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Gut Ding braucht Weile. Das gilt insbesondere für hochwertigen Zahnersatz.

ZTM Rudolf Hrdina seit 1994 Inhaber eines zahntechnischen Labors in Guntramsdorf

 
Zahnheilkunde 31. August 2010

Billiger Zahnersatz und fehlender Nachwuchs

Ein Berufsbild im Wandel: Zahntechniker Rudolf Hrdina spricht über die aktuellen Herausforderungen und seine persönliche Vorstellung von Erfolg.

Er arbeitet mit den Koryphäen der Zahnmedizin, wird zu internationalen Vorträgen geladen, und sein Zahntechniklabor in Wien Guntramsdorf bürgt für heimische Qualitätsarbeit: ZTM Rudolf Hrdina ist der VIP unter den österreichischen Zahntechnikern – auch wenn er das vermutlich nicht gerne hört.

 

Während seiner Anstellung bei den Österreichischen Wipla-Laboratorien begann Hrdina praxisbezogene Kurse abzuhalten, gründete schließlich mit Heinz Bolz ein Fortbildungsinstitut, um sein Wissen an den Nachwuchs weitergeben zu können und erhielt auch einen Lehrauftrag an der Medizinischen Uni Graz und aktuell in Innsbruck. Mittlerweile ist Hrdina zudem ein gefragter Vortragender im In- und Ausland, u. a. zu seinen Spezialthemen „okklusale Morphologie und Funktion“ und „der zahnlose Kiefer“. Anfang Oktober 2010 wird er auch beim Österreichischen Zahnärztekongress referieren.

Im Gespräch mit dem Zahn Arzt äußert sich der charismatische Zahntechniker über Konkurrenzdruck von innen und außen, Leistbarkeit von Zahnersatz, den Beruf des Zahnprothetikers, seine Vortragstätigkeit beim Österreichischen Zahnärztekongress 2010 und warum Umsatzsteigerungen nicht unbedingt sein vorrangiges Ziel sind.

 

Die Dentalbranche beklagt Umsatzeinbrüche. Bemerken Sie in Ihrem Labor Auswirkungen der Wirtschaftskrise?

HRDINA: In meinem Betrieb hat sich die Wirtschaftskrise nicht spürbar ausgewirkt. Wobei es für mich auch kein unbedingtes Muss ist, den jährlichen Umsatz zu steigern. Ziel ist die Herstellung von vernünftigem Zahnersatz. Oft merkt man Krisen natürlich auch erst zeitversetzt.

 

Wie beurteilen Sie den Druck durch Mitbewerber aus dem Ausland?

HRDINA: Der Konkurrenzkampf wird sicher stärker. Das merke ich nicht nur daran, dass mir in Guntramsdorf das Auto eines ungarischen Labors auffällt. Dagegen angehen können wir nur, indem wir gemeinsam mit unseren Kunden – den Zahnärzten – die Patienten bestmöglich beraten, um ihnen dann letztendlich im Team den für sie notwendigen Zahnersatz herstellen zu können. Ich denke, wenn ein Patient merkt, dass ein eingespieltes Team um die Gesundheit seiner Zähne bemüht ist, hätten wir sicherlich nicht so eine hohe Anzahl von Zahntourismus. Denn Zähne sollten nicht mit Fingernägeln verwechselt werden, die man schnell mal aufklebt.

 

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, Ihren Firmensitz über die Grenze zu verlegen?

HRDINA: Das Thema Zahntourismus war ja schon vor 20 Jahren aktuell. Ich hab mir damals die Situation vor Ort mit einem Kollegen angesehen. Es gab dort relativ viele Kliniken unter Schweizer Führung. Vielleicht wäre es interessant gewesen, dort Fuß zu fassen. Aber letztendlich bin ich Patriot und dafür, dass die Wertschöpfung im eigenen Land bleibt. Davon leben wir Österreicher ja letztendlich. Ich versuche auch, Patienten, die für Zahnersatz nach Ungarn fahren, dahingehend zu informieren. Natürlich können sich einige die in Österreich angebotenen Leistungen einfach nicht leisten. Für den Patienten ist es aber auch unmöglich, Vergleiche anzustellen, geschweige denn Unterschiede festzustellen. Darüber sollte man auch nachdenken. Aber oft sind es gut situierte Leute, die sich Qualität im eigenen Land durchaus leisten könnten. Wobei man natürlich auch mit österreichischer „Qualitätsarbeit“ als Patient durchaus seine bösen Überraschungen erleben kann.

