschöne Côte d’Azur und das direkt am Strand und dem Hafen gelegene Kongresszentrum waren die perfekte Kulisse für ein inspirierendes Symposium, das eine hochkarätige wissenschaftliche, klinische und praktische Fortbildung bot. Das i-Tüpfelchen war die Osteology Movie Party am Freitag, bei der die Teilnehmer bis spät in die Nacht feierten und tanzten.

DeguDent Austria und Osteology

„Mehr als 100 Teilnehmer aus Österreich und CEE zeigen den hohen Stellenwert dieses Symposiums für unsere Kunden“, freut sich Heinz Moser, Geschäftsführer der DeguDent Austria und Vertriebspartner für Geistlich-Produkte in Österreich und CEE, über die hohe Teilnehmeranzahl. Die Zusammenarbeit mit der Osteology Stiftung ist für DeguDent Austria sehr wichtig. Neben der intensiven Bewerbung der internationalen Osteology Symposien war Österreich vor einigen Jahren auch selbst Veranstaltungs-ort eines nationalen Kongresses. Moser: „Auch in den nächsten Jahren möchten wir wieder mit Wien oder Budapest Standort eines nationalen Kongresses sein.“ Neben Osteology bietet DeguDent ein vielfältiges Programm an nationalen Weiterbildungsveranstaltungen an.

DeguDent Austria vertreibt mit etwa rund 80 Mitarbeitern in Österreich und CEE-Produkte der DeguDent, DENTSPLY Friadent, DENTSPLY DeTrey, DENTSPLY Rinn, Cendres+Métaux und Geistlich-Biomaterialien.

 

Quelle: www.osteology-cannes.org

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