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Es gibt keine Brille für alle Anforderungen, aber es gibt für alle Anforderungen die geeignete Brille.
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Das Naheinstellungsvermögen der Linse wird daher von Jahr zu Jahr geringer und führt bei den meisten Menschen zu „Altersweitsichtigkeit“.

 
Zahnheilkunde 31. August 2010

Den Überblick behalten

Hohe Anforderungen an die Arbeitsqualität erfordern ein optimales Sehvermögen während der gesamten Arbeitszeit. Ab 40 kann die Altersweitsichtigkeit zum Handicap werden.

Ein Zahntechniker muss bei den unterschiedlichen Tätigkeiten wie Bohren, Schleifen, Polieren, Sägen, Löten, Schweißen und verschiedenen Gusstechniken auf unterschiedliche Entfernungen im Nahbereich scharf sehen können und sollte einen Überblick über seinen gesamten Arbeitsplatz haben. Nur so ist ein entspanntes qualitätsvolles und effizientes Arbeiten möglich.

 

Mitarbeiter über 50 können in der Regel nicht mehr mit ein und derselben Sehhilfe auf unterschiedliche Entfernungen im Nahbereich scharf sehen (mit bloßem Auge überhaupt nicht). Ursache ist die für dieses Alter typische fehlende Elastizität der Linse. Problemloses sehen in einer Entfenung von zirka 20 bis 80 Zentimeter ist aber notwendig, um den gesamten Arbeitsplatz überschauen, das entsprechende Werkzeug präzise sehen und in die Hand nehmen zu können und um erkennen zu können, welche Aufschrift sich beispielsweise auf den jeweiligen Flaschen oder Behältern befindet. Nur wer den gesamten Arbeitsbereich überblicken kann, vermeidet eine Überanstrengung der Augen. Und nur so kann eine ergonomisch unkorrekte Sitzhaltung, die eine Belastung im Schulter-Nackenbereich hervorruft, vermieden werden.

Wenn das Auge schwächelt

Aus dem Alltag kennt man die Situation, dass man im fortgeschrittenen Alter keinen Faden mehr ohne Sehhilfe einfädeln kann, da man das Nadelöhr nicht mehr sieht. Noch ist man allerdings (bis ca. zum 50. Lebensjahr) in der Lage, mit einer Sehhilfe für den Nahbereich, der sogenannten Lesebrille, Objekte in einem Abstand von ca. 30 oder 35 cm (die Situation beim Lesen, etc.) und in einem Abstand von beispielsweise 70 cm (wie bei der Bildschirmtätigkeit üblich) mühelos scharf zu sehen.

 

Häufige Situation: Gleitsichtbrille

Die meisten älteren Mitarbeiter in den zahntechnischen Labors arbeiten derzeit mit der traditionellen Gleitsichtbrille – bei speziellen Tätigkeiten auch mit Lupe/Lupenbrille oder mit dem Mikroskop. Die Gleitsichtbrille ermöglicht ein scharfes Sehen im oberen Bereich in der Ferne. Das hat zur Folge, dass die Sehbereiche für nahe und mittlere Entfernungen relativ klein sind und darüber hinaus zu einer ergonomisch ungünstigen Arbeitshaltung zwingen, dem sogenannten „Schlüssellocheffekt“. Die Folge sind in der Regel einerseits Schulter- bzw. Nackenverspannungen und Kopfschmerzen. Eine weitere Folge sind häufig typische Augenbeschwerden wie unscharfes Sehen, Doppelbilder, Augenschmerzen, Tränen, Juckreiz, Druckgefühl, Brennen, gerötete Augen. Das bedeutet im Klartext, dass die Gleitsichtbrille, welche die meisten Mitarbeiter über 50 tragen, für den Zahntechnikerarbeitsplatz nicht oder nur sehr bedingt geeignet ist.

