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Fotos: Prof. Dr. Erwin Tschachler
Abb. 1: Melanom
 
Zahnheilkunde 3. Februar 2009

Mundhöhle als Spiegel des Körpers

Die Mundschleimhaut ist eine jener Stellen, wo Erstmanifestationen von zellulären Immundefizienzen auftreten können.

Häufig machen sich Haut- und Allgemeinerkrankungen als Veränderung in der Mundschleimhaut bemerkbar. Dem Zahnarzt kommt im Sinne einer Früherkennung bei der Diagnose von Mundschleimhauterkrankungen eine besondere Bedeutung zu.

 

Die Inspektion der Mundhöhle ist integraler Bestandteil der dermatologischen Untersuchung, da viele Hautkrankheiten mit Mundschleimhautveränderungen einhergehen können. Ein typisches Beispiel ist der Lichen ruber planus (Knötchenflechte) der Haut, eine stark juckende, entzündliche Dermatose unbekannter Ursache mit typischen Hauterscheinungen, nämlich bis zu 0,5 Zentimeter großen Knötchen mit abgeflachter Oberfläche. An der Mundschleimhaut manifestiert sich diese Krankheit meist mit farnkrautartiger, weißlicher Zeichnung, die oft, aber nicht nur, an der Wangenschleimhaut auftritt.

Erosiver Lichen ruber planus

Eine Sonderform, bei der die Hauterscheinungen sogar fehlen können, ist der erosive Lichen ruber planus. Dieser verursacht persistierende, schmerzhafte Ulzera der Mundschleimhaut, die über Monate und Jahre bestehen können. Hier ist es besonders wichtig, das Vorliegen eines Plattenepithelkarzinoms oder einer autoimmun bullösen Dermatose (Pemphigus vulgaris, bullöses Pemphigoid etc.) der Mundschleimhaut durch Biopsie auszuschließen. Erst wenn dies geschehen ist, kann eine Therapie mit Kortikosteroiden lokal oder systemisch oder mit Calcineurin-Inhibitoren eingeleitet werden. Im Gegensatz zu jener Form, die in erster Linie die Haut betrifft, ist der erosive Lichen ruber planus der Mundschleimhaut häufig sehr therapieresistent.

Malignes Melanom und immundefiziente Patienten

Das maligne Melanom ist der aggressivste Tumor der Haut. Da Pigmentzellen nicht nur an der Haut, sondern auch an der Mundschleimhaut vorkommen, kann sich auch hier ein Melanom entwickeln (siehe Abb. 1). Daher sollte jede suspekte Pigmentveränderung der Schleimhaut unbedingt durch Biopsie abgeklärt werden.

Die Mundschleimhaut ist eine jener Stellen, wo Erstmanifestatio-nen von zellulären Immundefizienzen auftreten, und zwar sowohl bei der HIV-Krankheit als auch bei Immundefizienzen aufgrund immunsuppressiver Therapie, beispielsweise bei Patienten nach Organtrans- plantationen. Meist handelt es sich dabei um Infektionen, die sich mit sehr typischen klinischen Bildern präsentieren: massive, weißliche, abwischbare Auflagerungen im Falle einer Candidastomatitis (siehe Abb. 2) und – im Falle einer vegetierenden Herpes-simplex-Infektion – langsam wachsende Ulzera, die sich oft an den Übergangszonen der Schleimhaut zur Gesichtshaut bilden.

Sowohl Candidainfektionen als auch Herpes-simplex-Infektionen treten auch bei Menschen mit intaktem Immunsystem auf, aller- dings unterscheiden sich die Verläufe: Die Candidainfektion des im- mundefizienten Patienten kann wei- ter um sich greifen, zu einer Can- didaösophagitis und zur systemi- schen Infektion führen. Die vege- tierende Herpes-simplex-Infektion zeigt im Unterschied zu Fieberbla-sen oder einer herpetischen Gingivostomatitis, die innerhalb von 14 Tagen abheilen, keine Heilungstendenz, sondern Progredienz.

Systemische Therapien sind indiziert: Antibiotika werden die Candidainfektion, HSV-spezifische Virostatika die vegetierende HSV-Infek- tion schnell zum Abheilen bringen. Natürlich ist es wichtig, gleichzeitig die Gründe für die Immundefizienz auch kausal zu behandeln, etwa durch einen Wechsel der immunsuppressiven Therapie oder – im Falle der HIV-Infektion – durch Einlei- tung einer gezielten antiretroviralen Therapie.

 

Prof. Dr. Erwin Tschachler ist auf der Universitätskinik für Dermatologie, Abteilung für Immundermatologie und infektiöse Hautkrankheiten, tätig.

Fotos: Prof. Dr. Erwin Tschachler

Abb. 1: Melanom

Abb. 2: Candidastomatitis

Von Prof. Dr. Erwin Tschachler, Zahnarzt

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