 

Ein Kriterium ist ja auch die Schnelligkeit, mit der man bei der Konkurrenz bisweilen zu neuen Zähnen kommt?

HRDINA: Guter Zahnersatz braucht Zeit. Wenn Totalrestaurierung notwendig ist, kann es duchaus zwei Jahre dauern, bis ein Patient seinen Zahnersatz im Mund hat. Doch wer will heute so lange darauf warten? In vielen Kliniken im östlichen Ausland erspart man sich das – die Zähne werden abgeschliffen und der Zahnersatz ist in ein bis zwei Wochen fertig. Auf langwieriges Aufbereiten der noch vorhandenen Zähne wird da sehr oft verzichtet.

 

Wie sieht qualitativ hochwertiger Zahnersatz für Sie aus?

HRDINA: Qualität liegt im Auge des Betrachters, und die sieht jeder wahrscheinlich etwas anders. Zahnersatz soll nicht nur dem Zahntechniker und dem Zahnarzt, sondern natürlich in erster Linie dem Patienten und seinem Umfeld gefallen. Deshalb versuche ich, dieses Ziel gemeinsam mit dem Patienten zu erarbeiten. Gerade beim zahnlosen Kiefer wird älteren Patienten bisweilen Zahnersatz verpasst, der puncto Funktion und Ästhetik für meine Begriffe katastrophal ist und heute nicht mehr notwendig wäre. Auf der anderen Seite erlebt die Totalprothetik durch den Implantologieboom eine Renaissance. Hier ist die Nachkriegsgeneration auch jene Bevölkerungsschicht, die sich Zahnersatz leisten kann und will. Im zahnlosen Kiefer wird als Standardversorgung oft eine Totalprothese im Oberkiefer mit implantatgestützter Steg-Prothese im Unterkiefer kombiniert.

 

Welche Fehler sollte man als Zahntechniker und Unternehmer Ihrer Meinung nach vermeiden, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben?

HRDINA: Viele versuchen, über niedrige Preise Kunden zu akquirieren. Aber das ist sehr kurzfristig gedacht. Man muss Geld verdienen, um auch wieder investieren zu können. Wenn ich eine vernünftige Kalkulation anstelle, weiß ich, dass ich mit unseren Produkten nicht unter ein gewisses Preisniveau gehen kann.

 

Auf der anderen Seite treten Sie für Zahnersatz ein, den sich auch Menschen mit geringem Einkommen leisten können …

HRDINA: Das ist schon richtig. Nur muss man dabei aufpassen, keine Zwei- oder Dreiklassenmedizin zu schaffen. Nehmen wir als Beispiel eine Keramikkrone im Frontzahnbereich. Wenn sie perfekt passen soll, ist sie nicht mit zwei oder drei Farben zu bewerkstelligen. Für die perfekte Ästhetik muss ich unter Umständen zehn bis 15 Farben hineinschichten, um die Krone dem natürlichen Nachbarzahn anzugleichen. Dass diese Arbeit zeitaufwändig ist, versteht sich von selbst. Eine Krone mit zwei oder drei Farben wird nicht dazupassen aber um einiges billiger sein. Das sollte man dem Patienten – am besten am Beispiel von Fotos – erklären. In den meisten Fällen wird sich der Patient für die teurere Krone entscheiden – wenn er die Wahl hat. Natürlich sollte dann auch nur der tatsächliche Mehraufwand des Zahntechnikers verrechnet werden und nicht ein Pauschalaufschlag.

 

Die Vor- und Nachteile von Zirkonoxyd sind nach wie vor ein Thema. Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Werkstoff bisher gemacht?

