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Zahnheilkunde 5. November 2010

Aufdringliches Design verboten

Wie Ordinationsschilder an Zahnarztpraxen auszusehen haben, ist gesetzlich geregelt.

Bis Ende vergangenen Jahres hatten für Zahnärzte die Bestimmungen der Schilderordnung aus dem ärztlichen Bereich Gültigkeit. Im Dezember 2009 beschloss der Bundesausschuss der Österreichischen Zahnärztekammer eine eigene Schilderordnung.

 

Bei der Gestaltung des Ordinationsschildes ist nicht nur die neue Schilderordnung, sondern ebenso verbindlich auch die Werberichtlinie der Österreichischen Zahnärztekammer zu beachten (siehe auch Kasten). Das Schild darf nicht aufdringlich oder marktschreierisch ausgestattet oder angebracht sein, und es darf nicht größer als ein Quadratmeter sein. Pro Ordinationsstätte dürfen maximal zwei Schilder angebracht werden.

 

Folgende Informationen müssen auf dem Ordinationsschild angeführt werden:

  • der Name des Zahnarztes;
  • der in Österreich erworbene akademische Grad („Dr. med. univ.“ und/oder „Dr. med. dent.“) oder der in einem EWR-Vertragsstaat oder der Schweiz erworbene akademische Grad entsprechend der Verleihungsurkunde, und zwar ausgeschrieben oder abgekürzt;
  • die Berufsbezeichnung als „Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“, als „Zahnarzt“ oder als „Dentist“;
  • der Firmenname bei einer Gruppenpraxis.

 

Nachstehendes darf zusätzlich auf dem Ordinationsschild angeführt werden:

  • amtlich verliehene Titel wie (Ober-)Medizinalrat;
  • im In- und Ausland erworbene oder verliehene Titel und Würden: Univ.-Prof., Univ.-Doz., Ass.-Prof.;
  • Zusätze, die auf eine gegenwärtige Verwendung hinweisen: Primarius/Primaria, Chefarzt/Chefärztin der ..., Oberarzt/Oberärztin am ...; diese Hinweise müssen abgesetzt von der Berufsbezeichnung geführt werden. Die Einschränkung auf die „gegenwärtige“ Verwendung ist so zu verstehen, dass Bezeichnungen wie „Primarius a. D.“ nicht am Ordinationsschild angeführt werden dürfen.

Diplome der Österreichischen Zahnärztekammer dürfen auschließlich in folgender Form angeführt sein:

  • ZFD – ÖZÄK
  • ZFD – ÖZÄK Kieferorthopädie
  • ZFD – ÖZÄK Implantologie
  • ZFD – ÖZÄK Laseranwendung in der Zahnheilkunde
  • ZFD – ÖZÄK Gerostomatologie
  • ZFD – ÖZÄK Komplementärverfahren in der Zahnheilkunde
  • ZFD – ÖZÄK Zahnärztliche Hypnose und Kommunikation
  • von der Österreichischen Ärztekammer bis 31.12.2005 verliehene Fortbildungsdiplome (DFP).

 

Weiters sind folgende Angaben zusätzlich möglich:

  • Ordinationszeiten;
  • Krankenversicherungsträger, für die der betreffende Zahnarzt als Vertragszahnarzt tätig ist;
  • Tätigkeit als Wahlzahnarzt;
  • Telefonnummer;
  • allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger;
  • Ordinations- und Apparategemeinschaften;
  • ein Logo bzw. eine bildliche Darstellung;
  • Homepage und E-Mail-Adresse;
  • Schwerpunktbezeichnungen, allerdings eingeschränkt auf die Folgenden:
  • chirurgischer Schwerpunkt
  • Endodontie
  • Funktions- und Kiefergelenksdiagnostik/-therapie
  • Implantologie
  • Kieferorthopädie
  • Kinderbehandlung
  • komplementäre Zahnheilkunde
  • Parodontologie
  • Prophylaxe

 

Andere Angaben als jene, die die Schilderordnung als verpflichtende oder fakultative Inhalte eines Ordinationsschildes nennt, dürfen nicht am Schild angeführt werden. Das heißt, dass auch die fakultativen, frei wählbaren Inhalte vollständig in der Schilderordnung festgelegt sind.

Von Ordinationsschildern zu unterscheiden, aber auch in der Schilderordnung geregelt, sind Ankündigungstafeln oder Hinweisschilder für eine Ordination. Diese dürfen nur den Namen und die Berufsbezeichnung des Zahnarztes sowie die Adresse der Ordination enthalten.

Im Falle der Beendigung der Berufsausübung sind alle Schilder zu entfernen. Bei einem Wechsel der Ordinationsstätte darf an der Stelle, von der die Ordination verlegt wird, ein Schild mit entsprechendem Vermerk für die Dauer eines halben Jahres angebracht werden.

Die Schilderordnung enthält für jene Ordinationsschilder, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens bereits bestanden, folgende Übergangsbestimmung: „Die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Schilderordnung aus 2009 bestehenden Ordinationsschilder, die der früher gültigen ärztlichen Schilderordnung entsprechen, bleiben unberührt.“ Das bedeutet, dass ein bestehendes Schild dann nicht geändert werden muss, wenn es den Kriterien der bisher gültigen ärztlichen Schilderordnung entspricht bzw. entsprochen hat.

Verstöße als Disziplinarvergehen

Der Vollständigkeit halber soll an dieser Stelle auch noch auf die Konsequenzen bei einem Verstoß gegen die Schilderordnung hingewiesen werden: Verstöße stellen nach zahnärztlichem Standesrecht ein Disziplinarvergehen dar und können auch dem geltenden Wettbewerbsrecht widersprechen. Es wäre daher eine Ahndung im Disziplinarrecht und vor den österreichischen Gerichten möglich.

Um Zeit und Kosten bei der Erstellung von Ordinationsschildern zu sparen und auch um Ärger aus den Konsequenzen möglicher Verstöße gegen die geltende Schilderordnung zu vermeiden, empfiehlt es sich, vor der Gestaltung bzw. Bestellung eines neuen Ordinationsschildes Informationen bei der zuständigen Landeszahnärztekammer über notwendige und mögliche Inhalte eines Ordinationsschildes einzuholen.

 

 www.zahnaerztekammer.at

Schilder im Zahnärztegesetz
Basis für die als Verordnung zu qualifizierende Schilderordnung ist das Zahnärztegesetz. Dieses schreibt in § 36 Abs. 1 Z 3 vor, dass Ordinationsstätten mit einer nach außen zweifelsfrei als zahnärztliche Ordinationsstätte erkennbaren Bezeichnung (Ordinationsschild) zu versehen sind. Gem. § 36 Abs. 5 ZÄG dürfen dabei Art und Form der Bezeichnung die Interessen des zahnärztlichen Berufsstandes – besonders das Ansehen der Zahnärzteschaft – nicht beeinträchtigen.

Von Mag. jur. Petra Eigruber , Zahnarzt 11 /2010

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