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Foto: Atelier David Knipping
Teilnehmer der wissenschaftlichen Konsensuskonferenz.
 
Zahnheilkunde 4. November 2010

Pionierleistung

Deutsche Fachgesellschaften erarbeiten erste Leitlinien für Implantologie.

Konstruktive Diskussionen prägten die erste wissenschaftliche Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) Ende September. 50 Teilnehmer von 15 Fachgesellschaften und Verbänden begannen mit der Erarbeitung von Leitlinien zu vier wichtigen implantologischen Fragestellungen.

 

Leitlinien sind in der Implantologie bislang kaum existent: „Es gibt auf diesem Gebiet eine einzige Leitlinie aus Neuseeland – und die hat Mängel“, urteilt Prof. Dr. med. Ina B. Kopp, Leiterin des AWMF-Instituts für Medizinisches Wissensmanagement. Als Repräsentantin der Arbeitsgemeinschaft der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften stand sie den Teilnehmern mit Rat und Tat als Moderatorin zur Seite: Schließlich galt es, die Leitlinien nach dem Regelwerk dieser Arbeitsgemeinschaft zu erstellen, einem internationalen Qualitätssiegel.

Präsentation der Leitlinien: Ende November 2010

Vier Arbeitsgruppen waren angetreten, nachdem zuvor von allen Gruppen nach systematischer Auswertung der relevanten Literatur ein Entwurfstext der Leitlinie formuliert worden war: die Arbeitsgruppe „Indikation für die radiologische 3D-Diagnostik und navigierte Implantatinsertion“ (Prof. Dr. Dr. Jörg Wiltfang, Kiel), „Klinische Wertigkeit und Differentialindikationen für die festsitzende bzw. herausnehmbare Versorgung auf Zahnimplantaten im zahnlosen Oberkiefer“ (Prof. Dr. Stefan Wolfart) sowie „Indikationen von Maßnahmen zum Strukturerhalt der Alveolarkammgewebe bei Zahnextraktionen vor geplanter Implantattherapie“ (Prof. Dr. Henning Schliephake, Göttingen). Moderiert von Prof. Dr. Bilal Al-Nawas, Mainz, beleuchtete die vierte Gruppe, in welchen implantologischen Indikationen die Anwendung von Knochenersatzmaterialien experimentell und klinisch wissenschaftlich belegt ist. Präsentiert werden die bis dahin vorliegenden Konsensusstatements auf dem 24. Kongress der DGI am 27. November 2010 in Hamburg.

Entscheidungsfreiheit in der Therapie

DGI-Präsident Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden, Kassel, der Initiator des ehrgeizigen Vorhabens, äußerte sich am Ende der Tagung beeindruckt von der geleisteten Arbeit der vier Arbeitsgruppen. Sein Ziel hatte er zu Beginn der Konferenz in einem Satz formuliert: „Wir holen uns durch diese Leitlinien die Entscheidungsfreiheit in der Therapie zurück.“ Denn es komme zunehmend vor, „dass Kostenträger die Kostenübernahme für sinnvolle Maßnahmen ablehnen und der Einsatz von Verfahren in Indikationen propagiert wird, wo diese vielleicht weniger sinnvoll sind.“

Leitlinien können helfen, diese Fremdbestimmung zurückzuweisen. „Entgegen mancher Befürchtungen sind sie keine Richtlinien oder Vorschriften, die ein bestimmtes therapeutisches Vorgehen starr vorgeben“, betonte der DGI-Präsident. „Vielmehr definieren sie einen Behandlungskorridor, in dem sich Kolleginnen und Kollegen bei ihrer Therapieentscheidung auf solider Grundlage sicher bewegen können. Leitlinien erzeugen daher therapeutische Freiheit und keine Einengung.“

 

Quelle: DGI, www.dgi-ev.de

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