HRDINA: Wir waren beim Zirkonoxyd inklusive Fräsmaschine von Anfang an dabei. Anfangs haben wir uns ein wenig blauäugig angestellt. Wenn man sich Zirkonoxyd ansieht, ist es genauso ein totes Material wie Metall. Das haben wir erkannt und haben die Keramikschichtung umgestellt und bis dato gute Erfolge damit. Komplette „Hufeisen“ mit Zirkonoxyd betrachte ich aber mit Skepsis, weil für mich das Material für Ohr-zu-Ohr-Versorgungen einfach zu hart ist. Wir haben das auch schon angefertigt, wissen aber nicht, wie sich eine solche Versorgung langfristig auswirkt. Da sind die Universitätskliniken gefordert, um zu überprüfen, ob das funktioniert. Ich bin aber überzeugt, dass Zirkon Zukunft hat. Auf der anderen Seite hoffe ich, dass aus der Richtung Komposit auch noch Innovationen zu erwarten sind.

 

Wie sehen Sie die regelmäßigen Diskussionen rund um die Kompetenzerweiterung für Zahntechniker?

HRDINA: Ich bin strikt dagegen, in Österreich den Beruf des Zahnprothetikers einzuführen, den es in etlichen Ländern bereits gibt. Diese dürfen abnehmbaren Zahnersatz im Sinne von Totalprothesen im Patientenmund herstellen. Ich bin allerdings der Meinung, dass ich im Patientenmund nichts verloren habe. Schon allein deshalb, weil damit Hygienauflagen wie beim Zahnarzt verbunden sind. Ich denke, dass ein Zahntechniker mit den Aufgaben seines Berufes – nämlich hochwertigen Zahnersatz herzustellen – so viel zu tun hat, dass er nicht zusätzlich im Mund des Patienten arbeiten muss.

Dass ein Patient in Absprache mit dem Zahnarzt zur Einprobe einer Frontzahnkrone zu uns ins Labor kommt, sehe ich allerdings schon als notwendig an. Hier ist es sinnvoll, die Farbe mit dem Patienten anzupassen. In der Folge hätte ich aber ein rechtliches Problem, wenn der Patient an der Zahnkrone fast erstickt, wenn ich sie einsetzen oder aus dem Mund entfernen will und sie mir entgleitet. Weil ich diesen Vorgang im Patientenmund nicht durchführen dürfte. Hier würde ich eine rechtliche Absicherung des Zahntechnikers als erforderliche und sinnvolle Kompetenzerweiterung sehen.

 

Wie sieht es mit dem Nachwuchs bei den Zahntechnikern aus?

HRDINA: Da schneiden Sie ein heikles Thema an. Mit dem Nachuchs wird es immer schwieriger. Wenn ich zurückdenke, haben sich früher zwischen zehn und 20 Jugendliche gemeldet, die diese Ausbildung machen wollten. Damals hatte ich die Möglichkeit, unter diesen mittels Test die am besten Geeigneten herauszusuchen. Heute muss ich Glück haben, dass sich zwei, drei Interessenten pro Jahr melden. Darunter haben nicht alle das handwerkliche Geschick dafür. Es wird auch immer schwieriger, den jungen Leuten die Leidenschaft zu vermitteln, die man in diesen Beruf hineinlegen kann.

 

Sie werden beim Österreichischen Zahnärztekongress in Wien zwei Vorträge halten. Welche Themen bereiten Sie vor?

HRDINA: Zum einen bin ich an einem Vortrag mit Prof. Dr. Martin Lorenzoni, Prof. Dr. Gernot Wimmer und Doz. Dr. Frank Weiland zum Thema „Ästhetische Restaurationen im Team“ am Donnerstag beteiligt. Wir präsentieren interessante Fälle, die wir gemeinsam gelöst haben und die zeigen sollen, wie essenziell die gute Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten und Zahntechniker ist. Der zweite ist ein Workshop, eine Live-Demo mit Patienten zur sprachgeführten Frontzahnaufstellung am Samstag gemeinsam mit Dr. Michaela Nebl-Vogl.

 

Das Interview führte Mag. Andrea Fallent

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