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Abb. 1+2: Abradierte Kunststoffzähne bei implantatgetragener Stegprothese

Abb. 3: Sägemodell und Präparation des Scannmodells

Abb. 4: Konstruktion der Prothesenzähne am PC

Abb. 5: e.max CAD „Blauling“ gefräst

Abb. 6: Reduzierter Rohling vor dem Kristallisieren

Abb. 7: Kristallisierter e.max CAD Rohling

Abb. 8: Auftragen der e.max Ceram Masse

Abb. 9: e.max Cad Rohling ausgearbeitet, vor dem Vergütungsbrand

Abb. 10: Malfarbe und Glasurmasse vor dem Brennen

Abb. 11: e.max Cad Zahn gebrannt

Abb. 12: Ätzen und Silanisieren der Keramikzähne

Abb. 13 + 14: Fertige Ober- und Unterkieferprothese

Abb. 15: Zufriedene Patientin bei der Übergabe der Prothesen

Abb. 16: Führungsflächen bei der Prothesenübergabe

Abb. 17: Führungsflächen nach drei Jahren Tragezeit

Abb. 18: Linke Eckzahnführung nach drei Jahren

 
Zahnheilkunde 13. Dezember 2010

Neue Wege zum individuellen Zahnersatz mittels CAD-CAM gefertigten Prothesenzähnen und ihre Bewährung nach drei Jahren Tragezeit

Es gibt neue Technologien, um auch ästhetisch sehr anspruchsvollen Totalprothesenpatienten ihre individuellen Wünsche erfüllen zu können. Es stellt sich die Frage, ob diese doch sehr aufwändige Herstellung auch bei längerem Tragen noch gute ästhetische und funktionelle Resultate bietet.

Vor drei Jahren versorgten wir eine Patientin mit einer Oberkiefer Totalprothese und einer Unterkiefer Hybridprothese auf zwei Implantaten und individuellen Zähnen, die mit Cerec InLab angefertigt wurden. Die Situation der Prothesen soll nach drei Jahren Tragezeit beurteilt werden.

Der Erfolg einer Rehabilitation eines Totalprothesenpatienten hängt von vielen Faktoren, aber hauptsächlich von der Ästhetik und der Funktion der Prothesen ab. Dies gilt auch für die Versorgung von Implantatpatienten. Ein wichtiger Aspekt ist somit die Auswahl der Prothesenzähne. Dabei stellt sich die Frage, ob man „Zähnen von der Stange“ verwendet oder ob die Prothesenzähne alters-, bzw. typgerecht angepasst werden sollen. Der anspruchsvolle Patient wünscht sich oft einen möglichst natürlich wirkenden individuellen Zahnersatz. Für diese Patienten bietet die heutige Zahntechnik mehrere Lösungsmöglichkeiten des Individualisierens an. Primär wird die Zahnform mit Hilfe alter Fotos ermittelt. Im einfachsten Fall können Konfektionszähne aus Kunststoff individuell beschliffen und mit diversen Compositmaterialien in der Form verändert werden.

Bei Prothesenzähnen aus Porzellan besteht ebenfalls die Möglichkeit, diese durch Beschleifen zu individualisieren und mit Keramikmalfarben und Glasurmassen zu charakterisieren, wie dies Jürg Stuck meisterlich vorgezeigt hat.

Auf Grund der höheren Kaubelastung von implantatgetragen Prothesen nützen sich Kunststoffzähne schneller ab als bei konventionellen, schleimhautgetragenen Prothesen (Abb. 1+2). Daher bietet sich hier der Einsatz von Keramikzähnen an.

Als „Cerec InLab“ Anwender nutzen wir die Möglichkeit der CAD/CAM unterstützten Fertigung im eigenen Labor. Mit diesem Programm können Vorlagen digitalisiert, am Bildschirm des PC die Zahnformen konstruiert und die Zahnrohlinge aus industriell gefertigten Keramikblöcken gefräst werden.

Falls frühere Modelle der gewünschten Situation vorhanden sind, können diese digitalisiert, bearbeitet und in der gleichen oder veränderter Form und Größe gefräst werden. Situationsmodelle vererbter Zahnform und Stellung (Kinder, Enkel), können ebenfalls als Vorlage dienen.

Derzeit stehen bei Cerec InLab folgende Materialien zur Verfügung:

  • Zirkoniumdioxyd: ca. 900MPa (Vita, Sirona, Ivoclar)
  • Feldspatkeramik: ca. 140MPa (Vita: MarkII, Trilux und Trilux Forte; Ivoclar: empress CAD, empress CAD Multi)
  • Lithiumdisilikat: ca. 360MPa (Ivoclar: e.max Cad MO,LT und HT)
  • weitere Anbieter, bei denen wir bis dato noch keine Erfahrung in der Verarbeitung gemacht haben, sind unter anderem: Sirona Cerec Blocs, 3 M Espe Paradigum

 

Feldspat- und Lithiumdisilikatkeramiken eignen sich gut zur maschinellen Fertigung und können ohne längere Standzeiten weiterverarbeitet werden. Dabei kann voll- oder teilreduziert, in Schicht- oder Maltechnik, gearbeitet werden.

