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Fotos (3): Koelnmesse GmbH
Die nächste IDS wird vom 12. bis 16. März 2013 ebenfalls in Köln stattfinden.

115.000 Fachbesucher aus 148 Ländern nutzen die Gelegenheit, sich mit den Experten auf den Ständen auszutauschen.

In erstmals vier Hallen zeigten 1.956 Anbieter ihre Materialien, Geräte, Verfahren und Dienstleistungen,

 
Zahnheilkunde 1. April 2011

Großes Interesse an Innovationen

Praxis und Labor auf der Überholspur: Im Rahmen der 34. Internationalen Dental-Schau (IDS) in Köln präsentierten 1.956 Anbieter aus 58 Ländern bedeutende Trends für die Zahnheilkunde.

Die IDS 2011 demonstrierte eindrucksvoll, dass digitale Abläufe und Techniken weiter auf dem Vormarsch sind und Behandlungen damit noch effizienter und qualitativ hochwertiger machen.

 

So standen auf der Dentalmesse Produkte und Systeme im Mittelpunkt, die Anwendern und Patienten Verbesserungen bei Vorsorge, Diagnostik und Zahnbehandlung bieten. Dazu zählen z.B. erweiterte Ultraschall-Systeme für die schmerzarme professionelle Prophylaxe, digitale Intraoralscanner, verbesserte Methoden für Wurzelkanalbehandlungen, neue Materialien für Zahnfüllungen, ästhetische Kronen und Brücken, die besonders naturgetreu aussehen, oder auch die verbesserte digitale Röntgendiagnostik, die insbesondere im Bereich der Implantologie von Vorteil ist.

Zahnersatz: digitaler Workflow

Eine der bedeutendsten aktuellen Entwicklungen stellt die Komplettierung der digitalen Herstellungskette von der zahnärztlichen Abformung bis zur fertigen Krone, Brücke oder Suprastruktur dar. Kamen bereits zur IDS vor zwei Jahren die ersten Oralscanner für eine „Abformung ohne Abformmaterial“ auf den Markt, so haben sich die Auswahlmöglichkeiten für Zahnarzt und Zahntechniker nun vervielfacht. Heute bietet eine ganze Reihe von Unternehmen dafür unterschiedliche Geräte und Techniken. Manche basieren auf Videosignalen, andere arbeiten unter Verwendung blauer LEDs oder nach dem konfokalen Prinzip, wieder andere kombinieren Optik und Ultraschall. Bei manchen Modellen kann selbst auf den Einsatz von Kontrastspray oder Puder gänzlich verzichtet werden.

Die primär generierten Scandaten lassen sich nun sogar für die Herstellung von individuellen Implantataufbauten nutzen. Bei bestimmten Verfahren werden nicht einmal mehr Abformpfosten benötigt - ein Plus an Effizienz und Weichgewebsschonung. Stattdessen wird ein Gingivaformer gescannt. Seine Oberfläche weist spezielle Markierungen auf, die alle für das digitale Design des Abutments erforderlichen Informationen wiedergeben.

Im Anschluss ist die Chairside- oder Labside-Fertigung von Restaurationen möglich, und in der Art der Kommunikation und der Kooperation in Netzwerken mit der Industrie sind neue Akzente hinzugekommen. Zu den jüngsten Entwicklungen zählen weit gehende Angebote von Zentralfertigern. Immer mehr Gerüstwerkstoffe werden verfügbar – neben Zirkonoxid, Kobalt-Chrom und Titan jetzt verstärkt Edelmetall. Aktuelle Innovationen ermöglichen dem Labor sogar eine CAD/CAM-Fertigung ohne betriebseigenes High-Tech-Equipment. Das Spektrum reicht bis zu speziellen implantatprothetischen Arbeiten einschließlich individueller ein- oder zweiteiliger Abutments. Auch öffnen sich selbst die vor Jahren nach außen hermetisch verschlossenen CAD/CAM-Systeme, zum Beispiel durch Schnittstellen zu Oralscannern von Wettbewerbern. Für das zahntechnische Labor wird es damit einfacher, den Wert des vorhandenen Geräteparks durch „Zusammenschaltung“ mit neuen Systemen aufzuwerten.

Kombination von DVT und CAD/CAM

Die Planung kompletter implantologischer Behandlungen wird durch die Kombination von DVT- und CAD/CAM-Technologie beflügelt, die es Zahnärzten neuerdings ermöglicht, Implantate chirurgisch und prothetisch simultan zu planen. Selbst Blöcke aus Knochenersatzmaterialien werden ja heute schon computergestützt gefräst. Auch die Gestaltung von Kauflächen wird inzwischen durch Software-Tools wesentlich erleichtert, und für die ästhetische Gestaltung eröffnen sich gleich mehrere attraktive zusätzliche Möglichkeiten.

