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Fotos (6): Luciak-Donsberger
Die Anleitung zum richtigen Zähneputzen zählt zum Pflichtprogramm.
 
Zahnheilkunde 6. März 2009

Mundpropaganda

für Rundumservice

Professionelle Dentalhygiene kann bedrohte Zähne retten und

Implantate länger erhalten.

Laut einer Studie des Österreichisches Bundesinstitutes für Gesundheitswesen (ÖBIG) sind Parodontalerkrankungen die häufigste Ursache für Zahnverlust. Was nicht verwundert, wenn man sich die Statistik genauer ansieht: Nicht weniger als 20 Prozent der 35- bis 44-Jährigen und 40 Prozent der 65- bis 74-Jährigen knabbern an den Folgen behandlungsbedürftiger Zahnfleischerkrankungen. Ein inakzeptabler Zustand, dem laut Diplom-Dentalhygienikerin Dr. Claudia Luciak-Donsberger mit umfassender Aufklärung und professioneller Dentalhygiene in den Zahnarztpraxen abgeholfen werden könnte.

 

„Als ich Anfang der 1980er-Jahre mein Studium der Dentalhygiene in San Francisco beendete, galt es als vorrangiges Ziel, die Patienten dahingehend zu unterstützen, ihre eigenen Zähne bis ans Lebensende zu erhalten“, erinnert sich Luciak-Donsberger, Gründerin und Vorsitzende des Vereins der Diplom-DentalhygienikerInnen (VDHÖ). Als Studentin war sie damals sehr beeindruckt von den Erfolgen, die in Kalifornien durch jahrzehntelange Bemühungen im Bereich der Prophylaxe und der konservativen Parodontologie erzielt werden konnten: „Betagte PatientInnen über 80 und 90 Jahren mit gesunden eigenen Zähnen waren in unserer Praxis keinesfalls die Ausnahme. Sie konnten sich ausgewogen ernähren und unbeschwert lachen. Damals erkannte ich den Gewinn an Lebensqualität, den eigene gepflegte Zähne im Alter mit sich bringen.“

Laut Luciak-Donsberger sind sich zu wenige Patienten bewusst, dass sie unabhängig von ihrer Veranlagung die eigenen Zähne durch richtige Pflege und Vorbeugung ein Leben lang erhalten könnten. Die Voraussetzung dafür wäre aber eine umfassende Aufklärung über sorgfältige Zahnreinigung von Kindheit an und die entsprechende Bereitschaft, regelmäßig eine fachgerechte professionelle Dentalhygienebehandlung in Anspruch zu nehmen.

Das Ziel: weniger Lückenbüßer

Da Parodontalerkrankungen in Österreich die häufigste Ursache für Zahnverlust darstellen, gilt es als vorrangiges Ziel, diese entweder zu verhindern oder, wenn sie schon aufgetreten sind, erfolgreich zu behandeln. Ein Unterfangen, das laut Meinung von Luciak-Donsberger durchaus in den meisten Fällen möglich wäre: „Eine große Anzahl wissenschaftlicher Studien zeigen, dass gut ausgebildete DentalhygenikerInnen in vielen Fällen parodontal erkrankte Zähne auch ohne Zahnfleischoperationen retten können.“ Für Luciak-Donsberger, selbst diplomierte Dentalhygienikerin, stehen in Österreich allerdings zu wenige kompetente Fachkräfte zur Verfügung, um fortgeschrittene Fälle beurteilen und gleichzeitig auch effizient behandeln zu können. „Bei uns arbeiten derzeit nur zehn international ausgebildete Dentalhygienikerinnen, weil hier keine Ausbildung für diesen Beruf angeboten wird. Dadurch gibt es kaum ausreichend ausgebildete Fachkräfte, die zur Erhaltung solcher Zähne beitragen könnten.“ Die Folge: Betroffene Zähne würden in vielen Fällen zu schnell gezogen werden. „Seit es die Möglichkeit von Implantaten gibt, sind leider die Bemühungen noch geringer geworden, Zähne zu erhalten. Obwohl das mit Sicherheit die bessere Alternative wäre.“

Problemfall Periimplantitis

Zudem eignet sich nicht jeder Patient für ein Implantat, wie Luciak-Donsberger betont: „Bevor ein Patient für ein Implantat infrage kommt, muss er ausführlich instruiert und motiviert werden. Nach einigen Wochen oder Monaten sollte unbedingt überprüft werden, ob das Putzverhalten den Erfolg eines Implantats ermöglicht. Und natürlich sollten die Entzündungen an den verbleibenden Zähnen vorher erfolgreich behandelt worden sein – was leider selten der Fall ist“.

Besonders heikel sind Patienten, die ihre eigenen Zähne wegen Parodontitis, Rauchen und mangelhafter Pflege verloren, ihr Verhalten aber nicht wesentlich geändert haben. Bei notorischen Pflegemuffeln sollten keine Implantate gemacht werden, da sie vermehrt zu Periimplantitis neigen. Eine Entzündung, die häufig zum Verlust des Implantats führt, da es dadurch nicht im Knochen verankert bleibt. Luciak-Donsberger: „Ich sehe selbst viele Probleme mit Implantaten bei Personen, denen nie gezeigt wurde, wie man sie pflegt oder die gar keines bekommen hätten sollen, weil sie einfach nicht motiviert oder motorisch dazu in der Lage sind, es ausreichend zu pflegen.“ In Schweden werden derzeit groß angelegte Studien über die Häufigkeit und Ursachen von Periimplantitits ausgewertet, die ersten Erkenntnisse im Juni bei der Europerio in Stockholm präsentiert.

Dentalhygiene als ganzheitliche Gesundheitsvorsorge

Zu Beginn des zweiten Jahrtausends geht es für Luciak-Donsberger aber um mehr als den Erhalt der eigenen Zähne. „Mit Hilfe von professioneller Zahnhygiene können wir nicht nur dazu beitragen, dass Menschen Zahnfleischentzündungen in den Griff bekommen, sondern in der Folge auch das Immunsystem entlasten und die Lebenserwartung verbessern. Schafft man es zum Beispiel, Frauen im gebärfähigen Alter dazu zu motivieren, die Bakterien in ihrer Mundhöhle im Gleichgewicht zu halten, können wir vielleicht in dem einen oder anderen Fall dazu beitragen, eine Fehl- oder Frühgeburt zu verhindern. Ähnliches gilt für Patienten mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“

Beispielgebend sind auch hier die USA, wo der Beruf des Dentalhygienikers vor mehr als hundert Jahren eingeführt wurde und heute mehr DentalhygienikerInnen als ZahnärztInnen tätig sind: „Aktuelle Studien zeigen, dass Patienten dort häufiger präventive als restaurative Dienstleistungen in Anspruch nehmen.“

Fotos (6): Luciak-Donsberger

Die Anleitung zum richtigen Zähneputzen zählt zum Pflichtprogramm.

Wichtig: Motivation zum regelmäßigem Gebrauch von Zahnseide.

Zuviel Druck mit der Zahnbürste kann zu Abrasionen führen.

Bei der Reinigung von Implantaten bewährt sich extra dicke Zahnseide.

Büschelbürsten verhindern ein Zerkratzen von Metallflächen.

Besondere Reinigungstechniken für schlecht zugängliche Stellen.

Von Mag. Andrea Fallent, Zahnarzt

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