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Zahnheilkunde 4. November 2010

„Zähneputzen reicht nicht aus“

Implantatreinigung: Patienten sollten zu besserer Compliance ermutigt werden!

Mehr als 90 Prozent aller Implantate sind nach zehn Jahren noch intakt. Eine perfekte Mundhygiene ist dafür Voraussetzung. Patienten glauben allerdings nicht selten, diese vernachlässigen zu können – mit oft fatalen Folgen. Die Prophylaxe-Assistentin kann wesentlich zur Implantatgesundheit beitragen.

 

Ob Implantate viele Jahre lang funktionstüchtig bleiben, hängt von vielen Faktoren ab. Das beginnt bereits einige Zeit vor der Implantatsetzung. Den ersten Schritt für eine erfolgreiche Implantatsetzung stellt die Sanierung der Mundhöhle dar. „Dabei müssen auch alle bakteriellen ‚Schlupfwinkel‘ entfernt werden“, mahnte OA Dr. Corinna Bruckmann von der Bernhard-Gottlieb-Universitätszahnklinik Wien. Sie sprach im Rahmen des Österreichischen Zahnärztekongresses 2010 in Wien über die Rolle der Prophylaxe-Assistentin für die Implantatgesundheit und über die Voraussetzungen für eine perfekte Mundhygiene.

Auch die Behandlung von Zahnfleischtaschen erfolgt idealerweise vor der Implantatsetzung. Erst dann herrschen perfekte Verhältnisse für die Setzung von Implantaten vor. „Gesetzt werden sollen völlig entzündungsfreie Implantate“, erläuterte Bruckmann. „Wesentlich ist auch eine hygienefreundliche Implantatposition und prothetische Suprakonstruktion.“ Nach der Implantation muss dem Patienten die wichtige Rolle der täglichen Mundhygiene nahegebracht werden. Und das ist oft gar nicht so einfach. „Die Patienten glauben, Metall lebt nicht – und kann auch keine Karies bekommen“, formulierte Bruckmann pointiert. Dabei erkranken rund 50 Prozent aller Implantatpatienten an Periimplantitis, 20 Prozent davon schwer. Anders gesagt: Implantate sind noch deutlich pflegebedürftiger als eigene Zähne.

Regelmäßige Prophylaxe

Für eine perfekte Mundhygiene sind mehrer Faktoren wichtig: „Wie geschickt ist der Patient? Kann er mit dem kleinen Raumangebot im Mund gut umgehen? Erreicht er auch schwierig zu reinigende Stellen? Die Beantwortung dieser Fragen gehört zum Aufgabengebiet der Prophylaxe-Assistentin. „Sie muss dem Patienten die Hand führen, schwer erreichbare Stellen aufzeigen und die richtigen Mundhygienemaßnahmen vermitteln“, sagte Bruckmann. Regelmäßige Prophylaxesitzungen vor, während und viele Jahre nach der Implantation tragen wesentlich dazu bei, periimplantären Infektionen vorzubeugen und die Osseointegration zu garantieren und aufrechtzuerhalten.

Allerdings muss der Patient auch selbst einiges dazu tun, um seine Implantate funktionstüchtig zu erhalten. Normales Zähneputzen reicht dazu nicht aus. Die Compliance der Patienten zu stärken und aufrecht zu erhalten, gehört ebenfalls zu den Aufgaben der zahnärztlichen Prophylaxeassistentin.

Umfangreiches Angebot

Das Angebot an Reinigungsinstrumenten für die Pflege der Implantate durch die Patienten selbst ist mittlerweile sehr umfassend. „Es lässt sich für jeden Patienten das Richtige finden“, zeigte sich Corinna Bruckmann überzeugt. Das Spektrum der Pflegeangebote reicht von einer großen Anzahl verschiedener Handzahnbürsten über elektrische Bürsten und diverse Zahnseideprodukte bis zu Interdentalbürstchen in vielen verschiedenen Formen. Bei der täglichen Reinigung ist der Zone zwischen Implantat und Krone besondere Beachtung zu schenken. Reinigungsinstrumente aus Metall sind kontraindiziert, da sie das Implantat zerkratzen und so für die Ansiedelung von Bakterien anfällig machen.

Geduld und Anleitung

Für die Reinigung der Interdentalzwischenräume eignet sich besonders geflanschte Zahnseide, auch Interdentalbüschelbürstchen und kunststoffbeschichtete Interdentalbürstchen sind sinnvoll. Den Abschluss der Mundhygiene sollte die Spülung mit antibakteriellem Mundwasser bilden. Die richtige Reinigungstechnik zu vermitteln, ist Aufgabe der Prophylaxeassistentin, die sich genügend Zeit für die Beratung des Patienten und für die Auswahl des richtigen Reinigungsmaterials nehmen muss. „Patienten, vor allem wenn sie schon etwas älter sind, brauchen Geduld, Überzeugungsarbeit und Hilfe beim Erlernen der richtigen Technik“, so Bruckmann.

Professionelle Reinigung

Alle drei bis sechs Monate sollte beim Implantatpatienten eine professionelle Reinigung durch die Prophylaxe-Assistentin durchgeführt werden. Auch dafür sind spezielle Instrumente nötig, herkömmliche Ultraschallansätze oder Handinstrumente für Implantate sind kontraindiziert, da es mit diesen Instrumenten zu einer Aufrauung der Implantatoberflächen kommen kann. Gut anwendbar sind Aufsätze aus Carbonfaser oder Hartkunststoff. Auch Pulver-Wasser-Strahlgeräte haben sich in der professionellen Implantatreinigung als gut wirksam erwiesen. Um das Implantat, das Abutment und die Suprakonstruktion von Plaque zu befreien, sollen ebenfalls Kunststoffinstrumente verwendet werden.

Bei jeder Zahnhygienesitzung muss die gesamte Mundhöhle inspiziert werden. Sind entzündete Stellen vorhanden, übernimmt der Zahnarzt die Sondierung, Palpation und Sanierung. Bei gesunder Mundhöhle kann die Prophylaxe-Assistentin die Reinigung vornehmen.

Herausforderung Prophylaxe

Der Bedarf an Implantaten steigt seit mehreren Jahren. Ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: „Die Zahl der enossalen Implantate wird in naher Zukunft weiter zunehmen“, prognostiziert Bruckmann. Die Prophylaxe von Entzündungen im Implantatbereich stellt eine wichtige Herausforderung dar: „Nur durch ein strukturiertes Prophylaxekonzept und qualifizierte Mitarbeiterinnen können Implantate ein Leben lang zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.“

Von Sabine Fisch, Zahnarzt 11 /2010

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