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Zahnheilkunde 5. Juli 2010

„Ich habe den Grundsatz, das Wirtschaftliche auszublenden.“

Der Konkurrenzkampf ist groß, und die eigene Belastbarkeit darf nicht infrage gestellt werden – weder vor den Patienten noch vor Kollegen. Eine ungenannt bleiben wollende oberösterreichische Zahnärztin in freier Praxis hat dem Zahn Arzt das nachfolgende Interview gegeben.

 

Unter Zahnärzten ist angeblich die Burn-out- und Suizidrate besonders hoch – worauf führen Sie das zurück?

Dr. Z.*: Wir Zahnärzte neigen dazu, uns selbst permanent zu überfordern. Wir sind ja auch ständig unter Erfolgsdruck: Als Zahnärztin liefert man stoffliche Ergebnisse ab, der Patient bzw. die Patientin merkt sofort, wenn etwas nicht passt. Wir sind von uns selbst, aber natürlich auch von unseren Patienten beurteilbarer als Ärzte anderer Fachrichtungen. Das kann sich rasch zu einer großen Belastung auswachsen.

 

Stehen Zahnärzte unter einem besonders hohen Druck?

Dr. Z.: Natürlich. Die Einrichtung einer Praxis kostet sehr viel Geld, das muss sich erst mal rentieren. Und je mehr man investiert und je mehr Behandlungsstühle und Personal man hat, desto mehr Geld muss die Praxis abwerfen. Das ist ein richtiger Teufelskreis. Da ist man schon versucht, auch Aufträge anzunehmen, die man eigentlich ablehnen sollte, weil das Geld bringt. Und damit wird die Überforderung zum ständigen Begleiter.

Wie gehen Sie mit dieser belastenden Situation um?

Dr. Z.: Ich habe es mir zum Grundsatz gemacht, das Wirtschaftliche ganz und gar auszublenden, wenn ich am Patienten arbeite. Und ich gehe davon aus, dass meine Praxis mit einer durchschnittlichen Auslastung rentabel ist. Mit meinen Patienten bespreche ich, was alles möglich und was für die Betroffenen leistbar ist – wenn ein Patient wenig Geld hat, dann werde ich versuchen, eine bezahlbare Variante zu finden – und zwar ohne darauf zu achten, wie viel Geld mir der Patient jetzt tatsächlich einbringt.

 

Das Gespräch führte Sabine Fisch * Name der Redaktion bekannt.

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