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Abb. 1a, b: Entnahme eines Bürstenabstrichs.

Kasten 1: Einzelschritte zur Früherkennung

 
Zahnheilkunde 30. September 2010

Früherkennung von Tumoren

Die Untersuchung der Mundschleimhaut sollte nach einem einheitlichen Schema erfolgen.

Suspekte Schleimhautveränderungen kommen in jeder Praxis vor. Da die Diagnose oder der Verdacht auf eine Krebserkrankung im Mund-Kiefer-Bereich in den meisten Fällen vom Zahnarzt gestellt wird, kommt ihm in der Früherkennung eine wichtige Rolle zu. Dennoch ist eine Zuordnung häufig nicht einfach, da die Befunde nur schwer voneinander zu unterscheiden sind und somit die klinische Diagnostik in der Praxis erschwert wird.

 

Kurative Behandlungsmöglichkeiten bestehen vor allem im Erststadium von oralen Tumoren – daher ist die wichtigste Maßnahme in der Früherkennung von Schleimhautläsionen die vollständige Untersuchung des Mundraumes. Krebserkrankungen der Mundhöhle sind meist Plattenepithelkarzinome. Neben der genetischen Prädisposition ist chroni-scher Tabakgenuss eines der Hauptrisiken in der Entstehung von Plattenepithelkarzinomen. Insbesondere in Kombination mit chronischem Abusus von Alkohol steigt die Gefahr einer Erkrankung sogar um das Hundertfache.

Möglichkeiten der Diagnostik

Neben der Evaluation des Zahnstatus im Rahmen der regelmäßigen Routineuntersuchungen sollte gleichzeitig auch immer eine gründliche Kontrolle der Mundschleimhaut immer nach einem einheitlichen Schema (gesamte Mundhöhle nach Quadranten und die Perioralregion) erfolgen (siehe Kasten 1). Besondere Aufmerksamkeit sollte dem Mundboden und der Zungenunterseite geschenkt werden, da sich in diesem Bereich die häufigste Lokalisation eines Karzinoms befindet.

Orale Zytologie

Dem niedergelassenen Zahnarzt ist es im ersten diagnostischen Schritt ohne Aufwand in der Praxis möglich, zur Dignitätsabklärung unklarer Schleimhautbefunde beispielsweise eine Bürstenbiopsie durchzuführen. Dabei werden mithilfe einer speziellen Bürste an der Schleimhaut neben oberflächlichen auch die Zellen tieferer Gewebeschichten asserviert (siehe Abb. 1). Die an den Borsten haftenden Zellen werden auf einem Objektträger ausgestrichen und durch einen Zytopathologen befundet. Als spezifische Veränderungen in der Zellmorphologie können reaktive Schleimhautveränderungen wie Entzündungen oder Hyperkeratosen von Dysplasien und Karzinomen unterschieden werden. Zur Endpunktdiagnostik bleibt die Skalpellbiopsie der Goldstandard.

In jeder Routineuntersuchung sollte eine gründliche Befundung und Dokumentation der Mundschleimhaut stattfinden. Ein positiver Befund oder die Progression einer unklaren Läsion sind Indikationen zur Überweisung des Patienten an eine Fachklinik! Wichtig: Nur ein frühes Erkennen von suspekten Veränderungen der Mundschleimhaut und die sofortige Überweisung kann die Prognose bei oralen Karzinomen signifikant verbessern und die hohe Mortalität und Morbidität des oralen Plattenepithelkarzinoms senken.

 

DDr. Felix P. Koch ist an der Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie in Mainz, Deutschland, tätig.

Quelle: wissen kompakt 4/2009 © Springer Medizin Verlag

Alarmsignale
Folgende Merkmale geben Hinweise auf den neoplastischen Charakter einer Mundschleimhautläsion – werden eine oder mehrere erkannt, besteht der Verdacht auf eine Vorläuferläsion oder ein Karzinom:
1. Erosion oder Ulzeration der Schleimhaut ohne eindeutige mechanische Ursache
2. Inhomogenität
3. Induration der Schleimhautläsion
4. Fehlende spontane Schmerzhaftigkeit insbesondere bei Erosion und Ulzeration
5. Progress der Läsion insbesondere nach Ausschalten möglicher Ursachen

Von DDr. Felix P. Koch, Zahnarzt 10 /2010

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