Frühere Arbeiten fertigten wir in Mark II von Vita an. Die dann neu auf den Markt gekommenen e.max CAD Rohlinge der Firma Ivoclar überzeugten auf Grund der höheren Festigkeitswerte, daraus Implantatversorgungen zu fertigen. Die Materialvielfalt des, ohnehin im Labor vorhandenen „e.max Ceram“ Verblendmaterials, ermöglicht jegliche Freiheit für kreatives Zahntechnikerhandwerk.

An Hand eines Patientenfalles möchten wir wesentliche Schritte der Herstellung sowie das Ergebnis nach dreijähriger Tragezeit des Zahnersatzes vorstellen:

Die Patientin kam mit oberen und unteren Totalprothesen zu uns. Die untere Prothese hatte auf Grund der fortgeschrittenen Kieferkammatrophie keine Lagestabilität mehr und musste beim Sprechen mit der Zunge stabilisiert werden. Eine Vestibulumplastik ging der Implantation von zwei interforaminalen Straumann Implantaten voraus. Nach der Einheilung der Implantate konnte mit der neuen prothetischen Versorgung der Patientin begonnen werden.

Da die Ausgangssituation nicht den Vorstellungen des Teams (Patient, Zahnärztin, Zahntechniker) entsprach, wurde eine neue Lösung erarbeitet.

Dabei hielten wir uns an das bekannte Procedere der Totalprothetik:

mit Erstabformung, Funktionsabdruck, Bisswall und Wachsaufstellung von Kunststoffzähnen. Diese neue Situation kann ohne großen Aufwand zunächst als spätere Reserveprothese fertiggestellt und getestet werden, bevor sie die endgültige Vorlage der keramischen Arbeit darstellt.

Die Situation dieser Prothesen wurde dubliert, mit scanbarem Gips ausgegossen und ein Sägemodell hergestellt. Jeder einzelne Zahn muss wie ein Kronenstumpf präpariert werden (Abb. 3). Nach dem Digitalisieren des Modells wurde jeder Zahn einzeln mit der Cerec InLab 3 D Software konstruiert (Abb. 4) und aus e.max CAD Blöcken gefräst (Abb. 5).

Im präsentierten Patientenfall wurden die Frontzähne reduziert und mit Keramikmasse individuell aufgeschichtet und charakterisiert (Abb. 6–8). Die Seitenzähne fertigten wir in Maltechnik, welche nur einen Brand in Anspruch nimmt und somit rationell durchführbar ist (Abb. 9–11). Optional könnte man natürlich auch posterior in Schichttechnik arbeiten.

Im nächsten Arbeitsschritt werden im Artikulator die Pinmodelle durch die Meistermodelle ersetzt und die Keramikzähne aufgestellt. Vor der Fertigstellung wurde eine Ästhetikprobe in Wachs vorbereitet und kleine Korrekturen durchgeführt.

Die Kunststofffertigstellung erfolgte im herkömmlichen Stopfverfahren, mit Heißpolymerisationstechnik.

Zur Unterstützung der Hafteigenschaften zwischen Kunststoff und Keramik werden die Zähne mit Flusssäure geätzt und silanisiert (Abb. 12).

Eine letzte Kontrolle der Okklusion und Artikulation im Artikulator und anschließendes Ausarbeiten und Polieren (Abb. 13+14) der Versorgung beenden viele Arbeitsstunden für eine hoffentlich glückliche Patientin (Abb. 15). Die Remontage und endgültige Einstellung der Okklusion erfolgte sechs Wochen nach Eingliederung der Prothesen.

Die Patientin trägt diesen Zahnersatz nun seit über drei Jahren ohne Pro-bleme.

Das Abrasionsverhalten der Keramikzähne ist dem von natürlichen Zähnen sehr ähnlich (Abb. 16+17). Die funktionellen Führungsflächen der Frontzähne bleiben ebenfalls stabil und erhalten die Front-Eckzahn geführte Artikulation aufrecht (Abb. 18).

Fazit für die Praxis

Diese sicherlich aufwändige Technik bietet die Möglichkeit, einer Gruppe

von sehr anspruchsvollen Patienten (welche durchaus im Zunehmen ist) einen individuellen, abrasions- und funktionsstabilen Zahnersatz einzu- gliedern.

Die Lithiumdisilikat Werkstoffe sind den herkömmlichen Kunststoffmaterialien für Prothesenzähne im Abrasionsverhalten klar überlegen. Diese Stabilität kommt speziell bei implantatgetragenem Zahnersatz, welcher einer höheren Kaubelastung als Schleimhaut getragene Prothetik ausgesetzt ist, zum Tragen.

Korrespondenz: ZTM H. Oberweger Colingasse 5 A-6020 Innsbruck E-Mail:

Harald Oberweger, Martin Oberweger, Ingrid Grunert; Innsbruck, 7-8/2010

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