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Foto: Manuela Glawe
Plasmabehandlung von Plaque (blau gefärbt) auf der Zahnwurzel eines extrahierten Zahns.
 
Zahnheilkunde 30. August 2010

Mit Plasma auf den Zahn gefühlt

Einzigartige Eigenschaften sind Grundlage für viele Anwendungen.

Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie e.V. und Zahnmediziner der Universität Greifswald untersuchen in einem gemeinschaftlichen Projekt, wie Plasma in der Zahnmedizin, beispielsweise bei Zahnfleischerkrankungen, wirkungsvoll eingesetzt werden kann.

 

Es gibt so gut wie keinen Bereich, in dem Plasma nicht auf die eine oder andere Weise Verwendung finden könnte. Seine einzigartigen Eigenschaften sind Grundlagen für viele technische Anwendungsmöglichkeiten. Die Forscher von PlasmaDent im Rahmen des Projektes Campus PlasmaMed zeigten im Rahmen des Projektes Campus PlasmaMed in ihren Experimenten die antimikrobielle Wirkung von Plasma auf planktonische Erreger, also frei bewegliche Mikroorganismen, wie sie in menschlichem Speichel vorkommen. Hierzu strichen sie Testkeime auf kleine Petrischalen mit einem Nährboden für Bakterien, behandelten sie mit Plasma und konnten bakterienfreie Zonen nachweisen.

Im Mund leben die Bakterien in Biofilmen. Die Erreger sind dabei in eine Kohlenhydratmatrix, die sie vor Umwelteinflüssen und antimikrobiellen Substanzen schützt, eingebettet. Dagegen kommen auch handelsübliche Antiseptika nicht ohne Weiteres an. Plasma könnte dieses Problem lösen.

Bakterielle Entzündungen bekämpfen

Wenn es nach den Wissenschaftlern des INP und der Universität Greifswald geht, sollen mit Plasmen auch bald solche Probleme in der Zahnheilkunde gelöst werden, die bisher nur sehr zeitaufwändig und schmerzhaft durchgeführt werden konnten. Das gilt zum Beispiel für die Parodontitis. Nach einer konventionellen Parodontalbehandlung bleiben häufig mikrobiell besiedelte Resttaschen zurück. In diesem Bereich, der mit konventionellen Methoden nicht erreichbar ist, können sich die Bakterien sehr schnell vermehren. Um Zähne mit Zahnfleischtaschen langfristig zu erhalten, müssen diese Beläge alle drei bis sechs Monate entfernt werden. Die mechanische Entfernung ist für die Patienten oft sehr schmerzhaft. Mittels Plasma könnten Zahnärzte sehr viel sanfter mit ihren Patienten umgehen.

Ebenfalls langwierig und schmerzhaft sind Wurzelbehandlungen der Zähne. Aber auch hier könnte der Einsatz von Plasma die Behandlung schmerzärmer und gleichzeitig effektiver machen. Mit einem am INP Greifswald eigens dafür entwickelten dünnen Plasma ist es möglich, auch schwer zugängliche Hohlräume wie Wurzelkanalsysteme und Zahnfleischtaschen gründlicher zu behandeln, und das ohne operativen Eingriff.

Plasma könnte ebenfalls die Behandlung von Periimplantitis unterstützen, wobei der auf der Implantatoberfläche befindliche Biofilm Entzündungen des umgebenden Gewebes und Knochenabbau hervorruft, welche die Langlebigkeit eines Implantats gefährden. Die antimikrobielle Wirkung von Plasma ermöglicht es, gefährliche Plaque auf Titan-, Zahn- und Prothesenoberflächen zu inaktivieren.

Bei Prothesenträgern wiederum kann es häufig zu Entzündungen durch eine Besiedlung der Prothese mit Hefepilzen kommen. Die Entfernung des Pilzes auf der Prothese allein mit Bürsten oder chemischen Prothesenreinigern ist schwierig und reicht oft nicht aus. Spezielle flächig wirkende Plasmen könnten Prothesen desinfizieren und der Prothesenstomatits vorbeugen. Der Einsatz von Plasmen würde somit vielversprechende und effektivere Alternativen zu den herkömmlichen Methoden in der Zahnmedizin bieten, so die Wissenschaftler von PlasmaDent.

 

Quelle: www.inp-greifswald.de

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