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Foto: Privat
Prof. Dr. Hans-Peter Bantleon Tagungsleiter
 
Zahnheilkunde 1. April 2011

„Ein schönes Gesicht muss schön bleiben“

Tempo und Technik sind auch in der Kieferorthopädie aktuelle Themen.

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Internationalen Kieferorthopädischen Fortbildungstagung in Kitzbühel sprach Tagungsleiter Prof. Dr. Hans-Peter Bantleon im Interview mit dem Zahn Arzt über seine Gewichtung der Prioritäten.

 

Tempo sehen manche Kollegen als einen sehr wichtigen Faktor in der kieferorthopädischen Behandlung, gefolgt von der richtigen Technik. Wie sehen Sie das?

BANTLEON: Zeit ist nicht das Wichtigste. Es gibt wohl Patienten, bei denen sich die Zähne schneller bewegen lassen als bei anderen, die sogenannten „fast-mover“, aber ebenso gibt es die „slow-mover“, bei denen sich die Zähne eben nur langsam bewegen lassen. Das sieht man aber erst in der Behandlung.

Und wie sieht es mit der Technik aus?

BANTLEON: Je nach Anliegen und Fallkomplexität wählt man die eine oder andere Technik aus; nicht aber, um schneller zum Ziel zu kommen. Dass so etwas funktioniert, dafür gibt es auch keine wissenschaftlichen Belege. Da schließe ich mich der Meinung von Kollegen Dr. Weiland an: Man soll die Apparatur verwenden, die kontinuierlich und über eine längere Zeitdauer die Zähne bewegt.

 

Was ist dem Patienten heute noch ein großes Anliegen?

BANTLEON: Er will mehr Aufklärung.

 

Wo liegt das Problem?

BANTLEON: Kein Problem! Es ist nur so, dass die meisten Patienten, die heute in die Praxis kommen, sich schon sehr gut vorinformiert haben. Hier liegt die Herausforderung dann darin, dass man sich als behandelnder Kieferorthopäde auch laufend informiert und sich davon nicht beirren lässt, wenn der Patient nach Begriffen und Methoden fragt, die er im Netz gefunden oder irgendwo gehört hat, die aber einem selbst nicht vertraut sind. Man muss sich auf den Patienten einlassen – dann gewinnt man einen loyalen Patienten und hat die gesetzliche Verpflichtung, den Patienten genau zu informieren, gleich miterfüllt.

 

Apropos Loyalität: Schon seit vier Jahrzehnten kommen Kieferorthopäden aus allen Richtungen zu dieser Tagung nach Kitzbühel. Ihr Erfolgsrezept?

BANTLEON: Kontinuität, Kontinuität und noch einmal Kontinuität! Wir sind unablässig auf die Qualität bedacht: angefangen bei den weltbesten Referenten mit neuesten Ergebnissen über aktuelle Themen bis hin zur Infrastruktur, die der Tagungsort bietet, und die Austauschmöglichkeit mit renommierten Referenten wie erfahrenen Kollegen.

 

Und über welche fachlichen Inhalte würden Sie persönlich zum Beispiel in den Pausen mit Kollegen diskutieren?

BANTLEON: Über den Nasolabialwinkel etwa: Das harmonische Zusammenspiel zwischen Oberlippe und OK-Schneidezähnen ist heute wichtiger denn je. Früher hat man sich eher an skelettalen Strukturen, also am Hartgewebe, als am Weichgewebe orientiert. Doch heute entscheiden mit Rücksicht auf Funktion und Behandlungsmöglichkeiten vor allem ästhetische Aspekte über das Behandlungskonzept. Denn ein schönes Gesicht muss schön bleiben!

 

Das Gespräch führte DDr. Andreas Scheiderbauer

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