So verfügt ein neues Zirkonoxid-Gerüstmaterial über eine besonders hohe Transluzenz. Damit lassen sich jetzt ästhetische Frontzahnrestaurationen mit lebendiger Lichtdynamik sicherer erreichen. Aufgrund aktueller Studienergebnisse eignet sich der Werkstoff darüber hinaus für substanzschonende vollanatomische Versorgungen im Seitenzahnbereich. Auch empfehlen sich neuartige polychromatische Rohlinge für die Press-Technologie zur Herstellung von hochästhetischen, monolithischen Front- und Seitenzahnkronen sowie für Veneers. Speziell anterior lassen sich Kronen und Veneers aus einem in seinem Inneren strukturierten Feldspatkeramikblock computergestützt herausfräsen, wobei sich je nach den ästhetischen Erfordernissen unterschiedliche Farbeffekte erzielen lassen.

Hightech im zahnärztlichen Alltag

Jenseits von CAD/CAM gibt die Füllungstherapie nach wie vor einen Großteil der Aufgaben in der zahnärztlichen Praxis vor – doch auch hier steckt Hightech drin. Aktuelle Entwicklungen in der Werkstofftechnologie führen unter anderem zu Glasionomeren, die deutlich länger als ihre Vorgänger im Mund des Patienten verbleiben können. Das macht in so manchem Fall, in dem bisher Amalgam verwendet wurde, eine ansprechende „Zwischenversorgung für mehrere Jahre“ möglich. Basis dafür sind mit Zink modifizierte reaktive Glasfüller, dies zu einem deutlich früheren Aufbau von mechanischer Festigkeit führen.

Bei der Versorgung im posterioren Bereich lassen sich jetzt okklusionstragende Restaurationen einfach „injizieren“: Der hochpräzisen Restaurationsaufbau erfolgt direkt aus der Spritze. Das neue Material ist in zwei Viskositäten verfügbar und gewährleistet selbst bei direkten Klasse-I- und Klasse-II-Restaurationen eine anatomisch korrekte Ausgestaltung im okklusalen Nahbereich.

Schwingungsenergie und Kapselzement

Bei einer Zeitersparnis von 30 Prozent lassen sich Kompositfüllungen jetzt mit Unterstützung von Schwingungsenergie legen. Die macht den Kunststoff zunächst fließfähiger, und nach Rückkehr zur erhöhten Viskosität kann das Komposit modelliert werden – und das bei geringer Materialschrumpfung und einer Aushärtungstiefe von bis zu fünf Millimetern.

Eine weitere Innovation für den „ganz normalen Alltag“: Zur Befestigung von Kronen, Brücken, Inlays (Gold) und Onlays steht jetzt Zement aus der Kapsel zur Verfügung. Gegenüber dem Anmischen von Hand bietet dieses Verfahren eine Reduzierung der Anmischzeit von 90 Sekunden auf zehn Sekunden und garantiert ein optimales Pulver-Flüssigkeits-Verhältnis.

Für eine Beschleunigung der Therapie bei einem einzelnen fehlenden Seitenzahn sorgen jetzt konfektionierte Brücken. Durch die substanzschonende Präparation von kleinen Slot-Kavitäten ist das jetzt in einer halben Stunde chairside zu bewerkstelligen. Das neue System eignet sich für die Versorgung bei Lücken mit einer Größe zwischen neun und elf Millimeter.

Endodontie: neue Feilen und Ozontherapie

Wird bei stark zerstörten und/oder von Bakterien befallenen Zähnen eine endodontische Behandlung notwendig, so stehen jetzt Systeme mit wenigen Feilen für ein sichereres und schnelleres Vorgehen zur Verfügung. Der Zahnarzt kann sich entscheiden, ob er beispielsweise mit drei maschinengetriebenen Feilen die gesamte Wurzelkanalaufbereitung bewältigen möchte oder neuerdings mit einer einzigen – was in 90 Prozent aller Fälle möglich ist. Er kann dabei sogar noch zwischen „schnelleren“ und „sanfteren“ Varianten wählen.

Auch die Ozontherapie befindet sich im Aufwind. Eine Weiterentwicklung schickt sich an, durch die höhere Ozonkonzentration von bis zu 32 g/m3 eine bessere Desinfektionswirkung und überzeugende Erfolge sowohl in der Kariestherapie wie in der Endodontie zu erzielen. Innerhalb weniger Sekunden sollen dabei 99,9 Prozent der Kariesbakterien inaktiviert und Proteine zerstört werden. Speziell in der Endodontie soll der Ozon-Einsatz nach der Aufbereitung in nur einer Minute alle Biofilmkeime im fein verzweigten Wurzelkanalsystem eliminieren können.

