zur Navigation zum Inhalt
 
Zahnheilkunde 3. Februar 2009

Vorbeugung dient der Gesundheit

Auch ärmere Länder könnten durch zahnmedizinische Vorsorgemaßnahmen profitieren

Zähne sind zum Kauen da. Gutes Kauen wiederum führt zu einer guten Verdauung und ist daher für die allgemeine Gesundheit wichtig. Für entwicklungsschwache Länder hat aber die Mundgesundheit eine geringe Priorität, da sie sich nur selten lebensbedrohend auswirkt und Zähne zudem als entbehrlich gelten.

 

Ein im Fachmagazin „Lancet“ veröffentlichter Artikel zeigt auf, dass Vorbeugung durch zahnärztliche Versorgung der optimalen Gesundheit dient. Bis heute ist der durch Karies verursachte Zahnverfall eines der häufigsten Gesundheitsprobleme weltweit. Zudem haben 90 Prozent der Menschen infolge der Erkrankung Zahnprobleme oder Zahn- schmerzen. In Ländern mit niedri- gem bis mittlerem Einkommenssta- tus wird derartiger Zahnverfall nicht behandelt. Schwere Periodontitiden betreffen 5 bis 15 Prozent der Bevölkerung und Mundhöhlenkrebs ist bei Männern in Südostasien die häufigste und weltweit die achthäufigste Krebserkrankung.

Zahnmedizinische Betreuung nicht für jeden

Zahnärztliche Fachkräfte sind weltweit ungleichmäßig verteilt. In Ländern wie Großbritannien oder Deutschland ist immerhin ein Zahnarzt pro 1.000 Personen anzutreffen, jedoch kann diese Rate in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus auf eins zu 50.000 Einwohner absinken und im süd- lich der Sahara gelegenen Afrika liegt sie bei nahezu eins zu einer Million. Die Tatsache, dass ärmere Länder mehr zahnmedizinisches Personal benötigen, aber dieses aus Kostengründen oder Nichtverfügbarkeit nicht haben, könnte zumindest der Einsatz von Präventionsmaßnahmen der Schlüsse zu einer besseren Mundgesundheit sein.

Ein möglicher Ansatz zur effektiven Vorsorge könnte die tägliche Applikation von Fluoriden sein, der den Zahnverfall verringert und zudem kostengünstig und wissenschaftlich bewiesen ist. Auch die Fluoridierung des Trinkwassers, bei der sogar die gesamte Bevölkerung profitieren könnte, ist eine mögliche Präventionsmaßnahme. Die Einführung ist jedoch von der Infrastruk- tur des Landes und dem politischen Willen abhängig. Die Verwendung fluoridierter Zahnpasten ist eben-falls sinnvoll, allerdings können sich die Kosten hindernd auswirken. Da in einigen Ländern die Steuern bis zu 50 Prozent des Preises einer Zahnputzcreme ausmachen, könnten die Regierungen diese Abgaben verringern und mit den Herstellern die Produktion einer günstigeren Zahnpas-ta vereinbaren.

Der Artikel im Lancet stellt fest: „Auf den Philippinen beispielsweise haben 97 Prozent der sechsjährigen Schulkinder Karies. Ein neues Programm, das die Förderung des täglichen Händewaschens mit Seife, das Zähneputzen mit subventionierter fluoridhaltiger Zahnpasta und eine zweimal jährlich erfolgende Entwurmung kombiniert, erweist sich bei jährlichen Kosten von nur 0,56 US-Dollar pro Kind als wirksam, bezahlbar und nachhaltig.“

Die Förderung der Mundgesundheit könnte den Ländern auch bei der Verwirklichung kinderbezoge-ner Entwicklungsziele helfen. Zahnverfall beeinträchtigt die Kinder beim Essen, Schlafen und Schulaufgaben erledigen. Vorläufige Studien haben gezeigt, dass Karies und damit verbundene Schmerzen und Entzündungen in den Entwicklungsländern zu Unterernährung, -gewicht und zu geringerer Körpergröße beitragen könnten. Für Kinder in den Industrienationen konnte in Studien nachgewiesen werden, dass sie nach behandeltem Zahnverfall an Gewicht und Größe zulegten. Zahnschmerzen gehören außerdem zu den häufigsten Ursachen für das Fernbleiben von der Schule.

 

Quelle: Editorial. Oral health: prevention is key. Lancet 2003; 362: 1

 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben