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Abb. 1: Dr. Tekin Demir (l.) und Dr. Winfried Walzer erläutern die Anwendung von Mini-Implantaten.
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Abb. 2: Praktische Übungen inbegriffen: Direkt im Kurs werden die Pilotbohrung und das selbstschneidende Einbringen von Mini-Implantaten am Rinderknochen geprobt.“

 
Zahnheilkunde 27. September 2010

Mini-Implantate: Das 3 M MDI-System

Theoretisches Wissen – Live Operationen – praktische Übungen

Mini-Implantate erweitern das zahnärztliche Behandlungsspektrum um eine interessante Alternative. Durch die unkomplizierte, minimalinvasive Vorgehensweise und die geringen Kosten eröffnen sie oftmals eine Lösung in Fällen, für die konventionelle Optionen keine befriedigende Antwort bieten. Erfolgreich hat sich in diesem Kontext das MDI-System (3 M ESPE - Implantologie) gezeigt. Beim Einstieg in die Implantologie mit MDIs unterstützt der Hersteller den Zahnarzt mit einer breiten Auswahl unterschiedlicher Seminare – für Fortgeschrittene stehen so genannte Level-2-Kurse auf dem Programm. In diesen werden auch Indikationen thematisiert, die über den klassischen Einsatzbereich von MDIs, die Prothesenstabilisierung im Unterkiefer, hinausgehen. Am Beispiel einer Veranstaltung in der Praxis von Dr. Tekin Demir, Köln, wird im Folgenden dargestellt, wie diese Kurse ablaufen und was der Teilnehmer davon mit nach Hause nehmen kann.

Dr. Tekin Demir ist seit über zehn Jahren implantologisch tätig und arbeitet seit sechs Jahren auch mit Mini-Implantaten. Diese erwiesen sich als eine sinnvolle Erweiterung seines Therapiespektrums, vor allem, da sie seiner im Altersdurchschnitt etwas höher liegenden Patientenklientel eine Alternative zur schleimhautgetragenen Prothese eröffneten. Seine Erfahrungen mit MDIs („mini dental implants“) fielen so positiv aus, dass er eine Masterarbeit zur Anwendung dieses Systems bei Risikopatienten verfasste2. Vor seinem Einstieg in die minimalinvasive Implantologie hatte er sich bei einem Spezialisten für das MDI-System, Dr. Winfried Walzer, Berlin, fortgebildet. Seit vier Jahren gibt Dr. Demir seine Erfahrungen selbst an Kollegen weiter. Bei dem im Folgenden beschriebenen Kurs für Fortgeschrittene (Level-2) übernahm Dr. Walzer den Theorieteil, während Dr. Demir gemeinsam mit seiner Kollegin Dr. Ysemin Dag zwei Live-OPs durchführte.

Das MDI-Konzept

MDIs eignen sich zur unkomplizierten, kostengünstigen und schnellen Stabilisierung einer Totalprothese. Ein Vorteil dieses Behandlungskonzeptes liegt in der minimalinvasiven Vorgehensweise, das heißt unter anderem, dass Mini-Implantate in der Regel transgingival inseriert werden können. Zudem kann durch den Einsatz der kleinen, einteiligen Implantate im atrophierten Kiefer in vielen Fällen eine Augmentation vermieden werden, da sie mit einem geringeren Knochenangebot als konventionelle Implantate auskommen. Dabei ist die Prothesenstabilisierung mit MDIs eine sichere Methode: Die Erfolgsrate beträgt rund 95 Prozent1-3, und die 3 M MDI Mini-Implantate (in den Durchmessern 1,8 mm, 2,1 mm, 2,4 mm und 2,9 mm) sind von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) für die Langzeitanwendung zugelassen.

Erweiterte Indikationen

Ausführlich befasste sich Dr. Walzer in diesem Fortgeschrittenen-Kurs mit Indikationen, die über den klassischen Einsatzbereich für Mini-Implantate hinausgehen. MDI ist grundsätzlich ein Konzept zur Unterkieferprothesenstabilisierung. Dafür sollten mindestens vier Implantate (Durchmesser in der Regel 1,8 oder 2,1 Millimeter) inseriert werden. Nach sorgfältiger Abwägung des Risiko-Nutzen-Verhältnisses und umfassender Beratung des Patienten können Mini-Implantate aber auch zur Stabilisierung von Oberkieferprothesen eingesetzt werden. Des Weiteren können sie beispielsweise Einzelzahnkronen tragen und als Ersatz für verloren gegangene Prothesenpfeiler dienen.

MDI Hybrid

Dr. Walzer besprach anhand von Patientenfällen insbesondere den Einsatz des 2,9-Millimeter-Implantats von 3 M ESPE Implantologie (MDI Hybrid). Es ist sozusagen der größere Bruder der Mini-Implantate und immer dann indiziert, wenn konventionelle Implantate etwas zu groß, Mini-Implantate hingegen etwas zu klein erscheinen. Gute Erfahrungen hat der Referent mit diesem Implantat als Einzelzahnersatz im Seitenzahnbereich und in der Funktion als unterstützender Pfeiler bei kompromittierter Restbezahnung gemacht. In der häufig vorkommenden Freiendsituation sei die Kombination eines konventionellen Implantats mit dem „großen“ Mini-Implantat MDI Hybrid oftmals sinnvoll: Im meist schmalen Alveolarknochen im Seitenzahnbereich leiste ein Implantat mit reduziertem Durchmesser gute Dienste, während sich im typischerweise breiteren Knochen des Molarenbereichs ein kurzes konventionelles Implantat als feste Verankerung anböte. Dr. Walzer versicherte, dass er auf diese Weise in seiner Praxis schon häufig aufwändige Prozeduren, wie Bone-Splitting oder eine Augmentation, habe vermeiden können.

Live-OPs

Zwei Behandlungen direkt vor Ort veranschaulichten die Theorie. Dabei wurden sowohl die Basisindikation (Prothesen-Stabilisierung) als auch eine avancierte Anwendung von Mini-Implantaten vorgeführt.

Während Demir und seine Kollegin Dag operierten, kommentierte Walzer die Vorgehensweise, die – übrigens in ausgezeichneter Qualität – in den Seminarraum übertragen wurde. Zunächst wurde die Versorgung einer extrem schmalen Lücke mit einem MDI gezeigt. Die Lücke war entstanden, da der jungen Patientin vor zwei Jahren ein persistierender Milchzahn gezogen werden musste und der bleibende Zahn nicht angelegt war. Nach eingehender Beratung entschied sich die Patientin für die Versorgung mit einem Mini-Implantat.

Anhand dieses Falls wurde das empfohlene Vorgehen für die Insertion demonstriert: Zunächst wurde ein OPG angefertigt, um die genaue Implantatposition bestimmen zu können. Unter Lokalanästhesie wurde dann das Knochenbett vorbereitet und der Knochen gemäß dem Insertionsprotokoll nur partiell aufgebohrt. Achtung: Beim MDI Hybrid, das im Regelfall zur Einzelzahnversorgung herangezogen wird, beträgt die Bohrtiefe zwei Drittel der Implantatgewindelänge. Das Inserieren des Implantats erfolgt dann (in jedem Fall) manuell.

Walzer betonte die Vorteile des manuellen Vorgehens gegenüber dem maschinellen Eindrehen bei anderen Implantatsystemen. So bestehe dabei keine Überhitzungsgefahr für den Knochen, und die Verletzungsgefahr für angrenzende Strukturen sei geringer. Bei besonders schmalen Lücken empfiehlt der Referent eine Bohrerverlängerung und einen schmalen Einsatz für die Ratsche, beides Hilfsmittel, die die Arbeit in beengten Verhältnissen übersichtlicher und angenehmer gestalten.

Als zweites Behandlungsbeispiel führte das Team einen klassischen Fall vor: Beim zweiten Patienten wurde bereits vor einem Jahr im Unterkiefer eine Prothesenstabilisierung mit sechs Mini-Implantaten durchgeführt. Diese Lösung hatte sich bei dem Patienten so gut bewährt, dass er nun eine analoge Versorgung für den Oberkiefer wünschte. Für die Stabilisierung einer Oberkieferprothese werden mindestens sechs MDI-Implantate mit einem Durchmesser von in der Regel 2,4 bzw. 2,9 Millimetern (MDI Hybrid) benötigt. In diesem Fall wurden vier MDI Hybrid- und zwei Mini-Implantate (2,4 Millimeter) inseriert.

Teilnehmer-Feedback

Die Einsatzgebiete der Mini-Implantate und die minimalinvasive Vorgehensweise wurden unter den teilnehmenden Zahnärzten und im Austausch mit Dr. Walzer rege diskutiert. Unter anderem bekundete der Betreuungszahnarzt eines Altersheims im Erftkreis, Heinrich Klünter, Interesse an diesem einfachen und kostengünstigen System. Er hat festgestellt, dass gerade die Kosten ein Hemmnis für konventionelle Implantate darstellen. Patienten seiner eigenen Praxis, insbesondere aber auch die Bewohner des Altersheims könnten die finanziellen Mittel hierfür nicht aufbringen. Andererseits kämen sie mit ihren schleimhautgetragenen Prothesen trotz Haftcremeanwendung selten wirklich gut zurecht. So wäre eine sichere Befestigung der Totalprothese gerade bei diesen Menschen eine Erleichterung – für sie selbst und auch für das Pflegepersonal.

„Ich weiß jetzt schon, dass ich dieses System verwenden kann und sicher in meiner Praxis einsetzen werde“, resümierte Heinrich Klünter nach den beiden Live-OPs. Sowohl die Prothesenstabilisierung hat ihn überzeugt als auch die Einzelzahnversorgung als Lösung für spezielle Fälle. Dabei hat Heinrich Klünter bereits mehrere konkrete Fälle aus seiner eigenen Praxis vor Augen. Unter anderem käme für eine seiner Patientinnen mit einer engen Lücke im Oberkiefer eine Versorgung mit einem MDI in Frage. Die Seminarbedingungen beurteilte Heinrich Klünter als gut; gerade die Live-OPs empfand er als „gut gemacht“ und den Austausch mit den Kollegen als sehr hilfreich.

MDI schafft neue Lösungen

Mini-Implantate können etwas, was ihren größeren Kollegen verwehrt ist: Lösungen schaffen in Situationen, in denen keine zu hohen Kosten entstehen dürfen und anatomisch ein geringes Knochenangebot vorliegt. In der täglichen Praxis begegnen dem Zahnarzt solche Patientenfälle häufig. Beispielsweise können ältere Patienten, etwa wie oben erwähnt die Bewohner von Altenheimen, die Kosten für konventionelle Implantate häufig nicht aufbringen, profitieren aber von einer sicheren Befestigung der Totalprothese. Auch bei Menschen, die mitten im Leben stehen, auf eine begrenzte Anzahl von Behandlungsterminen Wert legen und dabei vergleichsweise zügig zu ihrer Wunschversorgung kommen möchten, bietet sich der Einsatz von Mini-Implantaten oftmals an.

Praktische Übungen

Ein Gefühl für zukünftige eigene Implantationen von MDIs bekamen die 12 Teilnehmer der Kölner Veranstaltung in verschiedenen praktischen Übungen. So wurden Implantate zunächst in Holz, dann in Rinderknochen, deren Konsistenz dem menschlichen Knochen ähnlich ist, inseriert. Dabei wurden auch Nahttechniken wie die Einzelknopfnaht und die Matratzennaht trainiert. Somit bot diese Veranstaltung den teilnehmenden Zahnärzten das theoretische und praktische Rüstzeug für einen guten Start in die Anwendung von MDIs.

Kursreihe „Minmalinvasive Implantologie“

Wer weitere Unterstützung wünscht, kann im Anschluss an das beschriebene „Level-2-Seminar“ zum Beispiel eine komplette Kursreihe „Minimalinvasive Implantologie“ absolvieren, die den Teilnehmer in drei Wochenenden zu den ersten selbst beim Patienten inserierten Mini-Implantaten führt. Dabei gewährleistet die Behandlung unter Supervision erfahrener Anwender gerade jenen Zahnärzten, die zuvor noch nie am Patienten implantiert haben, einen sicheren Einstieg.

Informationen:

Das druckfrische Kursprogramm kann jetzt bei 3 M ESPE Implantologie in Oberursel angefordert werden (3 M ESPE Implantologie, Dornbachstraße 30, D-61440 Oberursel, Tel. +49 (0)6171 88798-14). Die nächsten Veranstaltungstermine sind auch auf den Internetseiten des Unternehmens unter www.imtec-europe.de einzusehen.

 

Literatur:

 

Bulard RA, Vance JB. Multi-clinic evaluation using mini-dental implants for long-term denture stabilization: a preliminary biometric evaluation. Compend Contin Educ Dent. Dec 2005;26(12):892-897.

Demir T. Mikroimplantate zur Stabilisierung von Totalprothesen bei Risikopatienten. Masterarbeit vorgelegt am Universitätsklinikum Münster, 2009.

Catkin TE, Catkin S, Oppenheimer BD, Oppenheimer AJ. Mini dental implants for long-term fixed and removable prosthetics: a retrospective analysis of 2514 implants placed over a five-year period. Compend Contin Educ Dent. Feb 2007;28(2):92-99;quiz 100-101.

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