Zur Steigerung der Erfolgsquote in der Endodontie und zur Erhaltung der Pulpavitalität bietet sich ein neues, synthetisches, aber fast naturidentisches „Dentin“ auf Trikalziumsilikat-Basis an. Es fungiert – nach der üblichen Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha und Sealer– als Versiegelung der Perforation des Pulpabodens. Dabei wirkt es dank seines hohen pH-Werts gegen schädliche Mikroorganismen und eignet sich auch zur Füllung der Kavität vor der definitiven Versorgung. Das Material lässt sich neben der Anwendung in der Endodontie auch allgemein zur Unterfüllung bei bei tiefen Kavitäten oder für Inlays und Onlays sowie zur Überkappung einer freiliegenden Pulpa nutzen.

Creme gegen White Spots

In der Spezialdisziplin Kieferorthopädie machen neue Verfahren zur Bekämpfung von White Spots von sich reden. Das Problem: Brackets, Bänder und Apparaturen können problematisch für eine gründliche Mundhygiene sein. Selbst bei bester Compliance können während der KFO-Behandlung Kalziumverluste an Zähnen und damit weißliche Initialkariesläsionen entstehen. Eine spezielle Zahnschutzcreme, die sowohl vom Zahnarzt während der Behandlung als auch vom Patienten zu Hause eingesetzt werden kann, und lichthärtende Glasionomerzemente erlauben nun ein effektives Management von White Spots im Umfeld der KFO-Behandlung.

Sicherer diagnostizieren

Damit es gar nicht erst zu einer stärkeren Zerstörung von Zähnen kommt, stehen jetzt weiterentwickelte diagnostische und prophylaktische Möglichkeiten zur Verfügung. Mit bildgebenden Verfahren lassen sich zum Beispiel Initialkariesläsionen und unterminierende Karies bei intakter Kaufläche sicherer erkennen als mit der bloßen visuellen Inspektion – und das wird immer komfortabler. Namentlich haben sich Intraoralkamera und Fluoreszenzkamera endgültig zu einer kompakten Funktionseinheit vereint. Dabei eröffnen effektive Filterfunktionen neue Möglichkeiten in der Karies-, aber auch in der Paro- oder Endo-Diagnostik.

Neues für die Chirurgie

In der Chirurgie sorgt ein neues Präparat durch eine pH-Wert-Verschiebung und Stimulierung der Kollagen-Synthese für schonendere und beschleunigte Wundheilung – praktisch wie ein kompletter Knochenwundverband. Aufgrund der bakteriostatischen Wirkung soll sogar auf die Gabe von Antibiotika, Analgetika und Antiseptika oftmals verzichtet werden können. Für die Weichgewebschirurgie steht jetzt ein Nahtmaterial zur Verfügung, das durch eine besonders kurzfristige Resorption und ein neuartiges Abbauprofil eine schnelle Abheilung verspricht - und speziell im Frontzahnbereich auch eine verbesserte Ästhetik.

Die Lasertechnologie bringt indessen immer vielseitigere und flexibler einsetzbare Geräte hervor. Dank der Verwendung von Lithiumionen-Akkus lassen sich jetzt auch Diodenlaser ganz bequem von einem Behandlungszimmer ins nächste mitnehmen. Andere Geräte sind multitaskingfähig und verbinden die Vorteile des Lasers mit den Zusatzfunktionen der Hochfrequenz-Technologie. Die Anwendungsmöglichkeiten des Kombi-Systems erstrecken sich damit auf viele Indikationen - sowohl in der Parodontologie, Endodontie wie in der Implantat- und der Oralchirurgie.

Innovationstempo zieht an

Die Internationale Dental-Schau 2011 hat gezeigt: Das seit der Jahrtausendwende deutlich gesteigerte Innovationstempo erfasst alle Bereiche von Zahnmedizin und Zahntechnik. Dabei braucht man beim Einstieg in eine aktuelle Technologie oftmals das eine oder andere Problemchen, das vor drei bis fünf Jahren noch bestanden hat, gar nicht mehr zu bedenken – weil die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Dental-Industrie es inzwischen schon gelöst haben. So ergeben sich für Labor und Praxis immer wieder neue, manchmal überraschende Chancen.

 

 Quelle: www.ids-cologne.de

Die IDS 2011 in Zahlen
An der IDS 2011 beteiligten sich auf einer Bruttoausstellungsfläche von rund 145.000 m² (2009: 138.000 m²) 1.956 Unternehmen aus 58 Ländern (2009: 1.823 aus 57 Ländern). Darunter befanden sich 654 Aussteller und 17 zusätzlich vertretene Firmen aus Deutschland sowie 1.252 Aussteller und 33 zusätzlich vertretene Unternehmen – und damit 66 Prozent (2009: 65 Prozent) – aus dem Ausland. Schätzungen für den letzten Messetag einbezogen, kamen rund 115.000 Fachbesucher aus 148 Ländern (2009: 106.147 Fachbesucher aus 136 Ländern) zur IDS, davon rund 42 Prozent (2009: 38 Prozent) aus dem Ausland.
Quelle: www.ids-cologne.de

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