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Abb. 1: Jonglieren mit Geld ist gut, aber: Wieviel bleibt davon eigentlich unter dem Strich?
Foto: Privat

Dr. Gottfried Scholler

 
Zahnheilkunde 5. Juli 2010

Was bleibt eigentlich unter dem Strich?

Planungsrechnung für Ordinationen

Als Arzt, der kurz vor der Gründung seiner Ordination steht, taucht immer wieder die Frage auf, wie viel Umsatz erforderlich ist, damit schlussendlich ein gewünschtes Nettoeinkommen übrigbleibt.

Als Problemlösung bietet sich hier eine sogenannte Planungsrechnung an, die versucht zukünftige Geldflüsse abzubilden. Diese Planungsrechnung ist außerdem unerlässlich für Kreditverhandlungen bei den Banken. Je genauer und nachvollziehbarer die Planung ist, desto besser stehen die Karten für eine vernünftige Finanzierung. Doch kann das folgende Konzept auch für die Berechnung einer laufenden Ordination Sinn machen, um aus dem steuerlichen Ergebnis die verfügbaren Geldmittel zu ermitteln.

Als ersten Schritt muss der angehende Ordinationsinhaber versuchen, eine möglichst realitätsnahe Einnahmen-/Ausgabenrechnung zu erstellen. Hier wird sich ein angehender Kassenarzt, der die Stelle von einem Vorgänger übernimmt, wesentlich leichter tun, als ein Wahlarzt, der an einem völlig neuen Standort eine Ordination eröffnet. Dem Kassenarzt werden, wenn es keine neue Planstelle ist, in der Regel die Daten des Vorgängers zur Verfügung stehen, aus denen sich mit einigen Adaptionen ein Zukunftsszenario ableiten lässt.

„worst, medium und best scenario“

Der Wahlarzt muss aus hoffentlich schon bekannten Ausgabenpositionen und aus Erfahrungswerten, die in Zusammenarbeit mit Ärztekammern oder Steuerberatern ermittelt werden könnten, zumindest die Ausgabenseite abbilden und dann hochrechnen, welche Einnahmen notwendig, aber auch realistisch sind, um ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen. In der Wahlarztordination ist die Einnahmenseite noch eine größere Unbekannte als in der Kassenordination, wodurch es sich als zielführend erwiesen hat, wenn man ein „worst, medium und best scenario“ mit unterschiedlichen Jahreseinnahmen entwickelt.

Aber aus dieser Einnahmen-/Ausgabenrechnung und einer sich daraus ergebenden Steuerbelastung kann noch nicht auf das Nettoeinkommen oder gar das verfügbare Einkommen geschlossen werden. Dazu sind einige Adaptionen erforderlich.

Vorsicht vor „Doppelerfassungen“

Aus dem steuerlichen Gewinn gilt es den Geldfluss abzuleiten. Dazu sind zwei wesentliche „Korrekturen“ notwendig. Der Gewinn ist um die Abschreibung zu erhöhen und um Kreditrückzahlungen zu reduzieren. Die Abschreibung wird wieder hinzugerechnet, da sie im Jahr der Geltendmachung keine Auszahlung bewirkt. Eine tatsächliche Zahlung hat im Zeitpunkt der Anschaffung der medizinischen Geräte oder der Ordinationsräumlichkeiten stattgefunden und wird nur aufgrund steuerlicher Regelungen auf eine bestimmte Laufzeit verteilt.

Andererseits müssen noch Rückzahlungen, bzw. Zahlungen in einen Tilgungsträger für betriebliche Kredite berücksichtigt, also abgezogen werden, da diese im Gegensatz zu den Zinsen noch nicht erfasst wurden. Die Tilgung eines Kredites findet natürlich deswegen keine Berücksichtigung als Betriebsausgabe, da im Zeitpunkt der Kreditaufnahme Investitionen für die Ordination getätigt wurden, die entweder damals sofort abgesetzt wurden oder als Abschreibung jährlich das steuerliche Ergebnis reduzieren. Würde die Tilgung des Kredites zusätzlich als Betriebsausgabe angesetzt werden, käme es zu einer Doppelerfassung.

Steuervorauszahlung kann von tatsächlicher Steuer differieren

Möchte man vom Geldfluss zum Nettoeinkommen gelangen, ist die Berücksichtigung der Einkommensteuer notwendig. Hier stellt sich allerdings das Problem, das die Vorauszahlungen an Einkommensteuer und die tatsächliche Einkommensteuer für ein Jahr oft differieren. Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu bekommen ist es empfehlenswert, dass man einerseits die Steuervorauszahlungen des Jahres, andererseits aber auch eine mögliche Steuernachzahlung für das laufende Jahr zum Abzug bringt, der hoffentlich durch ein „Beiseitelegen“ auf ein „Steuersparbuch“ vorgebeugt wird.

Der so ermittelte Betrag kann nun noch durch 12 geteilt werden um eine Art monatliches Nettogehalt zu erhalten (ohne 13. und 14. Gehalt). Als nächsten Schritt könnte man noch das „frei verfügbares Geld“ ermitteln, indem vom Nettogehalt noch Zahlungen für private Kredite, private Kapitalanlagen und für die Lebenshaltungskosten abgezogen werden.

Kritische „Fehlbeträge“

Schlussendlich kann diese Berechnung noch erweitert werden, wenn man selbst noch zusätzlich ein Angestelltenverhältnis hat oder womöglich der Ehepartner auch ein Einkommen erzielt. Dadurch kann für die Familie die gesamte freie Geldmenge oder die Höhe eines Fehlbetrages ermittelt werden.

In der Gründungsphase wird durch solch eine Planungsrechnung, wenn die Ordinationsausgaben und die privaten Ausgaben relativ genau vorliegen, ersichtlich, welchen Umsatz es aus der Ordinationstätigkeit bedarf. Sollte unter dem Strich ein Fehlbetrag herauskommen, stellt sich die Frage, durch welche Maßnahmen ein positives Ergebnis erzielt werden kann. Ansatzpunkte sind Umsatzsteigerung, zusätzliche Einnahmen (vielleicht durch Untervermietung der Ordinationsräumlichkeiten), Kürzung von Ausgabepositionen oder eine Anpassung der Lebenshaltungskosten an das vorhandene Einkommen.

Korrespondenz: Dr. Gottfried Scholler Dr. Scholler & Partner WT-GmbH Wien – St. Pölten + 43 (01) 599 22 – 25 E-Mail: Internet: www.scholler.at Eine Kanzlei der MEDTAX-Gruppe Die Ärztesteuerberater Österreichweites Kompetenz-Netzwerk www.medtax.at

Gottfried Scholler, Wien, 4/2010

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