Arbeitsplatzbrille für den Nahbereich

Die Lösung besteht in einer sogenannten Arbeitsplatzbrille, die ausschließlich für den Nahbereich, hier speziell für die Anforderungen an den Zahntechnikerarbeitsplatz, entwickelt werden muss. Bekannter und häufiger im Einsatz ist heute schon die sogenannte „Bildschirmbrille“ für ältere Mitarbeiter, die überwiegend am Bildschirm tätig sind. Mit dieser Gleitsichtbrille im Nahbereich werden einerseits die Tastatur oder klein geschriebene Texte im Abstand von ca. 35 cm scharf gesehen. Im oberen Bereich des Glases wird sowohl der Bildschirm als auch der gesamte Arbeitsplatz bis zu einer Entfernung auf zirka 1,20 m scharf gesehen. Für den Zahntechniker nun gilt es diese Arbeitsplatzbrille so einzurichten, dass im Nahbereich bis 20 cm und im oberen Bereich bis 80 cm scharf gesehen werden kann. Es kommt darauf an, eine Gleitsichtbrille so anzufertigen, dass diese Sehabstände von 20 bis 80 cm berücksichtigt sind.

Tipps für die Einführung einer geeigneten Sehhilfe in Zahntechnik-Labors:

  • Kenntnis über Sehabstände zum zu bearbeitenden Objekt: Die Mitarbeiter müssen präzise informiert werden, welche Anforderungen ihr Arbeitsplatz an ihr Sehvermögen stellt. Das heißt, Zahntechniker müssen für zirka 80 Prozent ihrer Tätigkeit in einem Sehbereich von 20–80 cm exakt scharf sehen können.
  • Information über unterschiedliche Brillen: Die Mitarbeiter müssen dahingehend informiert werden, dass eine Gleitsichtbrille, wie sie häufig von Optikern und Augenärzten empfohlen wird und für den Alltag eine ausgezeichnete Lösung darstellt, weil alle Sehabstände tatsächlich mit einer Brille scharf gesehen werden können, diesem Arbeitsplatz nicht gerecht wird.
  • Information über Vor- und Nachteile der Arbeitsplatzbrille: Die Mitarbeiter sollten aber auch über die Nachteile der Arbeitsplatzbrille für den Nahbereich aufgeklärt werden.
  • Mit dieser Arbeitsplatzbrille ist es nur schwer möglich, im Raum umherzugehen. Das Tragen des Sehbehelfs kann zu Schwindelgefühlen führen.
  • Menschen und Gegenstände, die weiter als ein Meter entfernt sind, werden nur unscharf wahrgenommen.
  • Bestimmte Tätigkeiten, die mit der herkömmlichen Gleitsichtbrille verrichtet werden können, wie z. B. Umhergehen, Kundengespräche, u. a. können mit der Gleitsichtbrille für den Nahbereich nicht oder nur bedingt durchgeführt werden.
  • Autofahren mit der Arbeitsplatzbrille ist für den Nahbereich tabu.
  • der Einsatz der Arbeitsplatzbrille kann auf jeden weiteren feinmechanischen Bereich übertragen werden. Ein Mitarbeiter, der noch einige Jahre von der Alterssichtigkeit entfernt ist und im Normalfall noch keinen Nahzusatz bräuchte, arbeitsplatzbedingt aber in einem extremen Nahbereich scharf sehen können muss, kann mit Hilfe der Arbeitsplatzbrille für den Bereich 20 bis 80 cm entspannt arbeiten.

Technische Details

Eine ausreichende Entspiegelung wird als notwendig angesehen, weil das künstliche Licht am nicht entspiegelten Brillenglas zu störenden Reflexen führt. Gläser aus Glas sind eher schwer, daher werden zunehmend mehr Kunststoffgläser verarbeitet. Die Hartschicht der Gläser garantiert eine lange Lebensdauer, eine Superentspiegelung sorgt für eine klare Sicht. Dank des Beschichtungsmaterials „clean coat“ wird der Schmutz nicht so stark angezogen, und die Gläser lassen sich leicht reinigen.

 

Quelle: Sicherheit und Gesundheitsschutz für Zahntechniker, Dt. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) www.baua.de

Altersweitsichtigkeit
Die Augenlinse ist zuständig für das gute Sehen. Mit dem Alter wird sie zunehmend härter bzw. weniger elastisch. Das Naheinstellungsvermögen wird daher von Jahr zu Jahr geringer. Dieses Abnehmen des Naheinstellungsvermögens des Auges, der Akkommodation, ist daher völlig normal und durch Training nicht zu beeinflussen. Im Alter zwischen 40 und 45 beginnt dieser Prozess, der eigentlich schon im Kindesalter begonnen hat, spürbar zu werden. Berei- che, die näher als zirka 33 cm liegen, werden nicht mehr scharf und entspannt gesehen. Dieses Phänomen ist als „Altersweitsichtigkeit“ bekannt.

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